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Untersuchung des Amtes für Wasser und Energie zeigt: Bäche im Kanton St.Gallen sind wegen Chemikalien gefährdet

Die Qualitätskriterien für Pestizide, Rückstände von Medikamenten oder Industriechemikalien werden in St.Galler Bächen zum Teil massiv überschritten. Das belegt die jüngste Messkampagne des Amtes für Wasser und Energie.
Adrian Lemmenmeier
Mit diesem Gerät nehmen Fachleute des Kantons Wasserproben. Hier im Äächeli in der Rheintaler Gemeinde Au. (Bild: PD)

Mit diesem Gerät nehmen Fachleute des Kantons Wasserproben. Hier im Äächeli in der Rheintaler Gemeinde Au. (Bild: PD)

Das Amt für Wasser und Energie des Kantons St. Gallen hat fünf Bäche im Kanton auf Spurenstoffe wie Pestizide, Medikamente oder Industriechemikalien untersucht. Das Resultat ist ernüchternd: An allen Bächen wurden die Qualitätskriterien für problematische Stoffe über fast die ganze Beobachtungsdauer von April bis Ende Oktober 2018 überschritten. Und zwar massiv – im extremsten Fall um den Faktor 160.

Kleine Bäche können also im ganzen Kanton mit giftigen Chemikalien belastet sein, so die Schlussfolgerung der Abteilung Wasserqualität des Amtes für Wasser und Energie. «Überrascht hat uns, dass selbst Bäche, die keine besonders intensive landwirtschaftliche oder industrielle Nutzung im Einzugsgebiet haben, hohe Werte aufweisen», sagt Abteilungsleiterin Vera Leib.

Kleinste Mengen 
können tödlich sein

Untersucht wurde die Wasserqualität im Lattenbach und im Wagnerbach in Rapperswil-Jona; im Nebengraben und im Tankgraben in Benken sowie im Äächli in der Gemeinde Au. Von den 109 untersuchten Spurenstoffen gehören 74 zur Gruppe der Pestizide, stammen also vermutlich aus der Landwirtschaft oder aus Gärten. Vera Leib sagt:

«Bei Insektiziden können bereits kleinste Mengen für die Lebewesen im Bach giftig oder tödlich sein.»

Das schmälere die Lebensgrundlage für grössere Tiere wie zum Beispiel Fische. Ausserdem würden einige Giftstoffe über die Nahrungskette weitergegeben. Perfluoroctansulfanat (PFOS) etwa, das meist über Kläranlagen in Gewässer gelange, sei auch im Körper fischfressender Vögel noch nachweisbar. Dieser Stoff wurde im Wagnerbach konstant in hoher Konzentration nachgewiesen. PFOS ist in der Schweiz seit 2011 weitgehend verboten. Es tritt aber in vor dem Verbot produziertem Feuerlöschschaum auf und ist für gewisse industrielle Prozesse zugelassen. «Wir wollen nun mit Nachmessungen herausfinden, wie und wo der Stoff in den Bach gelangt», sagt Leib.

Wie gefährlich ist die Verschmutzung der Bäche für den Menschen? «Grundsätzlich können die Spurenstoffe ins Grundwasser gelangen», sagt Leib. Einige würden vom Boden gebunden, andere sickern durch. «Untersuchungen des Grundwassers im Kanton St.Gallen geben bis jetzt aber keinen grossen Anlass zur Sorge.» Auch bisherige Resultate von Studien zu Spurenstoffen im Körper von Fischen seien unbedenklich. «Die Verschmutzung gefährdet aber das intakte Ökosystem eines Baches.» Und dieses sei wichtig – nicht zuletzt für die Qualität des Wassers.

«Nach der Kläranlage reinigen Flüsse und Bäche das Wasser. Das können aber nur gesunde Gewässer.»

Landwirte besser 
sensibilisieren

Ein bedeutender Teil der chemischen Stoffe in den Bächen des Kantons St. Gallen stammt aus der Landwirtschaft. Der Kanton will deshalb in Zusammenarbeit mit dem landwirtschaftlichen Zentrum in Salez und dem Bauernverband Landwirte stärker für das Problem sensibilisieren. «Die Bauern haben in den letzten Jahren den Umgang mit Pestiziden verbessert», sagt Peter Nüesch, Präsident des Ostschweizer Bauernverbandes. «Aber die Untersuchung des Kantons zeigt, dass dies nicht ausreicht.»

Man müsse die Bauern verstärkt auf die Problematik hinweisen, aufzeigen, wie wichtig es etwa sei, mit Spritzmitteln in der Nähe von Gewässern besonders vorsichtig umzugehen. Dazu hätten am landwirtschaftlichen Zentrum Salez erste Schulungen stattgefunden. Nüesch sagt weiter:

«Eine hohe Lebensmittelqualität erfordert aber Pflanzenschutzmittel.»

Auf deren Einsatz werde man nicht verzichten können. «Die Bauern werden aber sensibler für das Thema.»

Umweltschützern dürfte dies nicht genug sein. Auf nationaler Ebene sind zwei Initiativen zur Verwendung von Pestiziden im Gang. Die sogenannte Trinkwasserinitiative will nur noch Landwirte subventionieren, die keine Pestizide verwenden. Die Pestizidinitiative will den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln gänzlich verbieten. Der Nationalrat hat beide Initiativen Ende Juni abgelehnt. Ohne Gegenvorschlag.

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