BAHNAUSBAU: Nagelbett für den Bahnuntergrund

Politisch ist der Doppelspur-Ausbau im Rheintal in trockenen Tüchern. Umstritten ist die Umsetzung: Die SBB sprechen von 2025, die Region will die Doppelspur-Ausbauten aber möglichst schon für 2023/24.

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Heute fährt der Rheintal-Express (REX) stündlich zwischen St. Gallen und Sargans, im Wechsel mit der S-Bahn: Ab 2025 wird der REX im Halbstundentakt unterwegs sein. Möglich gemacht hat dies ständiger politischer Druck aus der Region. 2012 hatten die St. Galler Ständeräte Paul Rechsteiner und Karin Keller-Sutter trickreich einen 180-Millionen-Kredit in das Fabi-Ausbauprogramm geschmuggelt: Ohne ihre Idee des Bahn-Y wäre die Rheintallinie nicht auf dem nationalen Radar gewesen, wie es am Donnerstagabend an einem öffentlichen Anlass zum künftigen Bahnausbau am NTB Buchs hiess.

Für Rechsteiner ist klar: «Der Halbstundentakt des REX ist wichtig für das Umsteigen vom Auto auf die Bahn – in der Region mit der schweizweit stärksten Zunahme auf der Autobahn ein grosses Thema.» Bauliche Voraussetzung ist die Beseitigung von Doppelspurlücken zwischen Sevelen und Buchs (4 Kilometer) sowie Oberriet und Altstätten (2,3). Die SBB rechnen derzeit mit Gesamtkosten von 206 Millionen Franken und einer Inbetriebnahme im Dezember 2025, müssen auf Geheiss des Bundesamts für Verkehr aber eine beschleunigte Abwicklung prüfen, wie dies auch die Region fordert.

Allerdings haben die Bundesbahnen beim Ausbau mit schwierigem geologischen Untergrund zu kämpfen – zwischen Oberriet und Oberriet Nord könnten ­daher, vergleichbar mit einem ­Fakir auf dem Nagelbett, im ­Rüttelstopfverfahren eingebrachte 9400 Säulen für Stabilität ­sorgen – eine Premiere in der Schweiz. Für Graubünden ist der Bahnausbau im Rheintal enorm wichtig, wie Nationalrat Martin Candinas sagte. Mit der Anbindung an den Fernverkehr und den damit verbundenen EC-Halt in St. Margrethen erhofft sich der Tourismuskanton Zugang zu den Millionen-Metropolen München, Nürnberg und Berlin.

Mit der Verknüpfung der ­beschleunigten Strecke Zürich–München und München–Berlin sind künftig Fahrzeiten mit der Bahn von 6 Stunden und 35 Minuten möglich (heute fast 10 Stunden, Ausgabe von gestern). Für den St. Galler Regierungsrat Bruno Damann liegt die Ostschweiz im Zentrum dieser internationalen Verbindungen. Der Kanton will den REX über Wil hinaus bis Zürich verlängern und den wichtigen EC-Halt in St. Margrethen sichern. Mittlerweile sei allerdings nicht mehr klar, ob der REX künftig als Fernverkehrsprodukt fahre, sagte ­Damann in Buchs.

Christoph Zweili

christoph.zweili@tagblatt.ch