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Auf die Ostschweiz kommt ein Lehrermangel zu – Höchstwert an Schülerzahlen für 2025 erwartet

In Zürich und Bern fehlen die Lehrer. In der Ostschweiz ist die Lage entspannter – noch. Denn in den kommenden Jahren wird sich der Lehrermangel deutlich zuspitzen.
Katharina Brenner
In den kommenden Jahren gehen viele Lehrerinnen und Lehrer in Pension. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

In den kommenden Jahren gehen viele Lehrerinnen und Lehrer in Pension. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Die meisten Schulleiter in der Ostschweiz können ohne Personalsorgen in die Sommerferien gehen. Zumindest was unbesetzte Lehrerstellen betrifft. Schulleiter und Schulpräsidenten in Gossau, Arbon, Thal, Rorschach, Sargans, Rapperswil, Uzwil und Kreuzlingen sagen, sie hätten sämtliche freien Stellen vor Ende des Schuljahres besetzt. Einige schieben ein «glücklicherweise» nach. Denn sie wissen: Das ist keine Selbstverständlichkeit. Im Kanton Zürich waren Mitte Juni noch 350 Stellen unbesetzt, im Kanton Bern über 50.

Wie viele es aktuell in der Ostschweiz sind, ist unklar. Bei den Bildungsdepartementen in den beiden Appenzell heisst es, alle Stellen seien besetzt. Im Thurgau und im Kanton St.Gallen hat das Amt für Volksschule jeweils erst zu Beginn des neuen Schuljahres Informationen aus allen Gemeinden vorliegen.

Die Verantwortlichen geben sich nach ersten Rückmeldungen zuversichtlich oder zumindest nicht besorgt. Alexander Kummer, Leiter des St.Galler Amts für Volksschule, sagt:

«Wir gehen nach heutigem Stand von keiner Mangelsituation aus.»

Sein Pendant im Thurgau, Beat Brüllmann, meint: «Aus unserer Wahrnehmung beurteilen wir die Situation als leicht angespannter als in den Vorjahren, jedoch noch nicht besorgniserregend.»

Jubiläen und Kontakte zur Hochschule

Vereinzelt heisst es bei Schulleitern und Schulpräsidenten, die Suche nach Lehrerinnen und Lehrern sei einfacher verlaufen als in vergangenen Jahren. Andere, wie Jutta Röösli, Schulratspräsidentin von Wil, sagen: «Wir konnten alle Stellen besetzen. Es war aber deutlich anspruchsvoller und dauerte länger als in anderen Jahren.»

Ostschweizer Schulen sind kreativ, wenn es darum geht, als attraktive Arbeitgeberin aufzutreten. Das reicht von Anerkennungen bei Jubiläen und runden Geburtstagen wie beispielsweise in Gossau, über Weiterbildungen wie in Rapperswil, bis hin zu aktiven Kontakten mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule wie in St.Margrethen. Und die Schulpräsidenten betonen, wie wichtig eine frühzeitige und vorausschauende Planung sei.

Wenig Erfolg zeigt diese Planung bei Stellen in der schulischen Heilpädagogik. Auf diesem Gebiet herrscht in der Ostschweiz ein akuter Mangel an Lehrpersonen. «Bei den schulischen Heilpädagogen bezeichnen die Schulleitenden die Lage als hoffnungslos», sagt Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz.

Höchstwert an Schülerzahlen wird erwartet

Was den Lehrermangel betrifft, könne er «alles andere als Entwarnung geben – im Gegenteil», sagt Zemp. Die Schweiz steuert auf ein historisches Hoch an Schülerzahlen im Jahr 2025 zu. «Die Pädagogischen Hochschulen bilden aber nur etwa die Hälfte des jährlichen Bedarfs an Lehrpersonen aus».

