Ausbildungsattest statt Anlehre

FRAUENFELD. Die Thurgauer Regierung möchte schwachen Schülern eine neue Ausbildung ermöglichen, um ihnen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Silvan Meile
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Ein schlechtes Zeugnis erschwert die Lehrstellensuche. Für besonders schwache Schüler ist die Hürde von der obligatorischen Schulzeit in den Arbeitsmarkt oft zu hoch. Mit dem Wegfall der Anlehre vor fünf Jahren versperrte sich für etwa zwei Prozent der 3000 Thurgauer Schulabgänger pro Jahr der Weg zu einer Arbeitsstelle.

128 000 Franken pro Jahr

Dieses Hindernis räumt der Kanton nun aus dem Weg. Mit dem «Kantonalen Ausbildungsattest» soll im Thurgau eine zusätzliche berufliche Ausbildung geschaffen werden. Es handle sich dabei um ein niederschwelliges Angebot für schwache Schüler, teilt der Thurgauer Regierungsrat mit. Er unterbreitet dem Grossen Rat eine Änderung des Gesetzes über die Berufsbildung und die Mittelschulen. Sie hat die Einführung dieses kantonalen Ausbildungsattests zum Inhalt. «Aufgrund der aktuellen Begebenheiten wird davon ausgegangen, dass dieses Ausbildungsangebot von rund 20 Jugendlichen pro Jahr genutzt wird», heisst es in einer Mitteilung. Vorgesehen seien zwei Klassen. Die Kosten dafür würden sich auf 128 000 Franken pro Jahr belaufen. Mit zusätzlichen Zahlungen des Bundes könne für dieses kantonale Angebot nicht gerechnet werden. Bei dieser kantonalen Lösung handle es sich um eine mit dem Lehr- oder Arbeitsvertrag vergleichbare Situation, schreibt die Regierung weiter.

Ausbildung dauert zwei Jahre

An vier Tagen pro Woche würden die Jugendlichen in einem Betrieb arbeiten. An einem Tag finde die Ausbildung in der Berufsschule statt. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Es werden ein betrieblicher und schulischer Kompetenzausweis und eine Beschreibung der Entwicklung ausgestellt. Primäres Ziel sei die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. «Sekundäres Ziel ist der Übertritt in eine normale Berufsausbildung», heisst es weiter. Der Grosse Rat wird den Gesetzesentwurf noch beraten.