Bald darf man Opa wieder besuchen: Besuchsverbot in Altersheimen wird gelockert – doch nicht in allen Ostschweizer Kantonen gleichzeitig

In St. Galler und Appenzeller Altersheimen sind Besuche ab dem 11. Mai wieder erlaubt, im Thurgau sogar schon ab dem 1. Mai. Doch Heimleiter warnen vor zu früher Lockerung.

Ralf Streule
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Freude bei dem Bewohner eines Altersheims über die baldige Lockerung des Besuchsverbots.

Freude bei dem Bewohner eines Altersheims über die baldige Lockerung des Besuchsverbots.

Bild: Laurent Gillieron/Keystone

Seit bald sieben Wochen gilt in Schweizer Alters- und Pflegeheimen Besuchsverbot. Nur in absoluten Ausnahmefällen können Bewohnerinnen und Bewohner unter grossen Schutzvorkehrungen Verwandte empfangen. Dieses Verbot wird nun in den kommenden Wochen in Ostschweizer Kantonen aufgehoben. Gemäss Ostschweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz gilt die Lockerung der Besuchsregeln – auch in Spitälern – ab dem 11. Mai. Dies gilt zumindest für die Kantone St.Gallen, beide Appenzell, Glarus, Schaffhausen und Zürich. Der Thurgau hingegen lockert bereits per 1. Mai. Und Graubünden erst ab dem 1. Juni – da der Kanton stärker vom Coronavirus betroffen ist.

Doch weshalb das Vorpreschen des Thurgaus? Das Thurgauer Amt für Gesundheit habe seit längerem die Lockerung des Besuchsverbot in den Alters- und Pflegeheimen geplant, sagt Regierungspräsident Jakob Stark. Der Entscheid sei mit Curaviva Thurgau «und vielen Alters- und Pflegeheimen abgesprochen».

Besuchsregeln werden weiterhin rigid sein

St. Galler Regierungsrätin und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann.

St. Galler Regierungsrätin und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann.

Bild: Urs Bucher

Heidi Hanselmann versteht, wenn kantonal abweichende Lösungen viele Leute vor den Kopf stossen. Die St.Galler Gesundheitschefin und Präsidentin der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz sagt:

«Natürlich wäre es schön, wenn alle Ostschweizer Kantone gleichzeitig öffnen könnten. Immerhin haben sechs Kantone einen gemeinsamen Termin gefunden.»

Der Entschluss, das generelle Besuchsverbot überhaupt aufzuheben, habe mit dem unterdessen erleichterten Zugang zu Schutzmasken zu tun, sagt Hanselmann. Die Besuchsregeln würden aber weiterhin rigid sein, «da wir es mit vulnerablen Personen zu tun haben». Schutzmasken werden für Besucher also Pflicht sein – ebenso die Anmeldung des Besuchs. Wie genau die Lockerung umgesetzt wird, werde man erst noch entscheiden. Noch wolle man die Entwicklungen der kommenden Tage abwarten. Sicher sei: Details in der Umsetzung der neuen Regelungen werden letztlich die Heime selbst bestimmen können – da die infrastrukturellen Unterschiede von Heim zu Heim gross seien.

Heimleiter pochen nicht auf schnelle Öffnung

Detlef Schmidt, Altersbetreuung Herisau, Bereichsleitung Betreuung und Pflege.

Detlef Schmidt, Altersbetreuung Herisau, Bereichsleitung Betreuung und Pflege.

Hört man sich bei Heimleitern um, wird eines klar: Auch wenn der Wunsch nach Normalität gross ist, will man die Lockerung vorsichtig angehen. «Es ist definitiv noch viel zu früh, um normale Besuche ohne umfangreiche Schutzvorkehrungen zu erlauben», sagt Detlef Schmidt von der Stiftung Altersbetreuung Herisau. So würden in Altersheimen in Herisau in den kommenden Tagen gerade erst Besuchsboxen eingerichtet, in welchen Glasscheiben die Besucher von den Bewohnern trennen. Vorstellen könne er sich auch weitere speziell für Besuche vorgesehene Räume – wie es Heime zuletzt bereits bei Ausnahmebesuchen gehandhabt hätten.

Alban Georgy, Heimleiter Altersheim Sömmerli

Alban Georgy, Heimleiter Altersheim Sömmerli

Zu moderater Lockerung rät auch Alban Georgy, Heimleiter des Altersheims Sömmerli in der Stadt St.Gallen. «Viele Bewohner sehnen sich nach Besuch und sozialen Kontakten ausserhalb des Heims», sagt er. Doch: «Lieber bleiben wir noch einige Wochen zurückhaltend, damit wir die Regeln nicht schon bald wieder verschärfen müssen.» Besonders für Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz sei die aktuelle Ausnahmesituation sehr schwer fassbar – «eine ständige Änderung der Regeln müssen wir möglichst vermeiden.»