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BAHNENSTREIT: «Dann gute Nacht, Toggenburg»

Die Bergbahnen Wildhaus sind verärgert. Der Kanton hat ihnen den Tarif erklärt: Raufen sie sich nicht mit ihrer Konkurrentin zusammen, gibt es kein Geld von Bund und Kanton. Die Botschaft kommt im Tal nicht gut an.
Regula Weik, Christoph Zweili
Die Bergbahnen Wildhaus AG prüft nun auch Alternativen, um die neue 6er-Sesselbahn zu finanzieren. (Bild: Ralph Ribi)

Die Bergbahnen Wildhaus AG prüft nun auch Alternativen, um die neue 6er-Sesselbahn zu finanzieren. (Bild: Ralph Ribi)

Regula Weik, Christoph Zweili

ostschweiz@tagblatt.ch

«Wir sind enttäuscht. Mehr noch: Wir sind sogar verärgert, dass uns die St. Galler Regierung finanziell nicht unterstützen will», sagt Jack Rhyner. Der 66-jährige Buchser präsidiert seit 25 Jahren den Verwaltungsrat der Bergbahnen Wildhaus AG. «Unser 15-Millionen-Projekt Wildhaus 2.0 ist mit diesem Entscheid vorläufig blockiert», sagt er. Sie hätten den Bau einer neuen 6er-Sesselbahn und eine bessere Beschneiung geplant. Der Bund hätte im Rahmen der Neuen Regionalpolitik fünf Millionen Franken beisteuern sollen. Bleibt dieser Beitrag aus, erhielten sie auch die sechs Millionen von der Bank nicht. «Das hängt zusammen», sagt Rhyner.

Der St. Galler Volkswirtschaftschef Bruno Damann habe versucht, die Bergbahnen Wildhaus und die Toggenburger Bergbahnen zu bewegen, das gemeinsame Winterticket über 2018/19 hinaus anzubieten, sagt Rhyner. «Wir sind bereit, den ausgehandelten Kompromiss von 2015 weiterzuführen und die Poollösung beizubehalten, so wie sie auch andere Skigebiete kennen, etwa im Vorarlberg. Die Toggenburger Bergbahnen wollen dies aber nicht.» Deren Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger wolle unbegründet mehr Geld sehen, so Rhyner. Am liebsten mehrere Hunderttausend Franken für Gäste, die von Wildhaus ins Skigebiet Unterwasser-Alt St. Johann wechseln.» Für Verwaltungsratspräsident Rhyner ist klar: «Die Blockade des Projekts provoziert einen massiven volkswirtschaftlichen Schaden.» Wenn auch noch das Jufa-Hotel in Wildhaus und das Rekadorf absprängen, «dann gute Nacht, Toggenburg».

«Den Sack geschlagen und den Esel gemeint»

Für Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, steht fest: «Der Entscheid des Regierungsrats tut den einen mehr weh als den andern.» Die Regierung habe «den Sack geschlagen und den Esel gemeint». Die Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen, Mélanie Eppenberger, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie nicht auf öffentliche Gelder angewiesen sein will. Anders die Bergbahnen Wildhaus mit ihren breitgestreuten Aktien; sie haben den Kanton um einen Beitrag für ihr 15-Millionen-Projekt ersucht – und sind nun abgeblitzt. «Ich akzeptiere den Entscheid der Regierung, verstehen tue ich ihn nicht», sagt Gemeindepräsident Züllig.

Züllig braucht ein Bild, um den Konflikt zu verdeutlichen: Die Regierung hat «zwei Buben, die sich streiten, den Ball weggenommen». Wobei einer der Buben der Meinung sei, dass es «auch ohne Ball geht». Unter dem Entscheid der Regierung leide die gesamte Destination. Daher gibt es für Züllig nur eines: «Nun müssen sich die beiden Buben zusammenraufen.»

Dass die Regierung beim gemeinsamen Winterticket ansetze, sei der falsche Hebel, findet Züllig. Wenn es das Ticket nicht mehr gebe, sei dies für eine oder zwei Saisons lang «eine sehr unschöne Sache». Doch keiner der beiden Bergbahnbetreiber könne sich das Fernbleiben von Gästen in grösserem Umfang länger leisten. «Der Gast entscheidet: Er kommt oder er bleibt weg.» Wenn der Gast das gemeinsame Ticket fordere, würden es die Bahnen von sich aus auch wieder anbieten, ist der Gemeindepräsident überzeugt.

Züllig mag denn auch nicht den Teufel an die Wand malen: «Ich hoffe, dass sich die beiden Bahngesellschaften finden. Alles andere wäre eine Bankrotterklärung. Wir sind nur alle miteinander gut oder alle miteinander schwach.» Bei diesem Prozess müssten einige über ihren Schatten springen und persönliche Animositäten zur Seite legen – «für die Region», sagt Züllig. Die Bergbahngesellschaften seien der Motor, «die Treiber der Tourismusdestination». Für Züllig ist klar, dass der Streit auch auf andere Tourismusakteure wie das Rekadorf oder die österreichische Jufa-Kette abfärbt, die in Wildhaus ein Hotelprojekt plant. «Ein Hotelinvestor wird sich angesichts des Streits und der Blockade fragen, ob er am richtigen Ort investiert. Und um die Reka buhlen genügend andere Gemeinden.»

