Auf Kollegen geschossen

Zwei Männer aus Kosovo standen gestern in St. Gallen vor Kreisgericht. Der eine hatte eine Waffe auf seinen Landsmann gerichtet und vier Schüsse abgefeuert.

Claudia Schmid
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st. gallen. Die Tat geschah am 1. Juli 2009. Laut Anklageschrift forderte der ältere der beiden Männer den jüngeren auf, ihm eine grössere Bargeldzahlung zu übergeben. Weil dieser die Summe nicht hatte, schickte er ihn zusammen mit einem gemeinsamen Kollegen weg, um das Geld bei Bekannten aufzutreiben. Nach einiger Zeit kam der Jüngere mit lediglich 200 Franken zurück. Daraufhin entbrannte auf dem Vorplatz eines Restaurants in St. Gallen ein verbaler Streit.

Vier Schüsse gefallen

Gegen 23 Uhr fielen vier Schüsse. Sie stammten aus der Waffe des jüngeren Mannes. Er habe seinen Landsmann nicht töten, sondern lediglich in Panik versetzen wollen, erklärte der 31jährige Angeklagte gestern vor Kreisgericht. Der 40-Jährige sei früher sein bester Freund gewesen. Den Revolver habe er aus Notwehr und aus Angst um seine Familie bei sich getragen, weil ihm der kosovarische Landsmann mit Blutrache gedroht habe.

Für die Anklage war es hingegen erwiesen, dass der Schütze mit der Absicht geschossen hatte, seinen Kontrahenten zu töten. Dass dieser nicht verletzt wurde, sei nur dem Umstand zu verdanken, dass sich ein gemeinsamer Bekannter dazwischen gestellt habe. Um diesen nicht zu treffen, habe der 31-Jährige zwei Schüsse in die Luft und zwei auf ein parkiertes Auto abgefeuert. Hinter dem Wagen hatte sich das Opfer nach dem ersten Schuss versteckt.

Die Untersuchungsrichterin beantragte für den Mann wegen vorsätzlicher Tötung, Widerhandlung gegen das Waffengesetz und Verstössen gegen das Ausländer- und das AHV-Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Tathergang nicht geklärt

Der Verteidiger verlangte, sein Mandant sei vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freizusprechen und zu einer angemessenen Geldstrafe zu verurteilen. Was zur Schiesserei geführt habe, sei nicht klar erwiesen.

Tatsache aber sei, dass der 31-Jährige seinen älteren Landsmann zu keinem Zeitpunkt habe umbringen wollen. Strafmildernd müsse man berücksichtigen, dass beide Männer Alkohol und Kokain konsumiert hätten.

Das Opfer selbst stand ebenfalls vor Gericht. Ihm wurden Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz, Drohung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Der Mann reiste nach der Schiesserei in seine Heimat und wurde beim Grenzübertritt nach Montenegro verhaftet. Für ihn forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Der Angeklagte habe zunächst den Kokainkauf nicht zugeben wollen, erklärte die Untersuchungsrichterin. Erst als die Beweislast erdrückend gewesen sei, habe er gestanden. Es sei aber klar, dass er mit einer grösseren Menge gehandelt habe als zugegeben.

Mehr Opfer als Täter

Sein Mandant stehe zwar als Angeklagter vor Gericht, sei aber vor allem auch Opfer, führte der Verteidiger ins Feld. Er verlangte eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einen Freispruch vom Vorwurf der Drohung. Die beiden Urteile des Kreisgerichtes St. Gallen stehen noch aus. Sie werden im Laufe dieser Woche erwartet.