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Bald ist die Wintersaison im Obertoggenburg zu Ende: Die Bahnbetreiber streiten immer noch

Heute braucht es für das gesamte Skigebiet zwischen Wildhaus und Alt St.Johann ein Ticket. Ende Saison ist damit Schuss. Es sei denn, die beiden zerstrittenen Bahnbetreiber im Obertoggenburg raufen sich zusammen. Anzeichen dafür fehlen.
Regula Weik
Bald alleine unterwegs? (Bild: Benjamin Manser, Wildhaus 28. Dezember 2018)

Bald alleine unterwegs? (Bild: Benjamin Manser, Wildhaus 28. Dezember 2018)

Am See drücken die Schneeglöckchen. In den Bergen liegt noch eine dicke Schneeschicht. Den Bergbahnbetreibern ist es recht. Dieser Winter verspricht höhere Frequenzen, vollere Kassen. Sorgenfrei schauen dennoch die wenigsten Bahnunternehmen in die Zukunft. Schon gar nicht jene im oberen Toggenburg. Ihr Streit ist nicht beigelegt, ihre Zukunft ungewiss, eine gemeinsame erst recht – trotz aktueller Ruhe.
Einer, der jede Zuckung, jede Anfeindung und Anschuldigung hüben wie drüben hautnah mitbekommt, ist Regierungsrat Bruno Damann. Doch auch der Volkswirtschaftsdirektor erklärt: «Ich habe nichts mehr gehört, von beiden Seiten nicht.» Auf die Frage, ob der Kanton nochmals einen Anlauf unternimmt, die zwei Bahnunternehmen im Obertoggenburg zur Zusammenarbeit zu bewegen, meint Damann:

«Unsere Tür war nie zugeschlagen. Ein Telefon genügt und ich bin bereit, mich wieder mit ihnen an einen Tisch zu setzen. Doch ich muss spüren und ein klares Signal haben, dass sie sich bewegen wollen.»

Und wie tönt es bei den beiden Unternehmen? Wie sehen sie ihre Zukunft?

Rhyner wartet auf eine Antwort

Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident Wildhaus Bergbahnen AG. (Bild: PD)

Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident Wildhaus Bergbahnen AG. (Bild: PD)

Es sei noch zu früh für eine Aussage, sagt Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG. Ihr Fokus sei derzeit auf der Wintersaison; die Anlagen laufen bis Ende Monat – «dann wird Bilanz gezogen, dann werden wir auch Gespräche über die Zukunft führen». Auf die Frage, ob er in den nächsten Monaten aktiv auf die Toggenburg Bergbahnen AG zugehen wird, sagt Rhyner:

«Wir gingen bereits aktiv auf sie zu. Unser Vorschlag liegt auf dem Tisch.»

Und dieser lautet: Duales Ticketsystem. Künftig sollen nebst dem gemeinsamen regionalen Winterticket auch lokale Skipässe angeboten werden. Im Sommer haben die Wildhauser den Vorschlag der Konkurrenz am Berg unterbreitet. «Er zementiert das Trennende und hält an überholten Strukturen fest», hatte Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen AG, die Idee damals gegenüber unserer Zeitung kommentiert. «Ich habe bis heute keine Geschäftsantwort von ihr», sagt Rhyner.

Melanie Eppenberger, Präsidentin des Verwaltungsrats der Toggenburg Bergbahnen AG. (Bild: Hanspeter Schiess)

Melanie Eppenberger, Präsidentin des Verwaltungsrats der Toggenburg Bergbahnen AG. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eppenbergers Haltung ist klar: Die Toggenburg Bergbahnen AG sei weiterhin offen für Fusionsgespräche. Denn: «Die Fusion ist die einzige Alternative zum Alleingang der beiden Unternehmen.» Ein Zusammenschluss der beiden Bergbahnen im oberen Toggenburg werde «von breiten Kreisen» gewünscht und stehe sogar «als Zweck in den Statuten des Vereins Bergbahnen Toggenburg». Ihr Aktientauschangebot an die Wildhauser laufe noch bis Ende September, sagt Eppenberger. «Der Rücklauf wird ein wichtiger Indikator sein, ob die Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus weiterhin ein gemeinsames Winterticket wünschen» – oder eben nicht.

