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Segler, Fischer und Passagiere: Der Bodensee und seine vielen Opfer

An schönen Tagen wie diesen zeigt der See sein Sonntagsgesicht.
Dass er auch lebensgefährlich werden kann, davon erzählt nun eine Ausstellung.
Rolf App
Der imposante «Bomber-Schaffner» mit seiner Bergungsmannschaft und ihrem Fund in Steckborn. (Bild: Archiv René Labhart, Steckborn)

Der imposante «Bomber-Schaffner» mit seiner Bergungsmannschaft und ihrem Fund in Steckborn. (Bild: Archiv René Labhart, Steckborn)

Wer in Berlingen am Untersee spazieren geht, kann an der Hafenmole auf ein seltsames metallenes Ding stossen – einen Dampfkessel. Es erinnert an jene Katastrophe, die sich hier am Nachmittag des 20. Dezember 1869 ereignet hat: Kaum hatte der Dampfer «Rheinfall» abgelegt, «vernahmen wir in unserer Kajüte einen donnerähnlichen Knall», berichtete später einer der Passagiere. Der eiserne Dampfkessel war explodiert, die meisten Passagiere stürzten ins eiskalte Wasser, woraus sie sehr rasch gerettet wurden.

Ein Besatzungsmitglied und vier Reisende allerdings waren in ihrer Kajüte blockiert und starben – unter ihnen der Ermatinger Pfarrer und eine Frau aus seinem Dorf, die auf dem Weg war zu einer Taufe nach Schaffhausen. Einer der Silberlöffel, den sie als Geschenk dabei hatte, tauchte später in einem Fischernetz auf. Das Schiff wurde gehoben und unter neuem Namen wieder in Dienst gestellt. Warum der Kessel explodiert war, klärte sich nie.

Der Cognac-Bomber bleibt verschollen

Der Untergang der «Rheinfall» ist eine von vielen Geschichten, die eine neue Ausstellung des Rosgartenmuseums im Kulturzentrum am Münster in Konstanz und ein dazu erschienenes Buch von Tobias Engelsing erzählen (siehe Zweittext unten). «Der gefährliche See» handelt vom Hochwasser, von Stürmen und Schiffsunfällen, von Menschen, die lange gar nicht schwimmen konnten, und auch von den alliierten Bombern, die in der Endphase des Zweiten Weltkriegs im See gelandet sind.

Manchmal hatten sie Glück, manchmal nicht. Am Ende des Kriegs befand sich viel Schrott am Meeresgrund. Bis Martin Schaffner kam, schwergewichtiger Schrotthändler aus dem Aargau, der vor Gaienhofen einen dieser Bomber barg und den Namen «Bomber-Schaffner» bekam.
Einige Flugzeuge wurden gehoben, andere zumindest geortet. Bis auf eines: der legendäre Cognac-Bomber.

Eine zweimotorige Heinkel sollte im Mai 1944, mit 2000 Flaschen Cognac für Hitler beladen, im See verschwunden sein. Aufspüren allerdings konnte ihn auch das Seenforschungsinstitut in Langenargen mit seinen modernen Sonargeräten nicht. Aus einem einfachen Grund, wie Engelsing beim Rundgang erzählt: «Ein Redakteur der Zeitung ‹Rheinpfalz› und ein paar Taucher haben sie frei erfunden.»

Ein Mordprozess ohne Leiche

Sehr real war dagegen jene Frau, die mit ihrem brennenden Schiff «Calypso» im August 1976 vor Romanshorn untergegangen ist. Ihr Mann konnte sich retten, sie blieb verschwunden. Sogar der Tiefseeforscher Jacques Piccard wurde ausgeschickt, um mit einem Klein-U-Boot den Seegrund abzusuchen.

Er spürte dabei ein Dampfschiff, einen alliierten Bomber und einen deutschen Panzer auf – nicht aber die Verschollene. Angesichts der Merkwürdigkeiten des Falls keimte bei der Thurgauer Staatsanwaltschaft der Verdacht, der Mann könnte nachgeholfen haben.

So kam es 1980 in Ulm zu einem Prozess ohne Leiche, mit 130 Zeugen – und einem Freispruch mangels Beweisen. Und diese eine Leiche gesellte sich zu den vielen, die der See schon verschluckt hat. Badende, Segler, Fischer, Matrosen, Passagiere.

Wie die Fischer den Motor lieben lernten

Denn der See ist gefährlich sogar für jene, die ihn wie die Fischer wie ihre Hosentasche zu kennen glauben. So etwa für jene zwanzig Boote, die im Juni 1914 zwischen Langenargen und Arbon auf dem See lagen, als unvermittelt ein orkanartiger Sturm aufzog. Einige Boote hatten einen Motor. Ihnen gelang es, die Fischer der andern Boote zu retten. Was ein heilsames Umdenken bewirkte: Denn viele Fischer glaubten zu dieser Zeit noch, der Motor vertreibe die Fische.

Der Thurgau spielt eine wichtige Rolle

Es stecke auch ein wenig Nostalgie in der Ausstellung, erklärte am Dienstag Tobias Engelsing vom Konstanzer Rosgartenmuseum bei der Präsentation der neuen, von morgen bis zum 29. Dezember im Kulturzentrum am Münster gezeigten Ausstellung. Denn «Der gefährliche See» handelt nicht nur von jenen Wetterextremen, auf die wir uns in Zeiten der Klimaerwärmung vermehrt einzustellen haben, wie Unwettern, Orkanen und Überschwemmungen. Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf den zuletzt 1963 zugefrorenen See. In der Ausstellung wie in der im Südverlag erschienenen, detailreichen Begleitpublikation spielt der Thurgau, dessen Lotteriefonds das Projekt unterstützt hat, eine prominente Rolle – nicht nur wegen des alten Ruderboots, das Ermatingen dem Museum überlassen hat. Das Seemuseum Kreuzlingen und das Museum im Turmhof Steckborn tauchen auch als Kooperationspartner auf.

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