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AUFBRUCH: Die Expo ist tot – es lebe die Expedition!

Die Ostschweizer wollen keine Expo. Daran gibt es nichts zu deuteln. Ein Jahr nach ihrer bitteren Niederlage sagen ehemalige Befürworter: «Wir müssen uns vom Expo-Denken lösen.» Sie tun es – und denken in eine neue Richtung.
Regula Weik
Die Expo 2027 ist begraben. Nun keimen neue Ideen auf, wie die nationale Identität gepflegt werden könnte. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Die Expo 2027 ist begraben. Nun keimen neue Ideen auf, wie die nationale Identität gepflegt werden könnte. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Regula Weik

regula.weik@tagblatt.ch

Der Aargau tut es. Die Städte tun es. Und seit neustem tut es auch der frisch gegründete Zürcher Verein «Y-27». Sie alle denken über eine neue Expo, eine neue Landesausstellung nach.

Nein. Darüber lasse sie nicht mit sich reden. Esther Friedli sagt es ruhig, sachlich, aber bestimmt. Sie ist politische Sekretärin der St. Galler SVP; diese hatte sich als einzige grosse Partei gegen die Idee einer Landesausstellung 2027 in der Ostschweiz gestellt. «Die Expo-Idee ist überholt», ist Esther Friedli überzeugt. «Die Bevölkerung will keinen staatlich finanzierten Sommerrummelplatz.» Von neuen Expo-Ideen hält sie nichts. Sollten solche auch in der Ostschweiz neu aufkommen, werde sie sich «mit aller Vehemenz und nochmals mit ganzer Kraft» dagegen wehren.

Esther Friedli hatte nach ihrer erfolglosen Kandidatur für die St. Galler Regierung ein Nein-Komitee um sich geschart, das sich explizit für die Abschaffung der Tradition schweizerischer Landesausstellungen aussprach. Mit Erfolg. Die St. Galler wie auch die Thurgauer Stimmberechtigten schickten die Idee einer Expo 2027 in der Ostschweiz vor knapp einem Jahr bachab. Die konsternierten Befürworter hielten damals bedauernd fest, die Ostschweiz habe damit eine einmalige Chance vertan. Sie werteten das Volks-Nein als «schweren Rückschlag für die Weiterentwicklung der Region».

Während andernorts – vorerst noch zaghaft – Expo-Ideen aufkeimen, ist es in der Ostschweiz ruhig. Verharren die Promotoren der Expo 2027 noch immer in Schockstarre? Oder haben sie inzwischen den Gedanken an eine Landesausstellung auf Lebzeiten begraben?

Wie werden wir künftig unsere Städte gestalten?

Einer, der zum Kreativtank der versenkten Ostschweizer Expo gehörte, ist der Rheintaler Reinhard Frei, Inhaber und Geschäfts­führer einer PR-, Werbe- und Event­agentur. Denkt er über einen neuen Anlauf für eine Landesausstellung nach? Er winkt ab. «Die Expo ist nicht mehr zeitgemäss. Das Pavillondenken hat sich überlebt.» Derartige Grossanlässe hätten vor dem Volk keinen Bestand mehr; das hätten die Abstimmungsergebnisse in beiden Kantonen deutlich gezeigt. Frei stellt dies nüchtern und ohne Wehmut fest – und das, obwohl er viel Herzblut in die Idee einer Ost­schweizer Expo hatte fliessen lassen. Doch Frei wäre nicht Frei, beliesse er es dabei und würde er nicht längst über neue Möglichkeiten des nationalen Austausches nachdenken. Darauf angesprochen, hält er sich zunächst zurück. Dann doch so viel: Befürworter und Kritiker der Expo 2027 hätten sich auf seine Initiative hin getroffen, um der Frage nachzugehen: Was kommt nach der Expo? «Erinnern ist gut, vorwärtsschauen besser», fasst Frei die Antwort zusammen. Sie hätten beim Treffen ein Projekt «Expedition Schweiz» entwickelt; dieses soll in ein «Fest der Schweiz» münden. Jugendliche sollen an zwei Tagen Zukunftsthemen erarbeiten – wie werden wir in Zukunft unsere Freizeit verbringen, wie arbeiten, wie uns ernähren, wie unsere Städte gestalten? – und am dritten Tag mit Erwachsenen ihre Vorstellungen und Lösungen diskutieren. Diese sollen dann am abschliessenden Fest präsentiert werden – der ganzen Schweiz, auch digital.

«Wir sind überzeugt, dass ein gemeinsames Nachdenken über die Zukunft der Schweiz notwendig ist. Ein Fest darf jedoch nicht allein vom Staat diktiert, finanziert und organisiert werden. Es muss aus der Gemeinschaft heraus entstehen, aus dem Bedürfnis heraus, sich begegnen zu wollen und damit der Begegnung einen Sinn zu geben», sagt Frei. «An dieses Bedürfnis glauben wir. Ob es auch in zehn, zwanzig Jahren noch vorhanden ist, das wollen wir klären.»

Nein zur Expo war kein Nein zur Schweiz

Diesem Ansatz kann auch Expo-Kritikerin Esther Friedli Sympathien abgewinnen. «Wie stellen wir uns die Schweiz der Zukunft, wie das Zusammenleben in unserem Land vor? Diesen Fragen verschliesse ich mich nicht», sagt die Toggenburgerin. Doch für sie ist klar: Es dürfe keine «versteckte» Expo, kein vom Staat finanzierter Grossanlass mit fixen Bauten werden. Und: «Die Idee eines generationenübergreifenden Dialogs ist nicht neu. Es gibt bereits Gefässe. Es müsste daher auch überlegt werden, wie diese genutzt, zusammengeführt oder ergänzt werden.»

Frei geht mit Friedli einig: «Wir müssen uns ganz vom Expo-Denken lösen.» Doch er ist überzeugt: «Das Ostschweizer Nein zur Expo war kein Nein zur Schweiz.» Die Schweiz sei nie eine Nation der Einheit von Volk, Sprache, Kultur oder Religion gewesen. «Wir sind und leben die Vielfalt. Und trotzdem haben wir eine nationale Identität.» Seine Intention, seine Idee: Eine neue Form der Pflege dieser Identität suchen – und finden. «Schön wäre es, wenn die Ostschweiz dafür Takt- und Impulsgeber wäre.»

Reinhard Frei will auf jeden Fall dranbleiben. Er steht damit nicht allein. Prominentester Mitstreiter ist derzeit der freisinnige Thurgauer Nationalrat Hermann Hess.

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