Ausstieg aus dem Notrecht: Für die Ostschweizer Politiker Andrea Caroni und Franziska Ryser sind Antikörpertests der Schlüssel zum Erfolg

Das erwarten die grüne St.Galler Nationalrätin Franziska Ryser und der freisinnige Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni am Donnerstag vom Bundesrat.

Christoph Zweili
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Franziska Ryser (Grüne) und Andrea Caroni (FDP) über mögliche Exit-Strategien aus der Coronakrise im TVO-Talk «Zur Sache». In der Mitte Moderator Stefan Schmid, Tagblatt-Chefredaktor.

Franziska Ryser (Grüne) und Andrea Caroni (FDP) über mögliche Exit-Strategien aus der Coronakrise im TVO-Talk «Zur Sache». In der Mitte Moderator Stefan Schmid, Tagblatt-Chefredaktor.

Michel Canonica

Seit einem Monat läuft die Schweiz auf Sparflamme. Am Donnerstag legt der Bundesrat den Exit-Fahrplan aus den Fängen des Coronavirus vor. Die grüne St.Galler Nationalrätin Franziska Ryser und der Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni stehen beide hinter dem Coronanotstand. Und sie sind sich über die Parteigrenzen hinaus einig, wie das Ausstiegsszenario aussehen könnte: Priorität haben die Öffnung der Schulen und das etappenweise Hochfahren der Wirtschaft.

Andrea Caroni, Ständerat Ausserrhoden.

Andrea Caroni, Ständerat Ausserrhoden.

Michel Canonica

Die beiden Ostschweizer Politiker haben die Zeit mit Homeoffice persönlich gut überstanden, wie sie im TVO-Talk «Zur Sache» sagten – Anwalt Caroni: «Ich hatte viel mehr Zeit für meine Familie. Jetzt aber braucht es einen klaren Plan - eine Perspektive, wer wann die Arbeit wieder aufnehmen kann.» Für Ryser, die bereits ein erstes Mal mit der Wirtschaftskommission getagt hat, ist klar, dass das Parlament jetzt das Szepter wieder übernehmen muss: «Auch wenn der Bundesrat seine Sache gut gemacht hat - bei den Massnahmen zum Ausstieg aus dem Lockdown braucht es Nachbesserungen.» Moderiert wurde die Sendung von «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid.

Franziska Ryser, St.Galler Nationalrätin.

Franziska Ryser, St.Galler Nationalrätin.

Michel Canonica

Jedes Land müsse seinen eigenen Ausstiegsweg finden, sagte Ryser. Die Schweiz habe das Glück, den Höhepunkt der Welle erreicht zu haben, ohne dass das Gesundheitssystem zusammengebrochen sei. Man sei daher nicht in der Situation wie Frankreich, das die Restriktionen bis im Mai verlängern müsse. Die gesamte Wirtschaft aber auf einen Schlag wieder hochzufahren, sei mit Blick auf eine zweite Ansteckungswelle keine Option, das müsse etappenweise geschehen. Für Caroni ist klar:

«Jetzt will man wissen, welche Schulen und welche Geschäfte unter welchen Bedingungen wieder öffnen können».

Die Schweiz habe spät eine Vollbremsung gemacht, nun wolle man aber nicht länger stillstehen. «Ich kann das nachvollziehen, jetzt braucht es aber zusätzliche Informationen.»

Die beiden Ostschweizer Politiker fordern flächendeckende Tests – nicht nur, um zu erfahren, wer infiziert ist, sondern auch um zu wissen, wer Antikörper gebildet hat, also immun ist. «Massnahmen wie das ‹Social distancing› und das ‹Händewaschen› werden uns wohl noch einige Monate begleiten», sagte Ryser. Sind also Tests der Weisheit letzter Schluss? Für Caroni ist die Krise «vor allem ein Informationsproblem». Wüssten alle Menschen jederzeit, wer das Virus trägt und wer nicht, gäbe es keine Coronakrise. «Mit Covid-19 Infizierte hätte man von Beginn weg isolieren können – und alle andern könnten sich frei bewegen.»

Der Ausserrhoder Ständerat versteht nicht, warum der Bundesrat nicht einen gewissen Prozentsatz der knappen Tests in der Schweiz «abgezwackt» hat, um einen repräsentativen Teil der Bevölkerung zu testen. Für die beiden Politiker sind die Antikörpertests, die Bundesrat Alain Berset flächendeckend einsetzen will, der Schlüssel zum Erfolg. Caroni glaubt, dass die Risikogruppe noch länger mit Einschränkungen leben muss – «je weniger aber jemand gefährdet ist, desto schneller soll er wieder am Alltag teilnehmen können».

Die ganze TVO-Sendung zum Nachschauen: