Ausserrhoden verschärft, St.Gallen wartet ab: Diese Corona-Massnahmen haben die Ostschweizer Kantone am Wochenende beschlossen

In Appenzell Ausserrhoden gilt ab sofort eine Maskenpflicht im Freien und am Arbeitsplatz. Der Kanton St.Gallen schränkt ab Dienstag den Besuch in Altersheimen ein.

Marcel Elsener
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Ab Dienstag dürfen maximal zwei Personen je Bewohnerin oder Bewohner in die Altersheime im Kanton St.Gallen.

Ab Dienstag dürfen maximal zwei Personen je Bewohnerin oder Bewohner in die Altersheime im Kanton St.Gallen.

Bild: Andrea Stalder

Maskenpflicht vor Läden, auf Märkten und am Arbeitsplatz: In Appenzell Ausserrhoden gelten ab Montag um Mitternacht die schärfsten Massnahmen in der Ostschweiz. Weil die bisherigen Massnahmen nicht mehr ausreichten, den Anstieg an Covid-19-Infektionen «effektiv zu bremsen», beschloss die Kantonsregierung in Herisau am Sonntag verschärfte Regeln.

Neu gilt Maskenpflicht auch in Aussenbereichen

In den letzten sieben Tagen haben sich sowohl die Neuinfektionen als auch die Hospitalisationen in Ausserrhoden verdoppelt. Verschärft wird nun speziell die Maskentragepflicht: Bis anhin galt sie für alle Personen in öffentlich zugänglichen Innenräumen sowie in Wartebereichen des öffentlichen Verkehrs.

Neu gilt die Maskenpflicht auch in Aussenbereichen von diesen Einrichtungen. Dies betrifft Läden, Theater, Kinos, Veranstaltungsorte, Restaurants und Bars, Wochen- und Weihnachtsmärkte. Ausserdem müssen an Arbeitsstätten Masken getragen werden – freilich mit Ausnahmen wie Einzelbüros. Keine Maskenpflicht gilt auf Strassen, Plätzen und Parkanlagen oder im Wald.

Widerstand gegen Singverbot

Verschärft hat Ausserrhoden auch die Vorschriften für Restaurants, Bars und Clubs. So herrscht nun Sitzpflicht und sind nur vier Personen pro Tisch erlaubt. Wie im Kanton St.Gallen ist Tanzen in allen Lokalen verboten. Ebenfalls verboten sind Veranstaltungen mit über 50 Personen, an privaten Anlässen dürfen höchstens 15 Personen teilnehmen. Proben und Konzerte von Chören sind neu verboten.

Dagegen wird bereits Kritik laut: So wehrt sich Andreas Gut, Domkapellmeister der Kathedrale St.Gallen, mit einem offenen Brief an Bundesrat Alain Berset gegen ein generelles Singverbot für Chöre.

St.Gallen schränkt Besuche in Altersheimen ein

Die St.Galler Regierung hat am Sonntag ebenfalls verschärfte Massnahmen beschlossen, allerdings nur für Betagtenheime. Ab Dienstag können Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen täglich noch zwei Besuchende empfangen. Diese müssen sich im Voraus anmelden und erhöhte Schutzmassnahmen beachten.

Weitere Einschränkungen habe man vorbereitet und werde diese Ende Woche umsetzen, heisst es. Sofern die bereits bestehenden Einschränkungen ihre Wirkung nicht erzielten oder der Bundesrat keine neuen national gültigen Regelungen erlasse.

Vorerst keine Maskenpflicht im Freien im Kanton St.Gallen

Regierungsrat Bruno Damann.

Regierungsrat Bruno Damann.

Bild: Ralph Ribi

Die Verschärfung der Massnahmen einzig in den Heimen begründet Regierungspräsident Bruno Damann mit dem Schutz der grössten Risikogruppe und den aktuellen Fällen von Infektionen in sechs betroffenen Heimen. Die Sonntagssitzung habe die Regierung aufgrund der bundesrätlichen Vernehmlassung der Gesundheitsdirektorenkonferenz abgehalten, unabhängig von den Beschlüssen des Kantons Ausserrhoden.

Ob St.Gallen ebenfalls eine Maskenpflicht im Freien plane, wollte Damann nicht bestätigen:

«Wir warten bis Freitag, weil es zwei Wochen dauert, bis man den Erfolg der getroffenen Massnahmen beurteilen kann.»

Die Entwicklung der Fallzahlen spricht nicht dagegen. «Wir waren letzte Woche mit täglich 300 bis 350 neuen Fällen auf hohem Niveau stabil», sagt Damann. Dies galt auch fürs Wochenende, die Fallzahlen blieben in der gleichen Grössenordnung. Solange kein drastischer Sprung passiere, seien unter der Woche aus kantonaler Sicht keine Verschärfungen nötig.

«Nicht jeden zweiten oder dritten Tag neue Massnahmen»

Ähnlich wie sein Thurgauer Regierungskollege Urs Martin, mit dem sich Damann am Donnerstag in Bern abgesprochen hat, will der St.Galler Gesundheitschef «nicht jeden zweiten oder dritten Tag neue Massnahmen ergreifen», die dann durch Bundesratsentscheide überholt würden. «Das wäre eine Sisyphusarbeit, die wir unseren Leuten nicht zumuten können.»

Der Kanton Thurgau hat am Freitag die Anzahl Intensiv-Betten für Corona-Patienten erhöht, doch keine weiteren Massnahmen beschlossen. Man wolle kein zweites Mal von «Bern» überholt werden, liess Urs Martin durchblicken.

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