Auf Heimfahrt vergewaltigt – Lausanne bestätigt Urteile

Das St. Galler Kantonsgericht hat zwei Männer, die im Mai 2007 eine Frau vergewaltigt haben, zu Recht zu Freiheitsstrafen von vier und sechs Jahren verurteilt. Dies hat nun das Bundesgericht entschieden.

Urs-Peter Inderbitzin
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Die beiden verurteilten Männer hatten am 1. Mai 2007 das Kasino in Konstanz aufgesucht und sich dort vergnügt. Im Laufe des Abends lernte einer der beiden Männer eine Frau kennen. Gegen Mitternacht anerbot er der Frau, sie nach Hause in den Kanton Zug zu fahren. Die neue Bekanntschaft nahm das Angebot an.

Kurz vor zwei Uhr verliessen die Frau und ihr neuer Begleiter das Kasino. Im Wagen warteten bereits der Kollege und zwei weitere Männer. Die fünf Personen fuhren über die Grenze in die Schweiz. Auf einem abgelegenen Parkplatz an einem Waldrand hielten sie ein erstes Mal an. Ein weiteres Mal stoppten sie auf einem andern Parkplatz.

25 000 Franken Genugtuung

Bei diesen Stops sollen die beiden Männer die Frau aus dem Auto gezerrt und sich an ihr vergangen haben. Ihnen wird vorgeworfen, die Frau vergewaltigt und weitere sexuelle Handlungen gegen den Willen des Opfers vorgenommen zu haben. Kurz nach drei Uhr liessen sie die Frau in Wittenbach gehen. Dort wurde sie wenig später von Anwohner «weinend», «verängstigt» und «aufgelöst» aufgefunden.

Das Kantonsgericht St. Gallen sprach die beiden Männer im April vergangenen Jahres der gemeinsam begangenen, mehrfachen Vergewaltigung und der gemeinsam begangenen, mehrfachen sexuellen Nötigung schuldig und bestrafte sie zu sechs bzw. vier Jahren Freiheitsstrafe. Zudem wurden die beiden Verurteilten verpflichtet, ihrem Opfer Schmerzensgeld von 25 000 Franken zu bezahlen.

Keine überlange Untersuchung

Das Bundesgericht hat die dagegen eingereichten Beschwerden der beiden verurteilten Sexualtäter abgewiesen. Diese hatten insbesondere argumentiert, die sexuellen Handlungen seien einvernehmlich erfolgt und die Verurteilung verstosse gegen den Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten».

Das Bundesgericht erachtete jedoch die Aussagen der Frau, wie zuvor schon das Kantonsgericht St. Gallen, als glaubhafter als jene der beiden Vergewaltiger. Ihre detailreichen, konstanten und in sich stimmigen Schilderungen seien realitätsbegründet, hatte das Kantonsgericht festgestellt. Das Strafmass von vier bzw. sechs Jahren hielten die Richter in Lausanne für angemessen.

Auch der Vorwurf, das Verfahren habe viel zu lange gedauert, liess das Bundesgericht nicht gelten. Zwar sei die Untersuchungsdauer relativ lang gewesen. «Sie ist jedoch nicht als überlang einzustufen, wenn man berücksichtigt, dass es um sehr schwere Tatvorwürfe geht, vier Angeklagte involviert waren, mehrere Auskunftspersonen und Zeugen einvernommen, ein Rechtshilfeersuchen in Deutschland gestellt, ein rechtsmedizinisches Gutachten eingeholt sowie weitere Abklärungen (Blutalkoholbestimmung und so weiter) getätigt wurden», heisst es dazu im Urteil aus Lausanne.

Urteile 6B_401/2012 und 6B_396/2012