Gemeindepräsidentin zum Brand in Degersheim: «Das wichtigste ist, dass keine Personen verletzt wurden»

In Degersheim haben sieben Bewohner kurz vor Weihnachten ihr Daheim verloren. Die Solidarität im Dorf ist gross.

Janina Gehrig
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Das Haus an der Hauptstrasse in Degersheim wird noch lange unbewohnbar bleiben.

Das Haus an der Hauptstrasse in Degersheim wird noch lange unbewohnbar bleiben.

Zita Meienhofer

Der Gestank nach Verbranntem liegt in der Luft. Aus einem Fenster flattert ein zerfetzter Spitzenvorhang. Das Dach des Holzhauses an der Hauptstrasse in Degersheim besteht nur noch aus verkohlten Balken. Schneeflocken setzen sich darauf fest, während aus den Löchern der Fassade Schutt gekippt wird. Schaufel um Schaufel. Ziegelsteine, verkohltes Holz, Asche. Zwei Forensiker suchen nach der Brandursache, nach Überresten von Elektrogeräten, nach defekten Kabeln. «Wahrscheinlich eine technische Brandursache» und «keine Brandstiftung», teilt die Kantonspolizei St.Gallen später mit.

Es war in der Nacht auf gestern, als das Feuer ausbrach. Die Feuerwehr rückte kurz nach ein Uhr mit einem Grossaufgebot aus, da schlugen die Flammen bereits aus dem Dach des älteren Hauses. Rund 70 Rettungskräfte standen im Einsatz, wie die Polizei gestern mitteilte. Sechs Bewohner konnten selbstständig aus ihren Wohnungen flüchten. Nur die älteste unter ihnen, eine 98-jährige Frau, musste von der Feuerwehr gerettet werden.

Bewohner kehren zurück, um Gegenstände zu holen

Jetzt kommen einige von ihnen zurück, darunter eine Familie mit einem Mädchen. Sie tragen Schlafanzüge unter den Winterjacken. Gemeindepräsidentin Monika Scherrer begleitet sie. «Das wichtigste ist, dass keine Personen verletzt wurden», sagt sie. Noch in der Nacht wurden die Bewohner in Hotels oder andere Unterkünfte gebracht. «Mittlerweile konnten wir ihnen auch Wohnungen zuweisen», sagt Scherrer. Die betagte Frau kam ins Altersheim.

Gemäss Kapo-Mediensprecher Florian Schneider brauchen die Bewohner viel Geduld.

«Das Haus ist kaputt. Es wird zuerst umfangreiche Sanierungsarbeiten benötigen, bevor das Gebäude wieder bewohnbar ist.»

Der Sachschaden betrage mehrere 100'000 Franken. Unter Begleitung der Feuerwehrmänner darf die Familie nun kurz rein, um Gegenstände zu holen. Ein anderer Mann tigert um das Haus, schaut es immer wieder ungläubig an. «Das war mein Zuhause», sagt er, dann stockt seine Stimme, er dreht sich weg.

Beim Hydranten hinter dem Haus sind noch immer zwei Schläuche angeschlossen. Der Boden beim Eingangsbereich steht unter Wasser. Es tropft von oben. «Was nicht verbrannt ist, wurde wohl vom Wasser zerstört», sagt einer der Feuerwehrmänner. Seit dem frühen Morgen halten er und sein Kollege Brandwache. Immer wieder durchforsten sie die Räume mit Wärmebildkameras, um sicher zu gehen, dass die Flammen auch alle erstickt wurden.

Spendenkonto eingerichtet

Gross ist die Solidarität und die Anteilnahme der Dorfbewohner von Degersheim. Auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Degersheim, wenn…» hat eine Frau bereits frühmorgens zur Spendenaktion von Kleidern und Hygieneartikeln aufgerufen. Am Nachmittag schaltete sich die Gemeinde in die Diskussion ein. Die vom Brand betroffenen Personen seien gut versorgt und benötigten keine materiellen Spenden. Für Geldspenden hingegen wurde kurz darauf ein Konto eingerichtet.

So sieht das Haus am Tag nach dem Brand aus.
7 Bilder

So sieht das Haus am Tag nach dem Brand aus.

Bilder: Zita Meienhofer