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Balgacher Tänzerin in der «Helene Fischer Show»: «Sie respektiert unsere Kunst»

An Weihnachten ist sie in der «Helene Fischer Show» aufgetreten. Im Herbst tanzte sie in der Talentshow «America’s Got Talent» – und holte den zweiten Platz. Was kommt noch? Die Balgacherin Nathanya Köhn verrät es im Interview.
Interview: Maya Schmid-Egert
Die 25-jährige Nathanya Köhn sagt: «Ich will mich nicht über die Bühne definieren.» (Bild: PD)

Die 25-jährige Nathanya Köhn sagt: «Ich will mich nicht über die Bühne definieren.» (Bild: PD)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Nathanya Köhn, mit 25 Jahren standen Sie auf den Bühnen der Welt. Was war besser: «America’s Got Talent» (AGT) oder London 2012?

Das ist eine schwierige Frage. Krass gesagt, fiel mir AGT einfach zu. Die Tanz- und Akrobatikgruppe Zurcaroh, mit der ich Zweite wurde, ist ein Hobbyverein. Wir hatten das Glück, dass AGT-Scouts unseren «The Refuge»-Film auf Youtube sahen und uns anriefen. Das war’s. Eine Olympiakandidatur ist etwas anderes.

Inwiefern genau?

Es ist ein Entscheid fürs Leben. Als ich zum ersten Mal im Fernsehen eine Olympiade gesehen hatte, war es um mich geschehen. Schon als Fünfjährige wusste ich, dass ich einmal Olympionikin werden wollte, arbeitete in der Rhythmischen Gymnastik Berneck, dann in Magglingen auf dieses Ziel hin.

Also würden Sie sagen, dass Ihnen die Olympiade wichtiger war?

Ja, dafür opferte ich meine Kindheit und Jugend. Gerade, weil das Opfer so gross war, kann man es mit nichts vergleichen.

Sie denken an die harten Trainings zurück?

Die vermisse ich bestimmt nicht! Wir mussten bis zum Umfallen trainieren und stets unsere schlanke Figur halten. Trotzdem fiel ich in ein Loch, als es dieses Leben nicht mehr gab. Ich kannte ja nichts anderes.

Wir kamen Sie da wieder raus?

Ich änderte meine Einstellung, sagte mir: Schaue nicht mehr zurück, vielleicht ist das Vergangene die Vorbereitung auf etwas viel Besseres, das auf dich wartet. So konnte ich loslassen.

Und dann kam Zurcaroh?

Ja, genau. Ein Geschenk des Himmels. Im Gegensatz zum Spitzensport erlebe ich hier Freude und Leichtigkeit und stehe auf noch grösseren Bühnen.

Von Balgach nach Los Angeles

Nathanya Köhn ist in einer sechsköpfigen Familie in Balgach aufgewachsen, wo ihre Eltern ein Gartenbaugeschäft führen.

Mit fünf Jahren trat Köhn der Rhythmischen Gymnastik Berneck bei, wechselte mit 13 Jahren ins Nationalkader. 2010 und 2011 nahm sie an Europameisterschaften teil, 2011 und 2013 an Weltmeisterschaften. Mit Köhn war das Rhythmische-Gymnastik-Kader 2012 erstmals an einem Olympia-Qualifikationswettkampf mit dabei.

Nach dem Ende ihrer Spitzensportkarriere hat Köhn Kommunikation und Publizistik studiert. Seit 2016 tanzt sie in der Tanz-und Akrobatikgruppe Zurcaroh, mit der sie diesen September den zweiten Platz in der Talentshow «America`s Got Talent» erreicht hat.

Könnten Sie auch ohne Bühne leben?

Die Frage ist, warum man auf die Bühne will. Wegen der Leute, die einen dann sehen? Um «oben» zu sein? Tanzen kann ich doch überall. Ein Schnipp, der Körper spielt nicht mehr mit – und dann? Wer bin ich dann noch? Ich will mich nicht über die Bühne definieren.

Was nehmen Sie aus der AGT-Zeit mit?

Es war eine Riesenerfahrung, aber: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Was meinen Sie damit?

