Bald schneller Surfen in Innerrhoden: Der Kanton drückt beim Ausbau des flächendeckenden Breitband-Internetzugangs aufs Tempo

Appenzell Innerrhoden soll flächendeckend mit schnellem Internet versorgt werden. Dafür will der Kanton mit der Swisscom zusammenarbeiten. Während der Coronazeit hat sich gezeigt, dass einige Gebiete noch nicht ausreichend erschlossen sind.

Claudio Weder
Drucken
Teilen
Appenzell Innerrhoden soll künftig flächendeckend mit einem Glasfasernetz erschlossen werden.

Appenzell Innerrhoden soll künftig flächendeckend mit einem Glasfasernetz erschlossen werden.

Bild: Carlo Reguzzi / KEYSTONE

Der Kanton Appenzell Innerrhoden treibt den Ausbau des schnellen Breitband-Internetzugangs voran. An einer Pressekonferenz am Donnerstag haben der stillstehende Landammann Roland Dähler sowie Markus Reber, Leiter Netzbau bei der Swisscom, ein «Memorandum of Understanding» (Absichtserklärung) unterzeichnet. Darin sind unter anderem die Ausbaustrategie für das Festnetz im gesamten Kantonsgebiet sowie die entsprechende Ausbauplanung der Swisscom geregelt.

Roland Dähler, stillstehender Landammann Appenzell Innerrhoden.

Roland Dähler, stillstehender Landammann Appenzell Innerrhoden.

Bild: PD

«Wir freuen uns, dass der Projektfortschritt nun beschleunigt werden kann», sagte Dähler. Gerade in den vergangenen Monaten, in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling, habe sich deutlich gezeigt, dass in einigen Kantonsgebieten die Internetversorgung noch nicht genügend gut sei.

«Beim Amt für Wirtschaft sind deswegen zahlreiche Reklamationen eingegangen.»

Eine kürzlich zusammen mit der Swisscom durchgeführte Analyse habe ergeben, dass bei rund 1650 Nutzungseinheiten im Kanton die Mindestbandbreite von 10 Mbit/s noch nicht erreicht wird.

Nachfrage ist vor allem bei Unternehmen gross

Die Pandemiesituation habe den Bedarf an höheren Bandbreiten auch im Industriesektor merklich erhöht. In einer Umfrage des Volkswirtschaftsdepartements bei 250 Unternehmen nannte rund die Hälfte der teilnehmenden Firmen einen Mehrbedarf von durchschnittlich 1 Gbit/s. Eine noch grössere Bandbreite bis 10 Gbit/s wurde von einzelnen Informatikbetrieben und Industriebetrieben nachgefragt.

«Es ist ein grosses Ziel des Volkswirtschaftsdepartements, dass unsere Unternehmen eine zuverlässige und schnelle Internetbandbreitversorgung bekommen», sagte Dähler. Die Umfrage zeige, dass man «am richtigen Ort den Hebel angesetzt» habe.

Im April 2019 hat die Standeskommission die «Ausbaustrategie 2025» beschlossen. Deren Ziel ist ein flächendeckendes, hochverfügbares Kommunikationsnetz, welches auf einem Glasfasernetz basiert. Die Projektmitglieder sind nun zum Schluss gekommen, dass der weitere Netzausbau am effizientesten auf der Basis des bestehenden Netzes der Swisscom realisiert werden kann.

Roland Dähler (links) und Markus Reber (rechts) unterzeichnen die Absichtserklärung. Hinten: Fredy Brunner, alt Stadtrat St. Gallen.

Roland Dähler (links) und Markus Reber (rechts) unterzeichnen die Absichtserklärung. Hinten: Fredy Brunner, alt Stadtrat St. Gallen.

Bild: PD

Das Unternehmen habe zum einen mit seinem Grundversorgungsauftrag den Kanton bereits zum grössten Teil erschlossen, sagt Dähler. Zudem biete die Swisscom gerade in ländlichen Gebieten eine Point-to-Multipoint-Technologie an. Diese Technologie, bei der das Signal einer Glasfaserzuleitung auf mehrere Hausanschlüsse aufgeteilt wird, ist gemäss Dähler kostengünstiger, bedarfsorientiert und wird auch im benachbarten EU-Raum eingesetzt. Die Ausbaustrategie soll letztlich aber auch ermöglichen, dass bestehende Infrastrukturen anderer Netzgesellschaften, etwa der SAK, in den Netzausbau einbezogen werden können.

Ausbau auf 5G scheint unumgänglich

Die Breitbandversorgung soll mit einer leistungsfähigen Mobilfunktechnologie ergänzt werden. Mit dieser können Gebiete erschlossen werden, in denen die Erschliessung mit Glasfaser aus technischen oder kommerziellen Gründen nur wenig sinnvoll ist. Die maximale Sendeleistung der Antennen sei heute schon oft zu mehr als 90 Prozent ausgelastet, so Markus Reber.

«Ein massvoller Ausbau auf den 5G-Standard scheint deshalb unumgänglich.»

Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung ist der erste Schritt hin zu den eigentlichen Kooperationsverträgen erfolgt. Bis Ende 2020 soll ein «Letter of Intent» ausgearbeitet werden, der – als Ergänzung zur Absichtserklärung – die Kosten, den Zeitplan sowie die technische Implementierung regelt.