Bademeister als Spielverderber

Ostschweizer Bademeister setzen die Schliessungszeiten völlig unterschiedlich durch. Die einen lassen die Badegäste bei schönem Wetter länger planschen – andere hingegen lehnen eine Verlängerung strikte ab.

Daniel Walt
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Der Goldacher Bademeister Boris Schneider kennt kein Pardon: «Ich gehe auch nicht in die Disco und verlange, bis um 4 Uhr weitertanzen zu können, weil es mir gerade so gut gefällt», sagt er. Schneider und sein Team verfolgen im Freibad Seegarten eine strikte Linie, was die Schliessung der Anlage angeht. Mag das Wetter noch so perfekt, die Liegewiese noch so voll sein: Um 20 Uhr ist Schluss – am Sonntag gar schon um 19 Uhr. «Man verlangt von uns, dass wir pünktlich öffnen – also schliessen wir auch pünktlich», sagt Schneider.

Goldach: Areal im Schatten

Als Hauptgrund für seine Haltung führt Schneider an, vor und nach dem Badebetrieb müsse geputzt werden. Wenn man die Badi etwa bis 22 Uhr geöffnet lassen wolle, brauche es mehr Personal, einen Zweischichten-Betrieb. Den Sinn einer Änderung zweifelt Schneider an: «Ab 20 Uhr sind 90 Prozent der Badi im Schatten.» Deshalb glaubt er nicht, dass längere Badezeiten für viele ein Bedürfnis sind. Zudem betont er, es sei nicht an den Bademeistern, flexiblere oder längere Öffnungszeiten zu gewähren. «Wir halten uns an die Richtlinien der Gemeinde.»

Herisau: «Daran gewöhnt»

Eine strikte Linie fahren auch die Verantwortlichen des Schwimmbads in Herisau. «Natürlich gibt es ab und an Personen, die gerne länger bleiben würden. Die Leute haben sich mittlerweile aber daran gewöhnt, dass wir pünktlich schliessen», sagt Thomas Walliser Keel, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde. Vom Schichtbetrieb her seien längere Öffnungszeiten nicht möglich – «das Personal hat einen Zwölfstundentag und muss auch noch aufräumen».

St. Gallen: Eine Stunde länger

Beweglich zeigt man sich seit einigen Jahren in der Stadt St. Gallen. Heinz Brunner, Leiter Bad und Eis, erklärt, dass die Anlageleiter die Kompetenz hätten, die Schliessung der Bäder um eine Stunde, also bis 20 Uhr, hinauszuzögern. «Das ist zuletzt an den Hitzetagen auch so gehandhabt worden.» Im Internet wird möglichst früh, teils Tage zuvor, darüber informiert, ob eine Badi länger geöffnet hat oder nicht. «Länger als bis 20 Uhr liegt aber nicht drin», stellt Brunner klar. Dann würden sich die Reinigungsarbeiten nämlich bis gegen 22.30 Uhr hinziehen. Eine solche Arbeitsbelastung sei über mehrere Tage nicht hinnehmbar und würde auch Konflikte mit dem Arbeitsrecht hervorrufen, erklärt Heinz Brunner.

Buchs: «Wir arbeiten…»

«Wir müssen den Leuten dann etwas bieten, wenn sie kommen»: Das sagt der Buchser Bademeister Thomas Kroll. Bei schönem Wetter ist das Freibad Rheinau im Sommer zwölf Stunden geöffnet: Von 9 bis 21 Uhr. Wenn es schön und heiss ist, versucht Kroll zudem, im Schnitt einmal pro Woche ein Nachtschwimmen für alle bis 23 Uhr anzubieten. Wie sind diese Öffnungszeiten in Buchs möglich? «Wir arbeiten…», schmunzelt der Bademeister. An schönen Tagen wird ein Zweischichten-Betrieb gefahren.

Arbon: «Geben vor und nach»

Auch im Schwimmbad Arbon ist zu den offiziellen Schliessungszeiten nicht immer fertig mit Baden. Bademeister Daniel Schönenberger: «Wir geben vor und nach – nicht bei jedem Sonnenstrahl, aber an wirklich warmen Tagen.» Folgen hat das Hinausschieben der Schliessung: «Die Badi muss dann noch aufgeräumt werden, teils ohne Licht.»

Degersheim: Kompromiss

Negative Erfahrungen mit einem teils bis 21.30 Uhr verlängerten Badebetrieb gab es in den letzten Jahren im Schwimmbad Degersheim. Bademeister Ernst Britt: «Anwohner haben reklamiert.» Auf diese Saison wurde deshalb beschlossen, die Badi nur noch bei Anmeldungen von Dorfvereinen länger geöffnet zu halten, und zwar bis maximal 21 Uhr.

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