«Unser Ziel ist, dass er geht»: Auer kritisieren Gemeindepräsidenten in eigens dazu publizierter Zeitung 

In Au kritisiert eine Gruppe den Gemeinderat heftig. Ihr Ziel ist die Abwahl des Gemeindepräsidenten im kommenden Herbst.

Adrian Lemmenmeier
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In einer elfseitigen Zeitung kritisiert die IG Au-Heerbrugg die Arbeit des Gemeinderates scharf. (Bild: Max Tinner)

In einer elfseitigen Zeitung kritisiert die IG Au-Heerbrugg die Arbeit des Gemeinderates scharf. (Bild: Max Tinner)

Ungewöhnliche Post erreichte die Einwohnerinnen und Einwohner der Rheintaler Gemeinde Au am Montag. Sämtliche Haushalte erhielten eine rosafarbene, elf Seiten starke Zeitung mit dem Titel: «Unser Dorf – unsere Verantwortung.» Verfasst hat sie die Interessensgemeinschaft Au-Heerbrugg, ein Gruppen von 13 Personen um den Immobilienunternehmer und ehemaligen FDP-Kantonsrat Daniel Schilling. Die IG kritisiert darin den Auer Gemeinderat, allen voran den Präsidenten Christian Sepin (CVP). Und zwar in harschen Worten. Sepin und «seine Mannschaft» hätten viele Einwohner der Gemeinde brüskiert, «teilweise wird behauptet oder gar gedroht», die Führung der Gemeinde habe «royalistische Formen» angenommen, sie gleiche einer «Demokratur».

Schilling und seine Mitstreiter verfolgen mit der Publikation eine klare Absicht. Sie wollen Gemeindepräsident Sepin aus dem Amt drängen. «Unser Ziel ist, dass er geht», sagt Schilling.

«Und wenn er nicht selber abtritt, muss man ihn abwählen.»

In gut einem Jahr sind Wahlen in den St.Galler Gemeinden. «Die IG wird in den nächsten Wochen darüber entscheiden, ob sie einen Gegenkandidaten aufstellt.»

Zahlreiche Vorwürfe zu Bauprojekten

Daniel Schilling, Immobilienunternehmer

Daniel Schilling, Immobilienunternehmer

Die im Blatt formulierten Vorwürfe betreffen vor allem Bauprojekte. In neun kurzen Artikeln beschweren sich fünf Autoren und eine Autorin über die Arbeit des Gemeinderats. So geht es etwa um die Einführung einer Dreissigerzone in einem Quartier, die wegen «relevanten Verfahrensfehlern» neu geplant werden musste. Oder um eine Sportanlage, über deren Kosten die Bevölkerung nicht informiert worden sei.

Oder um Bauarbeiten, welche die Gemeinde auf dem Grundstück eines Einwohners begonnen habe, ohne diesen überhaupt darüber zu informieren. Auch toleriere die Gemeinde widerrechtlich den Betrieb der Moschee in Heerbrugg, schreibt die IG. Diese dürfe gemäss eines Entscheides des kantonalen Baudepartements nicht regelmässig Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern durchführen, halte sich aber nicht daran. «Eine Prüfung der Besucherzahlen hat die Gemeinde nie eingeleitet.»

Vor fünf Jahren mit Glanzresultat gewählt

Mit solchen Beispielen will die IG um Schilling die Bevölkerung dafür «sensibilisieren», was in der Gemeinde Au alles schief laufe. Schilling hat Sepin bereits in mehreren Leserbriefen im «Rheintaler» attackiert. Was motiviert ihn? «Ich war vor fünf Jahren massgeblich daran beteiligt, dass Christian Sepin gewählt wurde.» Damals habe eine überparteiliche Findungskommission zwei Kandidaten für die Nachfolge des abtretenden Gemeindepräsidenten vorgeschlagen.

Mit diesem Vorschlag wollten sich Schilling und drei Mitstreiter allerdings nicht zufriedengeben. «Deshalb haben wir einen Gegenkandidaten gesucht.» Da die favorisierte Person eine Absage erteilte, ging man auf Christian Sepin zu, der damals Schulpräsident und Gemeinderat in Diepoldsau war. Sepin kandidierte und wurde prompt mit einem Glanzresultat gewählt. Schilling sagt weiter: 

«Leider musste ich inzwischen feststellen, dass ich und meine Mitstreiter uns massiv in der Person Christian Sepin getäuscht haben.»

Er fühle sich deshalb in der Verantwortung, diesen Fehler zu korrigieren. «Zum Wohle der Gemeinde», wie er sagt.

Weitere Exemplare der Zeitung der IG seien in Planung; Geschichten über Missstände in der Gemeinde gebe es genügend. Schilling betont, dass es bei der Angelegenheit nicht um eine persönliche Sache zwischen ihm und Sepin gehe. Und die IG wolle weder Fake News verbreiten noch Populismus betreiben.

Gemeindepräsident äussert sich nicht

Christian Sepin, Gemeindepräsident Au

Christian Sepin, Gemeindepräsident Au

Gemeindepräsident Christian Sepin will zu den einzelnen Vorwürfen der IG Au-Heerbrugg keine Stellung nehmen. Nur so viel: «Ich würde in allen Fällen wieder genauso entscheiden.» Grundsätzlich dürfe sich jeder seine eigene Meinung bilden und diese auch äussern, so Sepin. Die Art, wie diese Kritik geäussert worden sei, habe ihn aber «schon sehr überrascht».

Er mache seine Arbeit sehr gern, sagt Sepin. «Und ich erhalte auch mehrheitlich gute Rückmeldungen aus der Bevölkerung.» Er habe nie auf eine Wiederwahl hingearbeitet, sondern sich darauf konzentriert, gute Arbeit zu leisten. Daran änderten auch die Publikationen der IG nichts.

Die Zeitung füllt die Mehrzweckhalle

Am selben Tag, als die Zeitschrift der IG in die Haushalte flatterte, fand im Auer Werkhof eine öffentliche Veranstaltung statt. Wie jedes Jahr informierten sämtliche Korporationen aus Au und Heerbrugg ein halbes Jahr vor der Bürgerversammlung über aktuelle Themen. Die strittige Morgenpost dürfte viele spontane Gäste angelockt haben, war doch der Saal gemäss Gemeindepräsident Sepin doppelt so gut gefüllt wie üblich.

Wie der «Rheintaler» schreibt, blieb die erwartete Fragewelle zu Vorwürfen der IG allerdings weitgehend aus. Ein Besucher fasste es so zusammen: «Entweder sind alle zufrieden, oder sie schimpfen irgendwo sonst.»