Basler Frauenquote ist ein Erfolg

Der Kanton St. Gallen will Frauen in Verwaltungsräten staatsnaher Betriebe fördern. Bisher kennt nur Basel-Stadt eine richtige Quote. Ein Jahr nach deren Einführung sind die Vorgaben schon fast erreicht.

Sina Bühler
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Frauen sollen auf Führungsstufe besser vertreten sein. (Bild: fotolia)

Frauen sollen auf Führungsstufe besser vertreten sein. (Bild: fotolia)

Frauen in Führungspositionen? Unbedingt. Eine Quote, um das zu erreichen? Auf gar keinen Fall. Die Quote hat ein schlechtes Image. «Es ist ein Reflex», sagt dazu SP-Kantonsrätin Anita Blöchliger Moritzi. «Eine Quote wird als künstlich und sogar ungerecht empfunden.» Dabei fussen der Schweizer Föderalismus und das Wahlsystem auf dem Modell einer Wohnortquote.

Moderat definiert

In der letzten Session beschloss der St. Galler Kantonsrat auf Antrag der SP/Grünen-Fraktion die Einführung einer Geschlechterquote. Sie ist moderat definiert: «Die Regierung wird eingeladen, bei der Wahl der Mitglieder in oberste Leitungsorgane von Organisationen mit kantonaler Beteiligung sicherzustellen, dass beide Geschlechter vertreten sind.» Diese Formulierung wird im Juni 2016 in Kraft treten und entstand im Rahmen der Beratung zur Public Corporate Governance, also den Grundsätzen, nach welchen Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung geführt werden sollen. Die Linke verlangte ursprünglich eine Frauenquote von 33 Prozent, doch das Vorhaben hatte keine Chance. Nicht einmal die Beschreibung «angemessen vertreten» fand eine Mehrheit.

Ein Drittel Frauen bis 2017

Im Kanton Basel-Stadt sieht das anders aus: Er ist bisher der einzige, der eine Geschlechterquote für Verwaltungsräte staatsnaher Betriebe eingeführt hat – per Volksabstimmung im Februar 2014. Bis 2017 muss mindestens ein Drittel der Mandate von Frauen gehalten werden. Und allen Unkenrufen der Quotengegnerinnen und -gegner zum Trotz: Dies wird wohl kaum ein Problem sein. «Wir haben es schon bald geschafft – nach weniger als einem Jahr», sagt dazu die Leiterin der kantonalen Gleichstellungsabteilung Leila Straumann. In jenen elf Verwaltungsräten, die ausschliesslich vom Kanton bestellt werden, beträgt die Frauenquote im Durchschnitt 31,9 Prozent. Um das Drittel zu erreichen, fehlen noch sechs Frauen. Und zählt man alle 115 Verwaltungsratsmandate zusammen, die von Basel-Stadt bestellt werden können, beträgt der Frauenanteil zurzeit 28,7 Prozent.

Interesse in Basel ist gross

«Die Quotenregelung kommt nur bei Neubesetzungen zum Tragen. Im Moment muss kein Mann seinen Verwaltungsratssitz aufgeben, damit sie erfüllt ist. Ab der Legislaturperiode 2017 ist die Quote aber verbindlich», erklärt Leila Straumann. Wenn ein Mandat frei werde, würden die zuständigen Departemente fähige Frauen suchen. Die Vorsteherin des Finanzdepartements, SP-Regierungsrätin Eva Herzog, ging noch einen Schritt weiter: Sie schrieb einen Sitz im Verwaltungsrat der kantonalen Gebäudeversicherung öffentlich aus. Für die Gleichstellungsbeauftragte eine gute Idee. Damit werde nicht nur der Kreis der Interessierten erweitert, sondern es liessen sich auch die notwendigen Qualifikationen präzisieren.

Im aktuellen Fall wird beispielsweise eine Architektin mit Kenntnissen in Finanzen gesucht. Das Interesse von Frauen sei gross. Als der Kanton Basel-Stadt im vergangenen Januar einen Informationsnachmittag mit dem Titel «Frauen im Verwaltungsrat – das erwartet Sie» veranstaltete, habe es einen Ansturm gegeben, blickt Leila Straumann zurück.

«Von alleine passiert nichts»

Wie die Liste der kantonalen Beteiligungen zeigt, hat der Kanton St. Gallen eine Frauenquote von 20 Prozent. In einem Drittel der Leitungsgremien sitzt überhaupt keine Frau. Dennoch hatte selbst die schwach formulierte Quote im Kantonsrat nur deshalb eine Chance, weil ein Teil der Bürgerlichen gegen ihre Fraktion stimmte. Zum Beispiel FDP-Kantonsrat Arno Noger. «Von alleine passiert es eben nicht», begründet er seine Unterstützung. Er hätte sogar einer Drittelsquote zugestimmt, sagt der ehemalige Rektor der Kantonsschule am Burggraben. «Ich habe an der Mittelschule gemerkt, dass es ein langsamer Prozess war, bis beispielsweise auch Frauen als Hauptlehrerinnen gewählt wurden.» Während einer gewissen Zeit brauche es eine Quote, ist Noger überzeugt: «Und es ist manchmal ein grösserer Aufwand, bis auch die Frauen selber überzeugt sind, dass sie die Richtigen für ein Mandat sind. Aber es ist absolut machbar, wenn man will.»

Den Kreis grösser machen

Die zögerliche Entwicklung habe auch damit zu tun, dass freie Mandate nicht bekanntgemacht würden, sagt Ratskollegin Anita Blöchliger Moritzi. «Man findet weder den besten Mann noch die beste Frau, wenn der Kreis der Interessierten klein bleibt. Die Basler Idee mit der öffentlichen Ausschreibung der Mandate gefällt mir sehr gut.»