AUSBAU: Bessere Werkstätten für Häftlinge

In der Strafanstalt Saxerriet soll für knapp zehn Millionen Franken ein neues Handwerkszentrum entstehen. Die heutigen Arbeitsplätze sind teils nicht mehr zeitgemäss – und die Konkurrenz im Justizvollzug schläft nicht.

Adrian Vögele
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In den Betrieben im Saxerriet trainieren Insassen ihre Fertigkeiten für die Zeit nach der Haft. (Bilder: Urs Bucher/Benjamin Manser)

In den Betrieben im Saxerriet trainieren Insassen ihre Fertigkeiten für die Zeit nach der Haft. (Bilder: Urs Bucher/Benjamin Manser)

Adrian Vögele

adrian.voegele

@tagblatt.ch

Häftlinge, die während Jahren untätig hinter dicken Gitterstäben sitzen: Dieses Bild ist im Schweizer Strafvollzug längst überholt – auch dank der St. Galler Strafanstalt Saxerriet: In den 1960er-Jahren führte sie als erste Strafanstalt der Schweiz den offenen Vollzug ein. Hauptziel ist nicht mehr die Bestrafung, sondern die Resozialisierung der Delinquenten – sie sollen sich auf ein selbstständiges, straffreies Leben vorbereiten und sich auch neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt erarbeiten. Das Saxerriet bietet hierfür seit langem ein breite Palette an Arbeitsplätzen sowie Ausbildungs- und Weiterbildungsprogrammen an. Das ist ein Wettbewerbsvorteil – denn die Strafanstalten stehen in Konkurrenz zueinander, wenn es um die Zuweisung von Häftlingen aus anderen Kantonen geht. Die zuweisenden Kantone bezahlen für die Insassen ein festgelegtes Kostgeld – ein wichtiger Posten im Finanzhaushalt der Strafanstalten.

Nun gibt es allerdings Befürchtungen, dass das Saxerriet seine gute Position auf dem Markt einbüssen könnte. Darum sind Investitionen geplant: Auf dem Gelände soll für 9,8 Millionen Franken ein neues Unterhalts- und Handwerkszentrum (UHZ) entstehen.

Bund und Kanton teilen sich die Kosten

Das Kantonsparlament wird das Bauvorhaben voraussichtlich in der Septembersession beraten. Der Kanton soll 7,3 Millionen beitragen, der Bund 2,5 Millionen. Ziel ist eine durchschnittliche Auslastung der Anstalt von 90 Prozent, das entspricht rund 120 Insassen. Im vergangenen Jahr waren 87 Prozent der Plätze belegt. 61 Prozent der Einweisungen stammten vom Kanton St. Gallen, 39 Prozent von ausserhalb. Die Werkstätten in der Strafanstalt lassen teilweise zu wünschen übrig, wie es in der Botschaft der Regierung heisst. Manche sind zu klein, improvisiert oder nicht optimal bezüglich Arbeitssicherheit. So gibt es derzeit auf dem Gelände keine Schreinerei, obwohl auf dem Gelände viele Holzarbeiten anfallen. Im neuen UHZ sollen unter anderem Schlosserei, Malerei, Schreinerei, Autowerkstatt und landwirtschaftliche Werkstatt zusammengefasst werden.

Dass die Arbeitsplätze unter einem Dach vereint würden, wirke sich auch positiv auf die soziale Entwicklung der Insassen aus, sagt Joe Keel, Leiter des Amts für Justizvollzug: «Durch die Zusammenfassung von Arbeitsfeldern und die übersichtliche Gestaltung lässt sich die Betreuung der Insassen verbessern und intensivieren.»

Mit dem UHZ erhalten die Betriebe der Anstalt auch mehr Lagerflächen. Die höhere Lagerkapazität sei nötig, damit das Saxerriet wichtige externe Aufträge nicht verliere, heisst es in der Botschaft. Die Insassen führen diverse Arbeiten im Auftrag von Privatunternehmen aus. Diese Stärke zeigt sich auch beim finanziellen Arbeitsertrag je Belegungstag: In den letzten Jahren lag dieser Wert zwischen 80 und 100 Franken – das Saxerriet übertraf damit den Durchschnitt der anderen offenen Anstalten um über 20 Prozent. Allerdings sinken die Erträge inzwischen. «Die Firmen, mit denen die Strafanstalt zusammenarbeitet, müssen sich in einem härter gewordenen Umfeld behaupten», sagt Keel. «Auch der starke Franken spielt dabei eine Rolle. Die Unternehmen müssen ihre Kosten senken, was sich auf die Preise auswirkt.» Das UHZ soll nun helfen, die Effizienz der Betriebe im Saxerriet zu erhöhen.

«Luxus ist damit nicht verbunden»

Das UHZ ist als einfaches Industriegebäude geplant. Übertrieben sei das Projekt auf keinen Fall, betont Keel. «Wir wollen damit arbeitsmarktnahe Arbeitsplätze in einem zweckmässigen Bau schaffen, der auch die Anforderungen in Bezug auf Arbeitssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Ökologie erfüllt. Irgendein Luxus ist damit nicht verbunden.» Die Insassen müssten Zukunftsperspektiven entwickeln und ihre Fähigkeiten verbessern können. «Kehren sie ohne Perspektiven und Fertigkeiten in die früheren Kreise zurück, sind Rückfälle vorprogrammiert.»

Zudem bedeute das breite Arbeitsangebot im Saxerriet keineswegs einen angenehmen Haftalltag, sagt Keel. «Das unfreiwillige Leben in einem durchstrukturierten, reglementierten Alltag in einer Zwangsgemeinschaft ist für die Insassen eine einschneidende Sanktion, selbst wenn die Infrastruktur zeitgemäss gestaltet ist.»