Bäcker hebt Dumpingpreise auf

Bäckermeister Aron Lehmann in Oberuzwil hat im September die Preise für Gipfeli und Brote um bis zu 50 Prozent gesenkt. Jetzt ist wieder alles beim alten. Die Aktion habe sich nicht gelohnt – die Reaktionen darauf waren aber enorm.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Die Bäckerei & Confiserie Wagner an der Flawilerstrasse in Oberuzwil. (Bild: Urs Bucher)

Die Bäckerei & Confiserie Wagner an der Flawilerstrasse in Oberuzwil. (Bild: Urs Bucher)

OBERUZWIL. Er wollte ein Zeichen setzen, ist damit aber gescheitert: Ab September verkaufte Bäckermeister Aron Lehmann seine Gipfeli und Brote teilweise über 50 Prozent günstiger (Ausgabe vom 26. August). Der starke Franken und der daraus resultierende Einkaufstourismus hatten Lehmann zu diesem Schritt veranlasst.

Nach zwei Monaten ist damit wieder Schluss. Seit Montag sind seine Weggli und Semmeli in seiner Bäckerei-Confiserie Wagner in Oberuzwil wieder zu branchenüblichen Preisen angeschrieben, wie die «Wiler Nachrichten» schreiben. Die gewünschte Kundensteigerung von 30 Prozent habe er nur im ersten Monat erreicht.

Gegen Einkaufstourismus

Weil seine Kundenzahlen ab dem Sommer rückläufig waren, ist Lehmann ins Ausland gefahren und hat dort das Einkaufsverhalten beobachtet. «Immer mehr fahren zum Einkaufen über die Grenze und kaufen dort auch ihr Brot», sagt der 52jährige Bäckermeister. Den Einkaufstourismus gebe es wirklich, ist Lehmann überzeugt. Und auch in der Schweiz herrscht ein «massiver Konkurrenzkampf».

Zurück in seiner Bäckerei an der Flawilerstrasse in Oberuzwil, senkte er nicht nur seine Betriebskosten, sondern auch seine Preise – und zwar beachtlich: Den Preis für ein Buttergipfeli setzte er kurzerhand um 30 Rappen auf einen Franken herunter. Das «Schubäbrot» kostete noch 3.20 statt 4.20 Franken. Und die Preise für seine Bestseller, das Ruchbrot und das Pfünderli, hat er um über 50 Prozent reduziert.

Hundekot im Eingangsbereich

Das Echo auf seine Aktion liess nicht lange auf sich warten – und sie löste nicht nur Freude aus. «Ich bin über die Reaktionen schon etwas erschrocken», sagt Lehmann. Täglich hätten ihn zahlreiche E-Mails und Telefonanrufe erreicht, obwohl er «gegen eine sachliche Kritik nichts einzuwenden» habe. Zweimal innert kürzester Zeit aber wurde der Eingangsbereich seiner Bäckerei mit Hundekot verwüstet. «Das muss nun wirklich nicht sein», sagt Lehmann.

Beim kantonalen Bäcker-Confiseurmeister-Verband, wo Lehmann selbst Mitglied ist, hat Lehmanns Aktion ebenfalls Reaktionen ausgelöst. «Alle Bäcker, die nicht industriell Brot backen, wurden plötzlich in ein seltsames Licht gerückt», sagt Verbandspräsident Roland Räber. In den Medien sind alle Bäcker sofort «als Abzocker dagestanden». Räber führt in Jona selbst eine Bäckerei und kann sich eine ähnliche Aktion in seinem Geschäft nicht vorstellen. «Bei mir würde die Buchhaltung definitiv nicht aufgehen», sagt Räber.

Fokus auf eigene Stärken

Die Branche habe aber mit dem Gesamtarbeitsvertrag, einem Mindestlohn von 4000 Franken und ab 2016 garantierten fünf Wochen Ferien, einen «ziemlichen Schritt vorwärts gemacht». Dennoch würden die Bäckereibetriebe, wie diejenigen von Räber oder Lehmann, gegenüber den Industriebäckereien «weiterhin kleinere Brötchen backen». Räber fokussiert deshalb auf die Qualität: «Wir verwenden für unsere Brote nur lokale Rohstoffe und verkaufen zwar teurere, aber qualitativ bessere Produkte aus der Region.»

«Eine aufwühlende Zeit»

Für Aron Lehmann ging der ursprüngliche Plan mit besseren Kundenzahlen nicht auf. Ihm sei aber wichtiger, die Leute aufzurütteln. Das habe er mit dieser Aktion erreicht, denn einige seiner Kunden hätten sogar darauf bestanden, weiterhin den vollen Preis für seine Waren zu bezahlen. «Es war eine sehr aufwühlende Zeit», sagt Lehmann über die letzten Wochen. Seine Mitarbeiter und seine Frau hätten dabei immer zu ihm gestanden.

Aron Lehmann Bäckermeister aus Oberuzwil (Bild: Benjamin Manser)

Aron Lehmann Bäckermeister aus Oberuzwil (Bild: Benjamin Manser)