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Ausnahmezustand im Alpstein: Noch nie lag im Mai auf dem Säntis so viel Schnee

Mitte Mai liegen auf dem Säntis 250 Zentimeter mehr Schnee als im Vorjahr. Damit steigt die Gefahr eines Rekord-Hochwassers. Ob es soweit kommt, hängt vom Wetter der kommenden Wochen ab.
Rosa Schmitz, Nancy Neuhauser

695 Zentimeter: So viel Schnee liegt im Moment auf dem Säntis. Ein Rekordwert für die Jahreszeit, 250 Zentimeter mehr als im Mai 2018. Und mehr als doppelt so viel, wie in Gütsch in Andermatt liegt – jene Wetterstation mit der schweizweit zweithöchsten Schneemenge diesen Monat. Der Alpstein präsentiert sich auch sonst ungewöhnlich winterlich: In den ersten 15 Maitagen war es in der Ostschweiz vier bis fünf Grad kälter als im Durchschnitt – zum letzten Mal war das vor knapp 30 Jahren der Fall. In den vergangenen Wochen kam in mehreren Schüben kalte Polarluft vom Nordpol in die Alpen.

Die Umstände erinnern an den Mai 1999, das Jahr des Jahrhunderthochwassers: Weil zurzeit überdurchschnittlich viel Schnee liegt, könnte die Schneemenge «in Verbindung mit lang anhaltenden hohen Temperaturen und Regenfällen zu Hochwasser und Überschwemmungen führen», hatte der Kanton St.Gallen bereits Anfang Jahr mitgeteilt. Beim Amt für Wasser und Energie, bei Rheinunternehmen und Linthverwaltung verfolge man die Lage zusammen mit den Fachstellen des Bundes.

Entwarnung oder Alarmstufe rot?

Zu Beginn des Jahres liess sich noch nicht voraussagen, wie viel Schnee und welches Wetter der Frühling bringen würde. Droht ein Hochwasser wie zuletzt 2016, als der Rhein randvoll in den Bodensee floss, oder gar eine Überschwemmung wie 1999 und 1987? Schwierig zu sagen, hiess es bei den Fachleuten. Das hänge von vielen Faktoren ab. «Aufgrund der Schneemengen sind wir am Punkt, wo alles möglich ist», sagte Michael Eugster, Leiter Amt für Wasser und Energie, gegenüber unserer Zeitung im Februar.

Was er damit meinte: Zwischen Entwarnung und Normalzustand (wie 2018) und dem Gegenteil (Alarmstufe rot wie 1999) muss mit allem gerechnet werden. «Allerdings haben wir heute viel bessere Grundlagen als vor zwanzig Jahren.» Bruno Vattioni, Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn, bleibt dagegen entspannt. «Es besteht kein Grund zur Sorge», sagt er. «Die Menge an Schnee ist ungewöhnlich, das stimmt. Und es ist auch ungewöhnlich kalt. Doch das heisst nicht, dass die Situation eskalieren muss.» Er glaubt nicht, dass es zu einem gefährlichen Schneestand kommen wird. «Weil sich das Wetter spät ändert, stellt man sich etwas Schlimmes vor. Wir sehen das Ganze weniger dramatisch.»

Sieht Vattioni die Lage zu gelassen? Nein, sagt Meteorologe Joachim Schug von MeteoGroup Schweiz in Appenzell. Damit es zu einem Hochwasser kommt, müssten einige Elemente zusammenspielen. «Die Temperaturen müssen während zwei bis drei Wochen warm sein. So kann die dicke Schneeschicht schmelzen.» Anschliessend müsse es in dieser Höhe eine gewisse Zeit stetig regnen, sagt Schug. «Wenn sich das alles so entwickelt, kann es gefährlich werden.»

Ein Grossteil vom Schmelzwasser am Alpstein fliesse über die Sitter in die Thur und dann in den Rhein. Somit sei der Bodensee nicht betroffen. Dieser reagiere viel mehr auf Schneeschmelze und starken Regen in Graubünden. Spielen all diese Faktoren zusammen, dürfte der Pegel des Bodensees kräftig ansteigen. Auch auf dem Weissfluhjoch ob Davos liegt aktuell so viel Schnee wie noch nie um diese Jahreszeit.

Kein Widerspruch zur Klimaerwärmung

Die Wetterstation auf dem Säntis ist seit 1882 in Betrieb. Die Schneehöhe wird aber nicht auf dem Gipfel gemessen. Dort liegt aufgrund der starken Winde weniger Schnee. Gemessen wird der Pegel unterhalb des Girenspitzgrats in einer Mulde. Die Daten sammelt MeteoGroup.

Diese Wetterbedingungen stehen laut Schug nicht im Widerspruch zur Klimaerwärmung. Grönland und Nordsibirien würden zurzeit rekordhohe Temperaturen melden. «Ende Mai soll es auch bei uns wieder deutlich wärmer werden.»

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