BALLONSPORT: «Nichts ausser Ruhm und Ehre»

Der Thurgauer Stefan Zeberli ist neu offiziell weltbester Heissluftballonfahrer. Der 36-Jährige über die Reaktionen der Konkurrenz, Trainingsfahrten mit Passagieren und Rücktrittsgedanken.

Lisa Wickart
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Stefan Zeberli, der erste Platz in der Ballonfahrerweltrangliste – wie schafft man das?

Im vergangenen Jahr haben mir zwei Punkte für den ersten Platz gefehlt. Entscheidend für die diesjährige Spitzenplatzierung war meine Bronzemedaille an der Weltmeisterschaft 2016.

Der Spitzenplatz war also absehbar?

Nein, ich bin überrascht und freue mich sehr. Eine gute Platzierung habe ich erwartet. Jedoch nicht, dass ich Erster werde.

Gibt es dafür einen Preis?

Ausser Ruhm und Ehre nichts. Der Ballonsport ist eine Randsportart. Sachpreise sind hier nicht üblich. An der letzten Weltmeisterschaft in Japan im vergangenen November gab es ausnahmsweise Preise, aber auch nur, weil der Sport dort besonders populär ist.

Wie haben Ihre Teamkollegen aus der Nationalmannschaft reagiert?

Ausschliesslich positiv. Klar, jeder erhofft sich eine gute Platzierung. Von Neid kann man in unserem Team aber keinesfalls reden.

Sie haben schon fast alles gewonnen, was es im Ballonsport zu gewinnen gibt. War die Spitze der Weltrangliste Ihr letztes Ziel?

Ich bin amtierender Schweizer Meister, Europameister und jetzt führe ich die Weltrangliste an. Was mir noch fehlt, ist ein Weltmeistertitel. Mein grösstes Ziel ist darum die Goldmedaille an der Weltmeisterschaft in Österreich im Jahr 2018.

Wie oft trainieren Sie für die Weltmeisterschaft?

Als Training zählen zum einen die Teilnahmen an diversen Wettbewerben. Zum anderen trainiere ich während den Ballonfahrten. Im vergangenen Jahr habe ich insgesamt 185 Fahrten gemacht.

Trainieren Sie auch, wenn Sie Passagiere dabei haben?

Ja. Manchmal stelle ich mir Aufgaben und versuche beispielsweise, möglichst zielgenau über den Wohnort oder gar das Haus der Passagiere zu fahren.

Mit 34 Jahren denken die meisten Profisportler langsam an den Rücktritt. Sie nicht?

Doch, ich habe schon über einen Rücktritt nachgedacht. Seit zwölf Jahren nehme ich an internationalen Wettkämpfen teil. Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr auf diesem Niveau weiterzumachen, wenn ich mein Ziel erreiche und an der Weltmeisterschaft 2018 die Goldmedaille gewinne. Die Organisation und der Aufwand sind enorm. Mit dem Sport aufhören möchte ich jedoch nicht.

Lisa Wickart

lisa.wickart

@tagblatt.ch