An Vorschlägen mangelt es nicht

In den vergangenen Monaten, inzwischen besser Jahren, lagen in der Tat verschiedene Ideen und Vorschläge auf dem Tisch. Bloss: Sie wurden von den Bahnunternehmen allesamt verworfen, teils diskussionslos weggeschoben oder sang- und klanglos begraben. Was ist alles versucht worden?

Das Angebot: Die Toggenburg Bergbahnen AG unterbreitet im Juni 2017 den Wildhausern ein Aktientauschangebot. Bei diesen kommt das Vorgehen schlecht an: Die Wildhauser sprechen von einem «feindlichen Übernahmeangebot». Die Toggenburg Bergbahnen AG verlängern die Frist, sie läuft nun noch bis Ende September.

Der Kanton: Die Wildhauser Bergbahnbetreiber stellen Anfang November 2016 beim Kanton das Gesuch um ein Investitionshilfedarlehen von fünf Millionen Franken. Das Volkswirtschaftsdepartement erklärt ihnen unmissverständlich: Solange die Zukunft des gemeinsamen Wintertickets im Obertoggenburg nicht gesichert ist, fliesst kein Geld.

Die Klage: Die Wildhauser Bahnbetreiber werfen der Regierung darauf rechtswidriges Verhalten vor. Ihre Auflage sei «willkürlich und missbräuchlich». Die Wildhauser erheben Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht – ziehen diese im Dezember 2018 wieder zurück. Ihr Ausbauprojekt ist weiter blockiert; die Finanzierung ist nicht gesichert.

Der Bund: Im Mai 2018 greift der Bund in den Toggenburger Bergbahnenstreit ein. Wenige Wochen später stoppt das Staatssekretariat für Wirtschaft seine Vermittlungsbemühungen; es sieht keine Chance auf Erfolg. Die Positionen der Beteiligten lägen zu weit auseinander.

Die Alternative: Vergangenen Sommer schlagen die Wildhauser Bergbahnen neben dem umstrittenen regionalen Winterticket neu auch lokale Skipässe vor. Die Konkurrenz am Berg nimmt die Idee zur Kenntnis, hält aber nichts von diesem «lokalpolitisch begründeten Gärtlidenken». Für Aussenstehende ist das Verhalten der beiden Bahnunternehmen schwierig bis gar nicht nachvollziehbar. Regierungsrat Damann ist «felsenfest» überzeugt: «Zwei getrennte Tickets täten der Region nicht gut, auch den beiden Unternehmen nicht. Das wäre der falsche Entscheid.» Doch er könne die beiden nicht zur Zusammenarbeit zwingen. Kanton wie Bund hätten sich darum reichlich bemüht.

Kommt es zum Bruch?

Im Tal sind viele des Streits und der Streithähne leid. Hinter vorgehaltener Hand sagt selbst der eine oder andere verwurzelte Toggenburger: «Lasst sie doch weiter streiten. Ihre Sturheit wird ihnen noch um die Ohren fliegen.» Vielleicht «hilft» nur noch der Bruch, die getrennten Wege und die damit einhergehenden Einbussen in den Kassen, um die beiden Unternehmen zur Vernunft zu bringen. Irgendwann.

Die Toggenburg Bergbahnen AG stehe auf einem «soliden und gesunden Fundament, um sich den zukünftigen Herausforderungen zu stellen – allenfalls auch alleine», sagt Eppenberger. Auch Rhyner macht sich keine allzu grosse Sorge um die Zukunft der Wildhauser Bergbahnen. Ihr Zielpublikum seien Familien – und diese würden kaum das gesamte Gebiet befahren. «75 Prozent der Wintersportler, die in Wildhaus einsteigen, nutzen nur die hiesigen Anlagen», sagt Rhyner. Also könnte er mit getrennten Tickets leben? «Es wäre sicher nichts zum Applaudieren.»

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