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Gehässige Debatte rund um das neue Fussballstadion für Lustenau

Der SC Austria Lustenau plant ein neues Stadion – es wäre das erste mit Holztribünen. Noch steht die Baubewilligung aus: Doch Präsident Hubert Nagel ist zuversichtlich, dass 2019 die Baumaschinen auffahren.
Regula Weik, Christoph Zweili
Hubert Nagel auf der Haupttribüne des «Planet Pure Stadion». (Bild: Michel Canonica)

Hubert Nagel auf der Haupttribüne des «Planet Pure Stadion». (Bild: Michel Canonica)

«Soll der Steuerzahler 9 Millionen Euro für einen Zweitligisten ausgeben?» «So viel Geld verschleudern wegen eines Balls und elf ‹Lappis›, die ihm nachrennen!» Als Anfang April das Siegerprojekt für den Umbau und die Erweiterung des Stadions der Lustenauer Austria vorgestellt wurde, gingen die Wogen in den sozialen Medien hoch. Nicht wegen der Pläne. Wegen der Kosten. Und weil Gemeinde und Land –also der Steuerzahler – sich grosszügig an den Gesamtkosten von 15 Millionen Euro beteiligen ­wollen. Die einen reden von 9 Mil­lionen, die anderen von mehr als zwei Dritteln der Kosten. «So ­ungefähr», sagt Hubert Nagel, «möglicherweise auch etwas mehr.» Genaueres lässt sich der Präsident des SC Austria Lustenau nicht entlocken. Er mag keine schlafenden Hunde wecken. Doch das verschmitzte Lächeln, das über sein Gesicht huscht, ­verrät: Nagel ist ein gewiefter Verhandler. «Lassen wir es so stehen», kommentiert er knapp und nüchtern. Hat er Verständnis für jene, die ob der grosszügigen staatlichen Unterstützung den Kopf schütteln? «Die Kunst erhält österreichweit ein Zehnfaches an Unterstützung als der Sport», sagt Nagel, auch Mitglied im Bundesliga-Aufsichtsrat. «Ich habe kein schlechtes Gewissen.»

Bei der gehässigen Debatte über die «aberwitzige Geldverschwendung» geht nahezu unter: Die Verantwortlichen des Fussballclubs Austria Lustenau haben sich für keine übliche, charakterlose Sportbaute entschieden. Die Matchbesucher sitzen künftig auf «Holzrängen»; geplant ist nämlich ein Holzbau, einzig der Unterbau der neuen Tribünen ist aus Beton. Kreativer Kopf hinter dem Siegerprojekt ist der Dornbirner Architekt Bernardo Bader, seit diesem Jahr auch Dozent an der Fachhochschule St. Gallen. Austria Lustenau dürfte weitherum der einzige Club mit einem Holzstadion sein. Versteht er sich als Pionier? Nagel winkt ab. Sie wollten ganz einfach «das Wohnzimmer der Austrianer» sein – «es geht um Gemütlichkeit und Atmosphäre; es geht nicht um Exklusivität oder Luxus».

Noch ist offen, wann im neuen Stadion angekickt wird. Wenn alles rundläuft, können die Bauarbeiten 2019 starten. Noch gibt es eine Einsprache von Nachbarn. Auch die Baubewilligung steht noch aus. Die Gemeinde Lustenau möchte aber im Juni wesentliche Beschlüsse liefern, sagt Nagel, der dem Club seit 20 Jahren als Präsident vorsteht.

Hubert Nagel präsidiert seit 20 Jahren den SC Austria Lustenau.
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Fussballstadion in Lustenau

In «Planet-Pure-Stadion» umbenannt

Die Heimstätte von Austria Lustenau wird also neu, aber nicht grösser. Im neuen Stadion finden 7000 Besucher Platz; im heutigen können 8800 ihren Club anfeuern. Verlieren Nagels Kicker Anhänger? Es gebe im neuen ­Stadion schlicht mehr Sitzplätze, sagt Nagel und fügt an: «In der 2. Liga gehören wir mit durchschnittlich 3000 Zuschauern pro Spiel österreichweit zu den ­Vereinen mit den meisten Fans.» Darunter sei regelmässig auch «ein hoher Anteil Schweizer».

Die Spieler von Austria Lustenau laufen allerdings schon heute in einem «neuen» Stadion ein: Ihr «Reichshofstadion» wurde im Februar in «Planet-Pure-Stadion» umbenannt – dies nach einem Sponsorenwechsel (der St. Galler Kybunpark lässt grüssen). Neuer Hauptsponsor des Clubs ist das Hörbranzer Unternehmen Planet Pure; es entwickelt und produziert ökologische Wasch- und Reinigungsmittel. Ob die Spieler seither mit weisser Weste antreten, lässt sich nicht eruieren. Mit sauberen grün-weissen Trikots sicher. «Natürlich benutzen wir jetzt das Waschmittel des Sponsors», sagt Nagel. Häufiger gewaschen würden die Trikots deswegen aber nicht.

«Pure» ist im Lustenauer Stadion auch das Spielfeld; der Ball rollt über Naturrasen. Seit acht Jahren gibt es im Stadion eine Rasenheizung; ursprünglich hatte es auch eine Leichtathletikanlage besessen. Diese musste Tribünen weichen; die erste richtige Tribüne hatte das «Reichshofstadion» 1953 erhalten – zwei Jahre nach der Eröffnung.

Das Stadion mit der eigenen Kapelle

Das Herz der Anlage ist neben dem Spielfeld das «Austriadorf», Treffpunkt nach dem Match und Ort, «wo die Schweizer über die günstigen Wurstpreise staunen», so Nagel. Und wie es sich für ein richtiges Dorf gehört, hat auch das «Austriadorf» eine Kirche, die 2007 eröffnete Hugo-Kleinbrod-Kapelle. Das Stadion verfügte damit als erstes in Österreich über eine eigene Kapelle. Fans des Clubs können seither im Stadion heiraten oder ihre Kinder taufen lassen. «Es gibt Zuschauer, die hier vor dem Spiel eine Kerze anzünden, damit wir gewinnen», erzählt Nagel – derzeit mit mässigem Erfolg; Austria Lustenau belegt aktuell den sechsten Rang. Es gebe aber auch Kaderspieler, die in der Kapelle für einen glücklichen Spielausgang beteten, sagt der Präsident, «vor allem die brasilianischen Spieler sind sehr gläubig». Namensgeber der Kapelle ist der ehemalige Lustenauer Pfarrhelfer Hugo Kleinbrod. Zurückgekehrt aus der Kriegsgefangenschaft hatte er nach dem Zweiten Weltkrieg das Vorarlberger Kinderdorf gegründet.

Austria ist nicht der einzige Lustenauer Heimclub. Es gibt noch den FC Lustenau. Ihm bot Austria einige Jahre Asyl, nachdem die Bundesliga dessen Stadion für untauglich erklärt hatte. Nach dem Zwangsabstieg des FC Lustenau ist das Stadion wieder ausschliesslich in grün-weisser Hand.

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