Auf den Spuren von Krieg und Flucht

Rund 200 Menschen haben am Ostermontag im Appenzellerland gegen die Unmenschlichkeit des Krieges demonstriert. Im Zentrum stand das Wirken des Rot-Kreuz-Gründers Henry Dunant, der vor 100 Jahren in Heiden starb.

Wolfgang Frey
Drucken
Teilen
Der österliche Demonstrationszug beim Start in Walzenhausen. (Bild: Wolfgang Frey)

Der österliche Demonstrationszug beim Start in Walzenhausen. (Bild: Wolfgang Frey)

Heiden. Die Theologin und Autorin Yvonne Steiner würdigte den Wandel Henry Dunants vom «uneingeschränkten Bewunderer Kaiser Napoleons III» zum überzeugten Pazifisten. «Die Franzosen brachten für ihn die Welt der Zivilisation; dass sie es mit kriegerischen Mitteln taten, störte Dunant zu diesem Zeitpunkt nicht», sagte Steiner am Montag in Heiden, wo Henry Dunant die letzten 23 Jahre seines Lebens verbrachte. Dann wurde der Geschäftsmann aus Genf selbst mit den Schrecken des Krieges konfrontiert.

Schlacht von Solferino

Es war das Schlachtfeld von Solferino. Am Abend des 24. Juni 1859 kam Dunant dort vorbei. Noch immer lagen dort nach den Kämpfen der Truppen Österreichs gegen die von Piemont-Sardinien und Frankreich rund 40 000 Verwundete, Sterbende und Tote. «Er sah das Leiden und er half spontan», sagte Steiner, die an einer Biographie über den Friedensnobelpreisträger arbeitet.

«Das führte ihn zu der Idee der freiwilligen Hilfsgesellschaften für Verwundete im Krieg, dem heutigen Roten Kreuz.» Den Grundstein legte Dunant 1863 in Genf.

In Dunants letzten Jahren traf er mit der Lehrerin und Friedensaktivistin Catharina Sturzenegger zusammen, die ab 1884 die Poststelle in Wolfhalden führte. Wolfhaldens Gemeindepräsident Max Koch enthüllte für Dunants Mitstreiterin eine provisorische Gedenktafel, die nach der Renovation der Fassade an der reformierten Kirche befestigt werden soll.

Auf Flüchtlinge zugehen

Der von rund 30 kirchlichen und friedenspolitischen Organisationen organisierte Pilgerweg «Krieg und Flucht» führte von Walzenhausen über Wolfhalden nach Heiden. Beat Zumstein, Leiter des Durchgangszentrums für Asylsuchende in Wienacht, rief dazu auf, Flüchtlinge auch in der Gegenwart nicht allein zu lassen. «Asylsuchende und Flüchtlinge haben oft ein grosses Bedürfnis, etwas zu leisten, etwas zurückzugeben», sagte er.

Dazu müsse man aber auf sie zugehen, sagte Zumstein: «Machen Sie den Schritt auf Flüchtlinge unter uns zu.»

Aktuelle Nachrichten