BADESAISON: Handys dürfen mit in die Badi

Smartphones sind in Freibädern umstritten. Die Geräte sind praktisch für Spanner und lenken Eltern von der Aufsicht über ihre Kinder ab. Mit einem Verbot aber hadern die Ostschweizer Badis.

Martin Rechsteiner
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Viele Badis handeln, wenn jemand mit dem Smartphone fotografiert. (Bild: imago)

Viele Badis handeln, wenn jemand mit dem Smartphone fotografiert. (Bild: imago)

Martin Rechsteiner

ostschweiz@tagblatt.ch

Während Mami auf Facebook surft, ertrinkt das Kleine im Pool: eine Horrorvorstellung. Der Schweizerische Bademeister-Verband (SBV) schlägt Alarm. Immer mehr Eltern seien in der Badi abgelenkt durch ihre Smartphones – die Aufsicht über die Kinder bleibe auf der Strecke. Handys sollen deshalb verbannt werden.

Ostschweizer Bademeister wollen davon jedoch nichts wissen. «Niemand gibt gerne sein Handy her. Ein Verbot wäre bei uns nicht durchsetzbar», sagt Andreas Frei, Leiter des Hallen-, Frei- und Sprudelbads Frauenfeld. An einem heissen Sommertag kämen bis zu 3000 Leute. «Sie alle zu kontrollieren und zu überwachen, ist nicht möglich.» Auch Philipp Buchle, Bademeister des Schwimmbads Amriswil, sagt: «Wenn wir unsere Badegäste auf Handys kontrollieren wollten, müssten wir dafür fünf Leute einstellen. Das ist unmöglich.» Eine Ausnahme gibt es in seiner Badi aber: «In den Garderoben sind Smartphones nicht erlaubt. Ein Verbotsplakat haben wir aufgehängt.»

Handyverbote schränken zu stark ein

Kein Fan von Verbotsschildern ist Daniel Schönenberger vom Schwimmbad Arbon. «Verbieten kann man alles. Aber wir sind immer noch ein Freizeitbetrieb.» Er wolle deshalb nicht alles mit Regeln zupflastern. Genauso sieht das auch sein Kollege Boris Schneider von der Badi Seegarten in Goldach. «Ich bin der Meinung, dass ein Handyverbot unsere Badegäste zu stark einschränkt. Wir verzichten deshalb darauf», sagt Roland Hofer vom Sportamt der Stadt St. Gallen. Es betreibt die Bäder in den Drei Weieren, in Rotmonten und das Schwimmbad Lerchenfeld.

Das Problem, dass Eltern ihre Kinder aus den Augen lassen, kennen aber die meisten Ostschweizer Badis. «Das kommt leider immer mehr vor», sagt Andreas Frei von der Badi Frauenfeld. Schuld daran seien aber nicht allein die Smartphones: «Zeitschriften und Bücher können ebenso ablenken», sagt Frei. Auch Roman Lippuner vom Strandbad Buchhorn in Arbon sagt: «Ab und zu sitzen Eltern bei uns im Restaurant und vergessen, dass noch irgendwo ihre Kinder rumrennen.» Handys sieht auch er nicht als das Hauptproblem. Sie zu verbannen sei der falsche Ansatz. Wichtig sei es, die Eltern daran zu erinnern, dass sie für ihre Kinder die Aufsichtspflicht haben. Gar in die Gegenrichtung eines Handyverbots geht das Parkbad an der Murg in Münchwilen: «Bei uns gibt es neuerdings gratis WLAN», sagt Claudia Vögele. Die Angestellte ist überzeugt: «Man muss den Gästen heutzutage etwas bieten.» Nicht ganz so weit wie der SBV geht der Schweizerische Verband für Hallen- und Freibäder. Mit Plakaten will er diesen Sommer in Badis auf Foto-Verbote aufmerksam machen. Auf Fotografen und Filmer reagieren die Ostschweizer Bademeister sensibel, ein komplettes Verbot sprechen aber nicht alle aus.

«Da braucht es gesunden Menschenverstand», sagt Daniel Schönenberger vom Schwimmbad Arbon. Bei einem Familienausflug in die Badi sei es klar, dass man Bilder mache. «Wenn aber jemand am Beckenrand wahllos Bilder schiesst, schaue ich natürlich nach dem Rechten.» Auch in der Badi Appenzell ist Fotografieren nur unter bestimmten Umständen erlaubt. «Von unserem Areal hat man eine schöne Alpstein-Kulisse. Wenn da eine Gruppe einmal ein Foto von sich macht, erlauben wir das», sagt Leiter Karl Inauen.

Spanner knipsen versteckt

Andreas Frei aus Frauenfeld sagt: «Wir handeln, wenn jemand mit seinem Handy fotografiert.» In der Regel seien die Fälle aber harmlos. «Leute mit illegalen Absichten benutzen ihre Kamera versteckt, die sind sehr schwer zu erwischen.» Dies ist auch Roman Lippuner vom Strandbad Arbon bewusst: «Eltern mache ich deshalb darauf aufmerksam, ihre kleinen Kinder nicht nackt herumrennen zu lassen.» In seiner Badi ist Fotografieren verboten. Ebenfalls ein Verbot gibt es im Strandbad Rorschach. Gleich am Eingang weist ein Schild darauf hin. Volkmar Hardegen, der Pächter, hält das Fotografieverbot für sinnvoll, er will daran festhalten. Die Bademeister würden Gäste bei Kontrollgängen im Strandbad auch darauf hinweisen. Und Bademeister Sabino Ciarla vom Thurbad Weinfelden stellt klar: «Natürlich reagieren wir, wenn wir etwas beobachten. Wir sind aber keine Polizisten. Unser Job ist als Erstes die Wasseraufsicht.»