Auflagen für Messerstecherin

Eine 31jährige Schweizerin ist zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt worden. Sie hatte innert dreier Monate zweimal auf ihren Freund eingestochen.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Mit dem gestern veröffentlichten Urteil hat das Kreisgericht St. Gallen eine mildere Strafe gefällt, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Hingegen liegt es deutlich über den Anträgen der Verteidigung.

Fünf Schuldsprüche

Die Beschuldigte erhielt Schuldsprüche in fünf Anklagepunkten: versuchte schwere Körperverletzung, einfache Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, Freiheitsberaubung, Irreführung der Rechtspflege und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Vom Vorwurf des Unterlassens der Nothilfe wurde sie freigesprochen.

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten und eine Busse von 50 Franken. Von der Strafe muss die Frau die Hälfte in Haft bleiben, die andere Hälfte wird mit einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine teilbedingte Strafe von drei Jahren, die Verteidigung von 18 Monaten gefordert.

Bewährungshilfe angeordnet

In nächster Zeit muss die Beschuldigte strenge Auflagen beachten. Sie muss sich auf richterliche Anordnung einer psychotherapeutischen Behandlung unterziehen und darf weder Alkohol noch Drogen konsumieren. Zu ihrem früheren Lebenspartner besteht ein Kontaktverbot. Sie ist angehalten, mit der Bewährungshilfe zusammenzuarbeiten und muss ihre Anordnungen befolgen.

Die Verfahrenskosten betragen nicht weniger als 65 700 Franken. Allein für die amtliche Verteidigung muss sie über 16 000 Franken aufwenden.

Die junge Frau hatte sich vergangene Woche vor dem Kreisgericht St. Gallen zu verantworten. Sie gestand, dass sie ihrem Lebenspartner im Juli und im September 2012 eine Stichwunde zugefügt hatte. Beim ersten Mal stach sie dem Opfer nach einem lautstarken und handgreiflichen Streit ein spitzes Küchenmesser in den Unterbauch. Anschliessend soll sie ihn ins Badezimmer eingeschlossen haben, obwohl er ihr sagte, er müsse sofort in ärztliche Behandlung, weil er stark blute.

Schliesslich fuhr sie ihn ins Spital Flawil. Zuvor hatten die beiden abgemacht, sie würden der Polizei erzählen, der Mann sei beim Bahnhof Gossau überfallen und mit einem Messer verletzt worden. Sie habe ihrem Lebenspartner die Stichverletzung nicht absichtlich zugefügt, erklärte die Beschuldigte an der Gerichtsverhandlung.

Zweiter Messerstich

Am 11. September 2012 stach die Beschuldigte mit einem Tomatenmesser auf ihren Lebenspartner ein, als er sich ein Fussball-Länderspiel anschaute. Voraus ging ein Eifersuchtsstreit, bei dem die Frau dem Mann vorwarf, er habe eine Affäre mit einer Arbeitskollegin. Die Messerklinge verletzte die Schlüsselbein-Arterie und den Lungenoberlappen des Opfers.

Auch in diesem Fall schilderte die Beschuldigte den Tathergang anders. Sie sei stark alkoholisiert gewesen und habe sich selber mit dem Messer etwas antun wollen. Der Lebenspartner habe versucht, sie davon abzubringen und sei beim Handgemenge von der Klinge verletzt worden.

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