Auf Freundin eingestochen

Ein 27jähriger Mann aus der Türkei hat seine ehemalige Freundin mit acht Messerstichen fast getötet. Ihm droht eine Freiheitsstrafe und Verwahrung. Das Urteil des Kreisgerichtes St. Gallen steht noch aus.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Nachdem er mit zehn Jahren in die Schweiz gekommen sei, habe er immer wieder Zeit in Heimen verbracht, erzählte der Beschuldigte an der Gerichtsverhandlung. Vieles sei in seinem Leben schief gelaufen, lange Zeit habe er nichts aus seinen Fehlern gelernt. Nun, drei Jahre nach der Tat, sehe er alles anders. Er wisse, dass er grosse Fehler gemacht habe.

«Rot» gesehen

Den Vorwurf, er habe im Januar 2010 in der Tiefgarage der Shopping Arena in St. Gallen Winkeln achtmal auf seine ehemalige Freundin eingestochen, gab er zu. Er sei aber nicht mit der Absicht nach Winkeln gegangen, ihr etwas anzutun. Er habe lediglich mit ihr reden wollen, weil sie zwar mit ihm Schluss gemacht, aber dennoch immer wieder angerufen habe. Dieses Hin und Her habe er beenden wollen.

Er sei von jemandem bedroht worden, begründete er, weshalb er am Tattag ein Messer auf sich getragen hatte. Als er dann beim Reden im Auto plötzlich einen Fusstritt von ihr ins Gesicht bekommen habe, sah er «Rot» und zog das Messer heraus. Heute sei ihm allerdings klar, dass er anders hätte reagieren müssen. Er hoffe sehr, dass ihm das Gericht nochmals eine Chance gebe.

Verwahrung oder Massnahme?

Der Staatsanwalt forderte für den Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und Verwahrung. Er berief sich dabei auf psychiatrische Gutachten. Der Beschuldigte sei mehrfach vorbestraft und gelte als untherapierbar. Das Risiko, dass er erneut eine Gewalttat begehe, sei hoch.

Der Verteidiger beantragte einen Schuldspruch wegen versuchten Totschlags und eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Das Strafmass sei zugunsten einer stationären Therapie mit offener Dauer auszusetzen. Sein Mandant habe im vorzeitigen Strafvollzug eine positive Entwicklung gemacht. Er zeige Reue, anerkenne seine psychische Krankheit und sei gewillt, an sich zu arbeiten. Bei der Beurteilung der Schwere der Tat müsse berücksichtigt werden, dass er vom Opfer zuvor einen Fusstritt ins Gesicht erhalten habe. Dies habe bei ihm zu einem Blackout geführt.

Das Opfer wurde durch die acht Messerstiche schwer verletzt. Zwei Stiche drangen bis in die Lungenflügel, einer verfehlte die Hauptschlagader am Hals nur sehr knapp. Ihre Mandantin leide noch heute an den Folgen der Tat, erklärte ihre Rechtsvertreterin.

Zwischen dem Opfer und dem Beschuldigten muss seit längerem eine konfliktreiche Beziehung bestanden haben. Laut Anklageschrift kam es bereits 2004 zu Gewaltausbrüchen. Nachdem er aus Eifersucht den Kopf seiner Freundin bis zu ihrer Bewusstlosigkeit an die Wand geschlagen hatte und sie ein anderes Mal mit dem Messer bedrohte, wurde er Mitte 2005 in eine Arbeitserziehungsanstalt eingewiesen. Nach seiner bedingten Entlassung im August 2008 begab er sich in ambulante psychiatrische Behandlung. Das Urteil wird nächste Woche erwartet.

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