Mitbewerber am gleichen Berg sind nicht per se schlecht

Dieser Einschätzung pflichtet auch der Präsident von Toggenburg Tourismus, Max Nadig, bei. «Unter dem Streit leiden alle.» Projekte wie Reka, Jufa-Hotel oder Klanghaus seien durch den Entscheid der Regierung «mindestens gebremst – das ist das Tragische». Toggenburg Tourismus habe sich dafür eingesetzt, dass der Kanton die Mittel spreche, denn: «Beide Bergbahnen müssen investieren können. Sie sind die Leitindustrie für eine Destination.» Dass sie sich streiten, statt fit und zukunftsgläubig zu sein, sei kein gutes Signal. Gefragt wäre nun der ungebrochene Glaube an die Region. Das gelte für alle Leistungsträger: «Sie müssen an die Region glauben und sie müssen dies auch zeigen», fordert Nadig. Das Toggenburg habe das nötige Potenzial – die Landschaft, das Brauchtum, die Kultur, die Nähe zu den Agglomerationen. «Der Chäserrugg beweist es: Das Angebot ist gut, die Leute kommen. Daher sind Investitionen wichtig – und sie lohnen sich.» Mitbewerber am gleichen Berg zu haben, sei nicht per se schlecht – «wenn sie sich gegenseitig pushen, schon gar nicht. Schlecht ist es nur, wenn sie sich blockieren.» Nun müssten es beide nochmals probieren: «Ich bin eine Daueroptimist.»

Einen Tarifverbund – die heutige Lösung – hält Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen AG, für ökonomisch nicht tragbar. «Wir sind an einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Lösung interessiert», sagt sie gegenüber Tagblatt online. Eine einzige Gesellschaft könne die Erwartungen der Gäste besser erfüllen. «Wir sehen eine Fusion als Lösung und bedauern, dass der Verwaltungsrat der Bergbahnen Wildhaus eine solche ablehnt.» Es liege nun an den Aktionären, eine Fusion zu ermöglichen; bis 10. November läuft die Frist für den Aktienverkauf oder Aktientausch (Ausgabe vom 24. Juni).

Volkswirtschaftschef Bruno Damann sieht die Situation nüchtern. «Ich habe abseits der Öffentlichkeit zu schlichten versucht und dabei viel Zeit investiert.» Vergeblich. Im Zuge der Gespräche habe er gespürt, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit «auf beiden Seiten» nicht da sei. Dafür lägen die Positionen der beiden Bergbahnen zu weit auseinander. Die fehlenden fünf Millionen Franken Bundesgelder bedeuteten für das Obertoggenburg kurzfristig einen negativen Entscheid. «Aus Sicht der Regierung ist es mittelfristig aber falsch, dass es zwei Billette für einen Berg braucht.» Das sei nicht die richtige Strategie, dieser Weg führe in die Sackgasse: «Darum hat die Regierung Nein gesagt.» Damann ist sich bewusst, dass der Entscheid in Wildhaus enttäuschen mag. Andere Stimmen aus dem Toggenburg hätten dagegen mehr Druck gefordert, damit die Zusammenarbeit der beiden Bahnbetreiber «wenigstens einigermassen wieder funktioniert».

FDP sieht Entwicklung im Obertoggenburg gefährdet

Noch sei die Türe aber nicht zu. «Wenn wir sehen, dass es eine minimale Zusammenarbeit zwischen den beiden Bahnen gibt, sind wir wieder bereit, über das Darlehen zu diskutieren», betont Damann. Genügt es, die Bundesgelder für das Ausbauprojekt in Wildhaus nicht zu sprechen, um die unbeugsamen Bergler an einen Tisch zu bringen? Damann bleibt diplomatisch: «Wir hoffen, dass sich nun Toggenburg Tourismus und die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann einbringen.» Und auch der Kanton biete weiterhin seine Hilfe an.

Als einzige Partei hat gestern die FDP reagiert. Die Begründung der Regierung für den negativen Darlehensentscheid sei nicht stichhaltig. Die Auflagen, welche die Regierung an eine Mitfinanzierung des Wildhauser Projekts knüpfe, seien «auf mittlere Sicht unrealistisch». Sie gefährde damit die Entwicklung im Obertoggenburg, weil weitere Erneuerungsinvestitionen in Frage gestellt würden. Unter anderem habe die Ablehnung des Gesuchs indirekt Auswirkungen auf die Realisierung des Jugend- und Familienhotels Jufa in Wildhaus sowie den Verbleib des Reka-Feriendorfes. Die Freisinnigen bezweifeln, dass der politische Druck zu einer Entkrampfung der Situation beitrage. In der strukturschwachen Region drohe nun «ein Dominoeffekt, der den Steuerzahler auf lange Sicht bedeutend teurer zu stehen kommt als das vorliegende Gesuch», ist die Partei überzeugt.

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