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AUFBRUCH: Erst heiraten, dann ausbrechen

Mit einem umgebauten VW-Bus 25 000 km vom Atlantik bis ans Nordkap und nach Griechenland. Ein junges Paar aus Wittenbach begibt sich auf grosse Tour durch Europa. Zuerst wird noch geheiratet.
Ursula Wegstein
Isabel Weideli und Martin Eigenmann gehen auf Europatour im Bus – gleich nach der Hochzeit. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 24. Januar 2018))

Isabel Weideli und Martin Eigenmann gehen auf Europatour im Bus – gleich nach der Hochzeit. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 24. Januar 2018))

Bei ihnen sei alles anders, erzählen Martin Eigenmann und Isabel Weideli unisono. Sie zieht es hinaus aus der Filterblase Schweiz. Weg vom Luxusleben und der eingebildeten Sicherheit, wie sie finden. Sie möchten einmal auf die Nase fallen. Und wieder aufstehen. Sie sind neugierig, wie sich das Leben anderswo anfühlt. Auf ein anderes Tempo und eine neue Taktung.

Sie suchen die Herausforderung und die Freiheit. «Wenn wir das überstanden haben, überstehen wir alles», sagt die 27-jährige Isabel Weideli.

Kontrollbedürfnis trifft auf Abenteuerlust

Sie: Eher der Typ Kontrollfreak. Möchte alles planen. Zieht das Wellnesshotel dem Jeep mit Dachzelt vor. Braucht einen Rückzugsort und die Sicherheit geordneter rechtlicher Verhältnisse. Einen gemeinsamen Namen. Als Ausweg in schwierigen Situationen hat sie mit ihrem Partner ein Codewort vereinbart und eine Strategie, was dann zu tun ist. Sie sucht Klarheit über ihre berufliche Veränderung.

Er: Träumte schon immer von einer langen Reise. Von verschiedenen Kulturen, Eindrücken und dem Ungewissen. Er möchte Erfüllung finden. Ausbrechen aus dem Alltagstrott. Im Regen lachen. Zusammen glücklich sein, egal, was passiert. Statt einem Masterplan hat der 27-Jährige ein Assessment durchgeführt und überlegt, was er ändern müsste, um dem Idealzustand von Glück näher zu kommen. Das Ergebnis: eine gemeinsame Reise durch ganz Europa im VW-Bus.

Er und sie: Auch wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick war, hat es doch irgendwann «Klick» gemacht. «Wir haben einfach beide den gleichen Knall», erzählt sie. «Meistens haben wir zeitgleich dieselbe blöde Idee. Er ist ich in männlich.»

Antrag im Hot Pot bei Sonnenuntergang

Über eine gemeinsame Freundin haben sich die beiden vor über zehn Jahren kennen gelernt. Interesse war zwar da. Gefunkt hat es nicht. «Das Militär ist schuld», sagt er. Irgendwann bekam sie einen Brief aus dem Militär. Nach unzähligen Whatsapp-Nachrichten, einer Geburtstagsparty und einer kaputten Waschmaschine wurde mehr daraus.

Nach sechs Monaten bezogen die beiden eine gemeinsame Wohnung. Hochzeit war ein Thema. Für sie sollte er es sein. Als Isabel Weideli schon nicht mehr an einen Antrag glaubte, trotz ­aller Emanzipation aber nicht selbst die Initiative ergreifen wollte, kam die grosse Überraschung: Bei Sonnenuntergang in einem Hot Pot im Appenzellerland zauberte er den Verlobungsring hervor.

Im April ist Hochzeit. In Weinrot. Ihre Jobs und die Wohnung sind gekündigt. In den VW-Transporter baut er noch eine Küche, Bett, WC, Standheizung und Wasseranschluss ein. Sie macht den Führerausweis.

«Wir werden uns sicher auf den Wecker gehen», sagt er. Auch dafür haben sie eine Strategie: «Dann gehen wir halt einmal drei, vier Tage in ein Wellness­hotel.» Für alle Fälle bleibt ja noch das Codewort.

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@ostschweiz

-am-

sonntag.ch

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