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«Auch in Arbon sind IS-Rekrutierer unterwegs»

Alperen A. und sein Freund Serkan T. haben in Arbon unauffällig gelebt, bevor sie in den Heiligen Krieg zogen. Es gebe keine sozialen Brennpunkte, sagt Stadtpräsident Andreas Balg.
Ida Sandl
In dieser Siedlung in Arbon haben die zwei Dschihadisten gewohnt. (Bild: Max Eichenberger)

In dieser Siedlung in Arbon haben die zwei Dschihadisten gewohnt.
(Bild: Max Eichenberger)

Alperen A. sitzt in der Türkei im Gefängnis. Angeblich soll er bald entlassen werden, das bestätigen mehrere Quellen. Serkan T., der Autobomben gebaut hat, wartet in einem Hochsicherheitstrakt im Irak auf seine Hinrichtung. Die Männer, beide 24, waren Freunde. Sie lebten in Arbon, nicht weit voneinander entfernt, haben türkische Wurzeln und sie zogen vor ein paar Jahren in den Heiligen Krieg, um für den Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Mindestens ein weiterer Mann aus der Bodenseestadt soll ebenfalls als Gotteskrieger nach Syrien gereist sein –Namen sind jedoch nicht bekannt.

Für den Arboner Stadtpräsidenten Andreas Balg ist das eine zufällige Häufung. Bei Serkan T. sei Arbon nur einer von mehreren Orten in der Ostschweiz gewesen, in denen seine Familie gelebt habe. Balg sagt:

«Wir haben in der Stadt nicht einmal eine Moschee.»

Arbon habe kein Problem mit Ausländern. Der Anteil der Nicht-Schweizer Bevölkerung beträgt ein Drittel. «Die Arboner sind ausgesprochen fremdenfreundlich.» Das bestätigt auch Jacob Auer, SP-Kantonsrat und Mitglied des Arboner Stadtparlaments. Auer ist in Arbon gut vernetzt. Er sagt: «Es gibt hier keinen sozialen Brennpunkt.»

Der engagierte Gewerkschafter kennt Alperen A. und dessen Familie. Für die sei es ein schwerer Schock gewesen, dass der Sohn sich dem Dschihad angeschlossen habe. «Das sind gut integrierte Menschen.» Auch bei Alperen A. habe es so ausgesehen, als würde er seinen Weg machen, sagt Auer. Der junge Mann habe viel Sport getrieben und eine Lehre angefangen. «Er hätte es schaffen können.» Dann müsse etwas wie eine Gehirnwäsche passiert sein. Dass es bei Alperen A. einen Bruch gab, bestätigen auch ehemalige Arbeitskollegen. Er habe sich auf einmal einen Bart wachsen lassen und viel gebetet, auch während der Arbeit. Dann sei er plötzlich weg gewesen.

Burkas sieht man nicht oft in Arbon

Es passiert selten, dass man in Arbon eine Frau in Burka sieht. Alperen A.’s Gattin, eine junge Konvertitin aus Baden-Württemberg, sei deshalb im Quartier aufgefallen. Es ging durch die Medien, als sie ihm hochschwanger in den Dschihad nachgereist ist. Doch ihre Euphorie hielt nicht lange. Sehr schnell wollte die junge Mutter mit ihrem Baby nur noch weg von den Grauen des Krieges. Mit Hilfe der deutschen Behörden konnten sie und ihr Kind schliesslich aus Syrien ausreisen.

Jetzt trägt sie keine Burka mehr und findet Schritt um Schritt wieder ins westliche Leben zurück. Alperen A.’s Frau soll wieder in Arbon gesehen worden sein Mehrere Personen berichten, dass die Frau wieder in Arbon gesehen worden sei. Allerdings fällt sie ohne Burka nicht mehr so stark auf. Es heisst aber noch nicht, dass sie wieder im Oberthurgau wohnt. Sie könnte auch nur bei den Grosseltern ihres Kindes zu Besuch gewesen sein.

Serkan T. und Alperen A. haben sich gekannt, sie haben in Rorschach dieselbe Moschee besucht. Dabei handle es sich um keine offizielle Moschee, sagt Agim Azizoski, der ehemalige Präsident des mazedonischen Kulturvereins Rorschach. Die Moschee, in der sich die zwei Dschihadisten wohl radikalisiert haben, sei im selben Gebäude untergebracht wie die albanische Moschee, in der Zwischenzeit soll sie jedoch geschlossen worden sein.

Sofort die Polizei geholt

Es gibt Hassprediger, die brauchen nicht einmal eine Moschee. Auer weiss von drei bis vier Rekrutierern, die in der Ostschweiz gezielt junge Männer auf der Strasse oder in Cafés ansprechen würden. Auch in Arbon. Ein Freund von ihm habe beobachtet, wie junge Männer von solchen Rekrutierern heftig bearbeitet worden seien. Daraufhin habe der Freund die Polizei gerufen und die Männer seien recht schnell verschwunden. Dass es solche Einsätze geben soll, ist der Kantonspolizei Thurgau aber nicht bekannt. Man könne das nicht bestätigen, sagt Mario Christen, Mediensprecher der Kapo.

Die beiden Dschihadisten werden im Arboner Stadtrat kaum Anlass zu grossen Diskussionen geben, meint Stadtpräsident Andreas Balg. Es zeige ihm aber wieder einmal, wie wichtig eine gute Integration sei.

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