OhO beschenkt 16-jährige Rheintalerin: Bald zeichnet sie noch besser

Eine 16-Jährige aus dem Rheintal zeichnet leidenschaftlich gerne. Sie lebt in einem Heim, ihre Familie hat wenig Geld. Die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern hat ihr ein Geschenk gemacht.

Katharina Brenner
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Am liebsten zeichnet die 16-Jährige Mangas – ein Comicstil, der aus Japan stammt. (Bild: Getty)

Am liebsten zeichnet die 16-Jährige Mangas – ein Comicstil, der aus Japan stammt. (Bild: Getty)

Für das Treffen in ihrer Wohngruppe kurz vor Weihnachten darf die 16-Jährige den Unterricht verlassen. Werken hätte sie jetzt. «Das macht mir Spass. Wir arbeiten gerade an Weihnachtsgeschenken.» Sie selbst hat dieses Jahr ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk bekommen: Anfang Dezember teilte ihre Mutter ihr mit, dass sie 400 Franken von der Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) erhält. Der Beirat hatte das Gesuch bewilligt. «Ich habe mich sehr gefreut», sagt die 16-jährige Rheintalerin, die anonym bleiben möchte.

Von dem Geld wird sie Winterkleidung kaufen. «Ich brauche dringend Winterstiefel. Und neue Turnschuhe für den Sportunterricht brauche ich auch.» Ihrer Mutter fehlt das Geld dafür. Sie lebt von der Sozialhilfe. Die Tochter besucht seit vier Jahren eine interne Sonderschule im Kanton St. Gallen. Erst in einer reinen Mädchenwohngruppe, seit anderthalb Jahren in einer geschlechtergemischten. Die neun Jugendlichen teilen sich die Gemeinschaftsräume.

Probleme mit Mobbing, mit Vater und Stiefvater

Vier externe Schüler verbringen den Mittag und Nachmittag in der Wohngruppe, gehen dann aber am Abend nach Hause. «Ich bin eine Interne», sagt das Mädchen und wirkt dabei zufrieden. «Ich fühle mich sehr wohl.» Die Rheintalerin ist hier, weil sie sich an ihrer alten Schule mit dem Schulstoff schwer getan hatte und auch gemobbt worden war. Auch zu Hause gab es Probleme: mit Vater und Stiefvater. Zur Mutter hingegen hat sie ein gutes Verhältnis. Jedes Wochenende verbringt sie bei ihr. Ab dem neuen Jahr jedes zweite.

Wofür steht OhO?

Ostschweizer helfen Ostschweizer (kurz OhO) will die soziale Verantwortung in der Ostschweiz stärken. Dafür sammelt OhO jedes Jahr Spenden für Ostschweizer/-innen, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.

Das Geld, das sie von OhO erhalten hat, wird die 16-Jährige nicht nur für Kleidung ausgeben. Sie will davon auch Utensilien fürs Zeichnen und Malen kaufen. Das war Teil dieses Weihnachtsgeschenks. «Ich zeichne eigentlich immer in meiner Freizeit.» Manchmal einfach, was ihr in den Kopf komme, manchmal Tier- und Naturmotive. Sie holt ein Stück Holz hervor, in das sie mit einem Brandmalkolben eine Tigermutter mit Baby gebrannt hat. Detailgetreu und präzise. «Wenn ich zeichne, bin ich mittendrin. Dann konzentriere ich mich ganz darauf. Das tut mir gut.» Was sie nicht so sehr mag: Wenn ihr jemand vorschreibt, was sie zeichnen soll. «Im Kunstunterricht malen wir gerade Bäume. Das macht mir nicht so viel Freude.»

Zweiter Band eines Buchs und Schattierungsstift 

Am liebsten zeichnet die 16-Jährige Mangas – ein Comicstil, der ursprünglich aus Japan stammt. Die Figuren sind zierlich und haben grosse Augen. Die Geschichten, welche die 16-Jährige damit erzählt, kommen aus dem Alltag: Gegenstände, die verloren gehen, Mitschüler, die Streiche spielen. «Ich bin schon oft genug in meiner Fantasie», sagt sie und fügt hinzu: «Das finden jedenfalls meine Betreuer.» Manchmal verliere sie sich in Tagträumen. «Da tut mir etwas Realität in meinen Zeichnungen gut.»

Die 16-Jährige hat ein Buch, in dem erklärt wird, wie man Mangas zeichnet. Doch das kenne sie inzwischen so gut, dass sie nichts mehr daraus lernen könne. Von dem Geld der Spendenaktion OhO möchte sie den zweiten Band des Manga-Buchs kaufen. Und einen Schattierungsstift. Eine Kollegin habe einen solchen Stift, der sei toll. Im Jahr 2020 wird die Rheintalerin voraussichtlich die Schule abschliessen und eine Ausbildung anfangen. In welchem Bereich, weiss sie noch nicht. Vielleicht ja in einem, in dem sie ihr Talent im Zeichnen einbringen kann.

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