Wer in diesem Business arbeitet, strampelt sich ab. Da bleibt keine Zeit für Privates. Das war mit Abstand die strengste Show, die ich mitgestalten durfte. Während AGT stand der Rest des Lebens still.

Wie sah Ihr Tag aus?

Um 6.45 Uhr zur Maske, erste Probe als Einzelact, Stellungsprobe, Generalprobe der Show, Mittagessen, Liveaufzeichnung bis 19 Uhr. 12-Stunden-Tage waren die Regel.

Was ist eine Stellungsprobe?

Das ist die Kamera-Einstellung, wenn die Entscheidung zwischen den Kandidaten fällt. Wir mussten jeweils eine halbe Stunde nur dastehen und warten, bis das Licht von allen Seiten richtig eingestellt war.

Haben Sie Heidi Klum kennen gelernt?

Nicht wirklich. Sie kam einmal nach der Show zu uns, fragte, ob wir ein Selfie mit ihr machen wollten. Klar wollten wir! Die Judges wurde abgeschirmt. Das habe ich mir anders vorgestellt.

Sie klingen enttäuscht.

Ein bisschen, ja. Am Anfang waren alle sehr nett und offen. Mit der Zeit aber änderte sich dies, als sie merkten, dass wir uns nicht inszenieren lassen.

Sie sollten einem bestimmten Bild entsprechen?

Ja, genau. Einmal verlangte der Regisseur, dass unsere Jungs vor der Kamera weinen sollten. Als sie dies nicht taten, wurde die Szene gestrichen!

Sie lassen sich nicht verbiegen?

Auf keinen Fall! Peterson da Cruz Hora, unserem Trainer, geht es immer um Leidenschaft. Er sagt, wenn es nur noch ums Abrackern geht, das war bei AGT am Schluss so, dann muss man aufhören.

Dann wann war das gar keine so tolle Zeit bei AGT?

Doch. Aber auch, weil unser Trainer dafür sorgte. Er hatte die verrückte Idee, auf dem Walk of Fame einen Flashmob zu machen. Da gibt’s eine Mammutkreuzung. Als die Ampeln auf Grün standen, rannten wir auf die Kreuzung, tanzten zu «I Wanna Dance With Somebody» von Whitney Houston.

Sie legten den Verkehr lahm?

Nur für ein paar Sekunden. Ein Flashmob dauert ja nie lange. Die Autofahrer zückten ihre Handys, um uns zu filmen. Ein Video ist auf Youtube zu sehen.

Was sieht man darauf?

Auf der gesamten Reise in die Staaten haben wir Leute gebeten, mit uns zu tanzen: eine Flight-Attendant, einen Fluglotse, eine Rezeptionistin und viele mehr. Einige erstarrten, als wir fragten, andere machten spontan mit. Ein Riesengaudi!

Wie geht es nach AGT weiter?

Wir haben sehr viele Anfragen aus der ganzen Welt: Ägypten, Dubai, Australien. Kommt ihr für zwei Tage nach Macao?, wird etwa gefragt. Das ist natürlich nicht so einfach, weil wir 48 Leute sind plus Entourage.

Was ist die Schwierigkeit?

Die Spesen müssen bezahlt werden, Schulen und Arbeitgeber müssen damit einverstanden sein. Wir haben alle ein geregeltes Leben. Darum besprechen wir jede Anfrage demokratisch.

Wie kam es zum Auftritt in der «Helene Fischer Show»?

Sie hat uns bei AGT gesehen, angerufen und gemeint, dass unser Auftritt sie «umgehauen» habe. Sie wolle uns unbedingt in der Show mit dabei haben.

Helene Fischer steht im Zentrum einer Pose mit den Artistinnen und Artisten der Gruppe Zurcaroh. (Bild: SRF und ZDF/Michael Zargarinejad)

Helene Fischer steht im Zentrum einer Pose mit den Artistinnen und Artisten der Gruppe Zurcaroh. (Bild: SRF und ZDF/Michael Zargarinejad)

Was ist dann passiert?

Ende November kam sie für ein Wochenende zu uns. Mit dem Privatjet reiste sie aus Paris an, landete in Altenrhein, trainierte mit uns. Die grosse Helene Fischer in der KOM-Turnhalle in Altach! Sie wollte nicht zu einem eigenen Song performen, sondern uns unsere Art lassen. Das sagt viel über sie aus, finde ich.

