Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ATTRAKTION: Wie schwierig ist Kuhreiten?

Das Kuhrennen auf der Alp Tannenboden am Flumserberg zieht Scharen von Schaulustigen an. Ein exklusives Probereiten für Laien vier Tage vor dem Anlass.
Martin Rechsteiner
Für das Kuhrennen war vergangenes Jahr sogar das chinesische Staatsfernsehen anwesend, sagen die Veranstalter. (Bild: Martin Rechsteiner)

Für das Kuhrennen war vergangenes Jahr sogar das chinesische Staatsfernsehen anwesend, sagen die Veranstalter. (Bild: Martin Rechsteiner)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@tagblatt.ch

«Der Reiter auf der Kuh ist machtlos. Das Tier macht, was es will. Wenn es in eine Richtung rennt, dann rennt es.» Das sagt René Kurath, Veranstalter des Kuhrennens und Besitzer der Renntiere. Unter den Anwesenden breitet sich ein leicht mul­miges Gefühl aus. Die meisten ­jedoch kaschieren es mit einem Lachen. Am Flumserberg ist Probe-Reittag. Wer hier ist, darf Kuhreiten. Die Mehrheit tut dies zum ersten Mal.

Hier stehen sie: Eliane, Aisha, Opalma und Aurora. Die vier Kühe sind herausgeputzt für das Rennen, tragen Kopfschmuck. Vier Mal glänzendes Fell in der strahlenden Herbstsonne. Vier Mal elegantes, gehörntes Reittier – wenn man davon absieht, dass dem einen oder anderen ab und zu ein Kuhfladen entwischt. Und vier Mal 650 Kilogramm pure Gutmütigkeit und Sanftmut – so scheint es auf jeden Fall. Denn die Kühe scheinen plötzlich zu merken, dass das Rennen kurz bevorsteht. Sie stossen einander mit den Köpfen, Eliane wird störrisch. Nur mit kräftigem Zerren und Stossen lässt sie sich von Besitzer Kurath an die Startlinie bewegen.

Sattel gibt es keinen

Nun der grosse Moment für die Reiter. Sie betreten die Renn­wiese. Alle versuchen, nicht in die Hinterlassenschaften der Kühe zu treten – René Kurath, der den Reitern per Räuberleiter auf den Kuhrücken hilft, dankt es ihnen mit Sicherheit. Bis alle richtig sitzen, dauert es eine Weile. Sattel gibt es keinen. Die Rennkuh trägt aber ein Geschirr mit Griffen um Brust und Hals. «Warm ist es hier oben», sagt einer. «Exakt 38,5 Grad», antwortet Kurath – «Hat die Kuh Fieber?» – «Nein, das ist deren normale Körpertemperatur.» «Ich hätte nicht gedacht, dass eine Kuh so kantig und knochig ist», bemerkt eine Reiterin. In der Tat fallen beim genaueren Betrachten des Kuhrückens die Schulterblätter, das Becken und die Wirbelsäule auf, über die sich das braune Fell nur dünn spannt.

Die Kühe stehen in einer Reihe, es kann losgehen. Unter lauten «Allez-Hop-Rufen» schickt Kurath seine Lieblinge ins Rennen. Obenauf die Reiter. Die wenigstens rechnen mit einem derart ruckartigen Start, versuchen, sich irgendwie festzuklammern. Schnell mischen sich Kuraths Rufe mit dem Lachen, Schreien und Kreischen der Reiterschaft. Alle halten sich aber tapfer auf den Rücken ihrer Tiere.

Rennkuh Aisha scheint die Lust am Rennen derweil vergangen, sie bleibt stehen und wendet sich einem saftigen Grasbüschel zu. Weder die Reiterin noch Kuhflüsterer Kurath vermögen sie ins Rennen zurückzuschicken. Gemächlich erreicht sie das Ziel als Letzte. «Kann passieren. Die Kuh macht, was sie will», sagt Kurath mit einem Schulter­zucken. Macht nichts. War ja auch erst das Training. Am Sonntag gilt es ernst. Elf Kuhreiter werden erwartet, alle aus der Region Flumserberg. Das Publikum darf auf die Tiere wetten. Das ist Teil des Chäsmarkts, der dieses Jahr zum 19. Mal stattfindet. Es gibt Kühe, Käse und Kunstwerke, kreiert mit Kettensägen.

Hinweis

Der Alpchäsmarkt Flumserberg findet am Sonntag, 22. Oktober, auf der Alp Tannenboden statt. Das Kuhrennen ist um 15 Uhr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.