Daniel Thommen, Co-Präsident Kantonaler Lehrerinnen- und Lehrerverband St.Gallen (Bild: PD)

Daniel Thommen, Co-Präsident Kantonaler Lehrerinnen- und Lehrerverband St.Gallen (Bild: PD)

Die Lage wird sich auch in der Ostschweiz zuspitzen. Daniel Thommen, Co-Präsident des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands St.Gallen, sagt: «Aktuell kann nicht von einem Lehrermangel gesprochen werden, aber er wird auf uns zukommen.» In den nächsten Jahren gehen viele Lehrpersonen in Pension, die Generation der Babyboomer. Viele junge Lehrerinnen und Lehrer würden nach fünf oder sechs Jahren gehen. Die Gründe dafür seien individuell. Raphael Frei, Schulleiter in Waldkirch, bestätigt diese Erfahrung von anderen Schulen. Er nennt den wachsenden Druck, auch von Seiten der Eltern, und zunehmende organisatorische Aufgaben als Gründe. Zudem habe das Renommee des Berufs nachgelassen.

Etwas mehr kleine Pensen als Durchschnitt

Thommen sagt: «Wir müssen die Rahmenbedingungen verbessern und die Politik ein Massnahmenpaket verabschieden.» Dazu gehören für ihn kleinere Klassen, weniger Lektionen und Fördermassnahmen. Viele junge Lehrerinnen würden zudem aus dem Beruf aussteigen, sobald sie Mutter werden. Und in kleinen Pensen wieder einsteigen. In den Ostschweizer Kantonen arbeitet gut ein Drittel der Lehrpersonen auf Primarstufe weniger als 50 Prozent – etwas mehr als im Schweizer Durchschnitt, wie aus dem Bildungsbericht Schweiz hervorgeht.

«Gegen Ende der Sommerferien erhalten wir vermehrt Anfragen von Lehrern aus Deutschland und Österreich, die sich nach offenen Stellen erkundigen», sagt Thommen. Dabei könne es «qualitativ zu grösseren Problemen kommen», wenn es sich um Fachlehrer ohne entsprechende pädagogische Ausbildung handle. Zahlen, auf wie viele in der Ostschweiz das zutrifft, liegen nicht vor.

In Kreuzlingen kommen seit Jahren rund 20 Prozent der Lehrpersonen an der Primar- und Sekundarschule aus Deutschland. Man mache die gleichen Erfahrungen wie mit Schweizern, sagt Schulpräsidentin Seraina Perini Allemann. Die Anerkennung sei klar geregelt, viele Lehrpersonen haben den gleichen Abschluss: Den Studiengang für die Sekundarstufe II bietet die Pädagogische Hochschule Thurgau in Zusammenarbeit mit der Uni Konstanz an.

Pädagogischen Hochschulen erwarten mehr Anmeldungen

An den Pädagogischen Hochschulen St. Gallen (PHSG) und Thurgau (PHTG) werden jährlich über 400 Volksschullehrerinnen und Volksschullehrer diplomiert. Die Mehrheit stammt aus der Ostschweiz und arbeitet später auch hier. Die Gesamtzahl der Studentinnen und Studenten schwankt. An der PHTG stieg sie jahrelang an und erreichte im Jahr 2016 mit 798 Studierenden einen Höchststand. Danach sank die Kurve, 2018 waren es noch 689 Studentinnen und Studenten.

«Die Anmeldezahlen für das Studium mit Start diesen September zeigen in der Tendenz jedoch wieder nach oben», sagt Matthias Fuchs, Prorektor Lehre an der PHTG. An der PHSG waren im vergangenen Jahr 1269 Studentinnen und Studenten eingeschrieben, die Zahl blieb in den vergangenen vier Jahren etwa konstant. Auch die PHSG erwartet aber steigende Anmeldezahlen. Einer der Gründe: «Der Lehrberuf wird, gerade in Zeiten der Digitalisierung, als ‹sicherer› Beruf gewertet», sagt Rektor Horst Biedermann.

Auf die hohe Nachfrage nach Heilpädagogen in der Region hat die PHSG mit einem neuen Angebot reagiert: Neu führt sie jährlich einen Masterstudiengang «Schulische Heilpädagogik» am Standort in Rorschach durch.Der Männeranteil in den pädagogischen Studiengängen in St.Gallen und im Thurgau liegt insgesamt bei rund 25 Prozent, mit steigender Tendenz. (av)

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