Was genau meinen Sie damit?

Im Gegensatz zu AGT behandelte sie uns auf Augenhöhe, respektierte unsere Kunst. Sie war Teil von Zurcaroh und wir Teil von ihr! Dabei blieb sie bodenständig und zugänglich.

Sie konnten mit ihr sprechen?

Ja, beim Einwärmen vor der Show fragte ich sie, ob es ihr gut gehe. Die hatte ja ein unglaubliches Pensum zu absolvieren! Sie antwortete, sie freue sich auf den Auftritt mit uns. «Ja-nneeh», «müss’mer halt!», waren Worte, die sie oft sagte.

Haben Sie in Düsseldorf andere Prominente kennen gelernt?

Ja, klar. Beim Abendessen sass ich neben Maite Kelly. Ich habe sie gefragt, ob sie ihre Kinder jeweils mit zu den Auftritten nehme. Ihr Manager, meinte sie, achte darauf, dass sie jeweils nicht allzu lange weg von der Familie sei. Sonst würde sie zu viel weinen. Das fand ich menschlich.

Haben Sie auch den Sänger Luca Hänni getroffen?

Am ersten Tag habe ich mich nicht getraut, ihn anzusprechen. Dann habe ich mir gesagt, dass ich es wohl betreuen würde, wenn ich’s nicht täte. Gut, dass ich das gewagt habe, denn von ihm habe ich etwas gelernt.

Nathanya Köhn und Luca Hänni. (Bild: PD)

Nathanya Köhn und Luca Hänni. (Bild: PD)

Was wäre das?

Ich plauderte mit Newcomer Eli, der meinte, er sei so aufgeregt gewesen vor diesem – seinem allerersten – Fernsehauftritt. Luca Hänni gesellte sich zu uns und meinte später: «Findet ihr auch, dass im Showbiz ‹Connecten› alles ist?»

«Connecten»?

Leute kennen lernen, Telefonnummern austauschen: Das taten die beiden Sänger dann auch. Ich könnte mir vorstellen, dass die beiden einmal miteinander auftreten werden.

Und: Konnten sie «connecten»?

Das ist halt auch von den Promis abhängig. Schauspieler Florian David Fitz, mit dem ich ein Selfie machte, war eher reserviert, während Comedian Martin Schneider mich aufforderte, ihm unser Bild für Facebook zu schicken. Das fand ich herzig.

Was nehmen Sie aus der «Helene Fischer Show» mit?

Die Aftershow-Party bleibt unvergesslich. Zurcaroh hatte die Information verpasst, dass es einen Dresscode gebe. Wir standen in unseren Trainingskleidern da, währenddem sich alle anderen herausgeputzt hatten.

Ein Fauxpas?

Und was für einer! Aber kein Problem für Helene Fischer: Mit Zurcaroh tanzte sie die Nacht durch. Wir eröffneten den Dancefloor und verliessen ihn nicht vor 4 Uhr. Dann mussten wir zum Flughafen.

AGT, «Helene Fischer Show»: Was kommt als Nächstes?

Im Sommer könnten wir für zehn Tage in Las Vegas mit unserem eineinhalbstündigen Programm auftreten und «Cirque du Soleil»–Luft schnuppern, wie unser Trainer sagt.

Woran könnte es scheitern?

Die Frage ist, schaffen wir eine solches Training überhaupt? Las Vegas hätte unseren Entscheid lieber gestern als morgen gehabt …

Würden Sie sagen, dass sich Ihr Leben dieses Jahr verändert hat?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe zum ersten Mal einen festen Freund, und ich habe zum ersten Mal eine feste Arbeitsstelle als Marketingmanagerin bei Leica Geosystems in Heerbrugg. Seit September werden meine Eltern auf mich angesprochen, gebe ich Interviews.

Sie haben Ihren ersten, fixen Lohn erhalten?

Ja! Ich habe ein sicheres, geregeltes Leben und darf immer wieder Ausflüge in eine andere Welt unternehmen. Besser kann es einem nicht gehen.

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