Austausch mit dem Ausland

ST. GALLEN. Der Kanton St.Gallen pflegt eine Partnerschaft mit der tschechischen Region Liberec. Die Anfänge liegen 25 Jahre zurück. Von der Zusammenarbeit profitieren heute beide Regionen.

Regula Weik
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Kleine Region: Liberec ist mit 3163 Quadratkilometern flächenmässig die kleinste tschechische Region. (Bild: sgt)

Kleine Region: Liberec ist mit 3163 Quadratkilometern flächenmässig die kleinste tschechische Region. (Bild: sgt)

Angefangen hat alles mit einer Schüleraktion an der Kanti St. Gallen. Und dem Osteuropa-affinen Geschichtslehrer Hans Hiller. Der Fall des Eisernen Vorhangs öffnete den Blick in die damalige Tschechoslowakei – und ermöglichte den Austausch zwischen Mittel- und Osteuropa. Und so sammelten 1990 Kantischüler Geld für die Aktion «Apparate für Liberec» – indem sie Sandwiches, Kuchen und Getränke verkauften. Mit dem Erlös konnten ausrangierte Kopiergeräte revidiert und nach Liberec transportiert werden – der Start der Partnerschaft zwischen St. Gallen und Liberec.

Später wurde die Zusammenarbeit von der privaten auf die staatliche Ebene gehievt: Im Herbst 2001 unterzeichneten der damalige St. Galler Regierungsrat Peter Schönenberger und der damalige Präsident der Region Liberec, Pavel Pavlik, die «Vereinbarung der Region Liberec und des Kantons St. Gallen über regionale Zusammenarbeit und Know-how-Transfer».

Kleine Region: Liberec ist mit 3163 Quadratkilometern flächenmässig die kleinste tschechische Region. (Bild: sgt)

Kleine Region: Liberec ist mit 3163 Quadratkilometern flächenmässig die kleinste tschechische Region. (Bild: sgt)

Nur mit Regionen

Dieser Schritt war möglich geworden, nachdem Tschechien im Jahr 2000 eine Verwaltungsreform durchgeführt und 14 Regionen (Kraj) geschaffen hatte; diese sind vergleichbar den hiesigen Kantonen. Eine Voraussetzung für die Partnerschaft – denn: «Der Kanton St. Gallen kann keine Partnerschaften mit Städten oder Staaten eingehen, nur mit vergleichbaren staatlichen Gebilden», sagt Sarah Hauser, Leiterin der kantonalen Koordinationsstelle für Aussenbeziehungen und seit gut zehn Jahren verantwortlich für die Partnerschaft St. Gallen-Liberec.

«Nicht einfach Geld schicken»

Die offizielle Partnerschaft St. Gallen-Liberec werde bis heute aktiv gelebt, sagt Sarah Hauser. «Beide Partner begnügen sich nicht damit, dass an ihren Regierungsgebäuden eine Hinweistafel auf die Kooperation prangt.» So werde alle zwei Jahre ein Umsetzungsprogramm mit zwei oder drei Schwerpunkten der Zusammenarbeit definiert. Die Themen sind schier unbegrenzt, von Bildung über Wirtschaft, Finanzen, Verkehr, Sicherheit, Soziale Fragen, Gesundheit, Landwirtschaft, Kultur bis zu nationalen Minderheiten oder Umwelt.

«Wir leisten keine finanzielle Entwicklungshilfe. Es bestand nie die Idee, einfach Geld nach Liberec zu schicken», sagt Sarah Hauser. «Wir leben die Partnerschaft nachhaltig. Es findet ein Austausch an Fachwissen statt.» Ist ein solcher Transfer von Know-how nach der Entwicklung Tschechiens in den vergangenen Jahren heute noch nötig? Der Austausch sei nach wie vor gefragt – von beiden Seiten, sagt Sarah Hauser. Und: Es würden keine Austausche im luftleeren Raum entwickelt; die jeweiligen Umsetzungsprogramme würden aufgrund konkreter Bedürfnisse des Kantons St. Gallen oder der Region Liberec festgelegt.

Sarah Hauser widerspricht denn auch der wohl weitverbreiteten Meinung, die St. Galler seien die Förderer, die Tschechen die Profiteure der Partnerschaft. Anfangs sei der «Gewinn» der Zusammenarbeit sicher einseitig gewesen – «doch längst findet ein Rückfluss statt». Als Beispiel erwähnt sie die Polizeiarbeit oder den öffentlichen Verkehr. Die Region Liberec grenze an Polen und Deutschland, von ihren Erfahrungen mit grenzüberschreitendem Verkehr oder Grenzkriminalität könne St. Gallen als Grenzkanton profitieren. Auch im Bereich der Raumplanung würden gewisse Themen gemeinsam bearbeitet.

Jubiläumswoche im Herbst

Auftakt des 25-Jahr-Jubiläums der Partnerschaft ist Anfang Mai in Liberec. Im Herbst sind verschiedene Anlässe in St. Gallen geplant. «Ziel ist es, St. Gallerinnen und St. Gallern die Chancen einer solcher Partnerschaft aufzuzeigen, sie für das internationale und nachhaltige Engagement des Kantons zu sensibilisieren und ihnen die tschechische Kultur näherzubringen», sagt Sarah Hauser.

Das Komitat Hajdu-Bihar (Ungarn), der Bezirk Bihor (Rumänien) und das Friaul (Italien)sind weitere Partnerregionen des Kantons St. Gallen; am intensivsten sind seine Beziehungen nach Liberec.