BAHNVERBINDUNG NACH MÜNCHEN
Fahrplanglück auf Zeit: Wegen Bauarbeiten in Österreich hält der Eurocity nach München in Sargans und Buchs

Das Werdenberg und das Sarganserland sind unverhofft zu einer Direktverbindung in die bayrische Landeshauptstadt München gekommen. Dafür gab es über zwei Monate hinweg keine durchgehenden Züge mehr via St.Gallen und den Korridor St.Margrethen–Bregenz nach Deutschland. Morgen ändert das Regime wieder.

Reinhold Meier
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Der schnittige Triebzug der Baureihe RABe eilt als Eurocity 96 von München kommend via Buchs und Sargans (hier im Bild) nach Zürich.

Der schnittige Triebzug der Baureihe RABe eilt als Eurocity 96 von München kommend via Buchs und Sargans (hier im Bild) nach Zürich.

Bild: Reinhold Meier

Sie war beim letzten Fahrplanwechsel im Dezember mit viel Vorschusslorbeeren bedacht worden, die neue Direktverbindung von Zürich nach München. Schneller sollte der Eurocity fahren, komfortabler und zeitlich stabiler. In Lindau wurde dazu eigens ein neuer Bahnhof gebaut, der deutsche Streckenabschnitt mit Millionenaufwand elektrifiziert, unterstützt auch mit Mitteln des Bundes. Doch dann hat man wohl einen kurzen Streckenabschnitt in Österreich vergessen.

Das hatte fatale Folgen, denn in Österreich wird seit Anfang April, wie schon lange geplant, gebaut, ohne dass SBB und DB das beim Eurocity-Start so richtig auf dem Radar hatten. Beim Hauptbahnhof Bregenz finden weitreichende Gleisarbeiten statt, die bestimmte Fahrwege einschränken. Hinzu kommt die Erstellung eines zweigleisigen Bahndamms zwischen Hard und Lauterach. Und dann gab's bei Lindau wegen der sogenannten Südbahn nach Ulm auch noch Oberleitungsarbeiten mit Totalunterbruch. In der Summe konnten somit über zwei Monate hinweg keine durchgehenden Züge mehr via St.Gallen den notwendigen Korridor St.Margrethen–Bregenz nach Deutschland benutzen.

In unter drei Stunden nach Buchs

Das hatte zur Folge, dass die betroffenen Züge von München zunächst nach Lindau und von dort bis Feldkirch geführt werden mussten statt über St.Gallen direkt nach Zürich. In Feldkirch hiess es dann Umsteigen auf den Railjet aus Wien. Der brachte die Fahrgäste schliesslich mit rund einer halben Stunde Verspätung in die Limmatmetropole. In der Gegenrichtung musste man mit dem gleichen umständlichen Prozedere vorliebnehmen. Eine der täglich vier Verbindungen wurde jedoch durchgehend angeboten, zwar ebenfalls via Feldkirch, aber eben ohne Umsteigen.

So kamen, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, das Werdenberg und das Sarganserland unfreiwillig in den Genuss einer Direktverbindung von und nach München. Dabei lagen die Fahrzeiten sehr günstig für einen kurzen Tagesausflug oder für Geschäftsreisen und sie waren kurz wie nie.

Die Abfahrt in Sargans datierte auf 9.12 Uhr sowie 9.30 Uhr in Buchs. Die Ankunft in München erfolgte kaum dreieinhalb Stunden später, schon um 12.55 Uhr. Die Rückfahrt von München ging noch viel flotter. Der Eurocity startete dazu um 18.52 in der Isar-Metropole und erreichte Buchs in nicht einmal drei Stunden bereits um 21.45 Uhr. Das gilt als bisher unerreicht. Sargans folgte dann, ebenfalls rekordverdächtig, knapp über drei Stunden bereits um 22.10 Uhr.

Doch für eine Weisswurst-Brotzeit in Bayern ist der Zug im südlichen Kantonsteil jetzt abgefahren. Ab morgen Dienstag, 1. Juni, sollen die Züge wieder regulär verkehren, sodass St.Gallen dann wieder an den internationalen Fernverkehr angebunden ist. Im Süden dauert es dafür nun meist wieder rund eine Stunde länger mit meist mehrfachem Umsteigen.