AUSSERRHODEN: Post gibt keine Versprechen ab

Bis 2020 garantiert die Post gerade noch fünf Postfilialen im ganzen Kanton, was danach passiert, ist ungewiss. Die Gemeinden können bei der Entscheidung nicht mitreden. Der Unmut ist gross.

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In Schönengrund ist die Postagentur in die Landi integriert. (Bild: Karin Erni)

In Schönengrund ist die Postagentur in die Landi integriert. (Bild: Karin Erni)

Elias Eggenberger Jonas Manser

redaktion

@appenzellerzeitung.ch

Die Poststellen in Ausserrhoden stehen auf Messers Schneide. Der gelbe Riese teilt mit, dass die Filialen in Stein, Trogen, Waldstatt und Urnäsch auf ihre Notwendigkeit überprüft werden. Ihr weiteres Bestehen ist unklar. Im Dialog mit Kantonsvertretern seien Eckdaten für die künftige Ausgestaltung des Postnetzes festgelegt worden, heisst es in einer Medienmitteilung der Post. In Appenzell Ausserrhoden gibt es nach Angabe der Post 28 Zugangsmöglichkeiten: Zwölf sind Postagenturen, in sieben Fällen wurde bereits ein Hausservice eingerichtet. Von den heute noch verbleibenden neun Filialen werden, wie oben erwähnt, vier einer Überprüfung unterzogen. Nur die Standorte Herisau, Heiden, Gais, Teufen und Speicher bleiben bis ins Jahr 2020 gesichert. «Aufgrund der digitalen Kommunikation können wir keine längerfristigen Versprechen abgeben. Es gilt, die Situation im Auge zu behalten und in drei Jahren neu zu beurteilen», so Markus Werner, Pressesprecher der Post. «Wenn wir Poststellen durch ein neues Angebot ersetzen, löst das bei der Bevölkerung immer Skepsis aus. Die meisten Leute zeigen sich aber danach zufrieden mit den alternativen Lösungen.»

Peter Kürsteiner, Gemeindepräsident von Urnäsch, sagt: «Einbezogen in die Diskussion werden wir. Die Frage ist, wie viel unsere Meinung zählt. Momentan wissen wir noch nicht, wie es weitergeht mit unserer Poststelle.» Die Bevölkerung von Stein reagierte auf die eventuelle Postschliessung bereits im vergangenen Jahr mit einer Petition zum Erhalt der Filiale. «Die Gemeinde hat nur sehr wenig Mitspracherecht, und ein Rekurs unsererseits würde es nur verzögern», sagt Gemeindepräsident Siegfried Dörig. Man würde gewisse Abstriche machen müssen, aber es habe auch einige gute Aspekte dabei, relativiert Dörig die künftigen Veränderungen.

SP fordert Stopp der Postfilialenschliessungen

Die SP AR fordert einen «Marschhalt bei den Poststellenschliessungen». Der Zeitplan der Post sei für die Gemeinden zu knapp, um längerfristig planen zu können. Sie sehe ein, dass Postagenturen in Einzelfällen durchwegs eine sinnvolle Lösung darstellen können, lehnt sie jedoch als flächendeckendes Geschäftsmodell ab. So würden bei Postagenturen bestimmte Dienstleistungen, wie Massenversände oder unadressierte Mailings, nicht mehr beansprucht werden können. Dies betreffe vor allem das Gewerbe und öffentliche Vereine, welche sich dafür nach Heiden oder Teufen begeben müssten. Die Post solle, als Eigentum des Bundes, vermehrt die Interessen der Bevölkerung in ihre Strategie einfliessen lassen und nicht einseitig wirtschaftsorientierte Interessen verfolgen. Der wachsende Widerstand in der Bevölkerung ist für die SP ein Signal, dass die Post ihren Service-public-Auftrag aus den Augen verliere. SP-Präsident Yves Noël Balmer bangt auch um die verbliebenen Filialen, welche bis 2020 garantiert sind. «Wichtig ist, dass die Gemeinden mitbestimmen können und in der Diskussion nicht einfach übergangen werden», so Balmer.