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ATTENTAT: Luxor forderte St.Galler Opfer

Heute vor 20 Jahren verübten bewaffnete Islamisten im Hatschepsut-Tempel bei Luxor ein Massaker. Der Bluttat fielen 36 Schweizer zum Opfer, darunter eine St.Galler Familie.
Christoph Zweili
Im kollektiven Gedächtnis der Schweiz: Der «Blick» färbte die Wasserlache vor dem Hatschepsut-Tempel rot ein. (Bild: MOHAMED EL-DAKHAKHNY (AP))

Im kollektiven Gedächtnis der Schweiz: Der «Blick» färbte die Wasserlache vor dem Hatschepsut-Tempel rot ein. (Bild: MOHAMED EL-DAKHAKHNY (AP))

«In den Ferien in Luxor durch brutale Mörderhand aus dem Leben gerissen», steht in der Todesanzeige im St.Galler Tagblatt vom 25. November 1997 – neun Tage nach der Bluttat. Der Seniorchef eines St.Galler Dentallabors (66), seine Frau (62) und ihre Tochter (33) hatten das 45-minütige Massaker nicht überlebt. Unter den 36 Schweizer Opfern war auch eine Frau aus Ganterschwil.

Zwanzig Jahre ist es her, seit am 17. November 1997 am frühen Montagmorgen im Hatschepsut-Tempel im Tal der Könige 62 Menschen eines gewaltsamen Todes starben. Bewaffnete Anhänger der islamistischen Jamaa al-Islamiya griffen Touristen an mit dem Ziel, so viele wie möglich zu töten und die damalige ägyptische Regierung zu schwächen. Wer die Zeit erlebte, wird die Bilder noch immer vor dem geistigen Auge haben: In einem Hangar am Flughafen Zürich, umgeben von Flugzeugen der damaligen Swissair, waren die Särge der Menschen aufgereiht, die beim Massaker von Luxor das Leben verloren hatten. Dass es vor allem Reisende aus der Schweiz getroffen hatte, war Zufall. Der Anschlag hatte sich nicht gegen ein bestimmtes Land gerichtet.

Ereignis unterschiedlich verarbeitet

Die ersten Touristengruppen am Tempel – Frühaufsteher, unterwegs mit Hotelplan, Imholz und Kuoni – stammten mehrheitlich aus der Schweiz. Nur eine Reisegruppe hatte keine Opfer zu beklagen, weil sie von den Terroristen übersehen wird. Die übrigen Todesopfer kamen aus Japan, Deutschland, Grossbritannien und Ägypten. Der «Blick» schrieb von «einem Land wie im Krieg», geriet dann später aber selber ins Zwielicht, weil er – um die Dramatik zu verstärken – das Bild der Bildagentur AP nachbearbeitete und eine Wasserlache blutrot einfärbte.

Wie haben Betroffene das Ereignis verarbeitet? Der Schweizer Journalist und Augenzeuge Felix E. Müller, der frühere Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», etwa schrieb seine Eindrücke 1998 in der Publikation «Massaker in Luxor: Augenzeugenbericht und Analyse» nieder. Heute spricht er vom «markierten Auftakt zu einer globalen islamistischen Gewaltkampagne gegen Zivilisten», die bis heute anhalte.

Der Paar- und Familientherapeut Peter Fässler-Weibel aus Winterthur hatte im November 1997 die Repatriierung der Überlebenden aus Luxor geleitet. Im Frühling 1998 trat er mit einer Gruppe von Betroffenen eine Reise nach Luxor an, damit die Opfer das Trauma besser überwinden können.
Bei den Angehörigen in St.Gallen sind die Gefühle auch 20 Jahre nach der Bluttat noch derart gross, dass sie nicht mit den Medien sprechen wollen.

Opfer und Angehörige kämpfen um Genugtuung

Ein Teil der Überlebenden und die Angehörigen der Toten erhielten nach ihrer Rückkehr Soforthilfe von den Reiseunternehmen, die sich aber später gegen jede juristische Haftung für die Folgen des Massakers wehrten. Andere Überlebende wurden aber schlicht vergessen, oder fühlten sich von der offiziellen Schweiz billig abgespeist, nachdem klar war, dass Ägypten nichts zahlen wollte. Opferhilfestellen wurden in manchen Fällen aus Gründen des Datenschutzes die Namen der Betroffenen nicht mitgeteilt. Der Sarganserländer Jurist Luzius Mader, damals Vizedirektor im Bundesamt für Justiz, lud die Überlebenden und Angehörigen der Opfer nach Bern zu einem Treffen ein: Er löste einige Sofortzahlungen für dringende Fälle aus Bundesmitteln aus und versuchte, die verschiedenen kantonalen Opferhilfestellen zu koordinieren.

Eine Frau aus der Ostschweiz, die beim Anschlag zusammen mit ihrer Tochter verwundet worden war, zeigte sich bitter enttäuscht. Die Nachfrage nach der versprochenen Hilfe quittierte sie 1998 gegenüber der Nachrichtenagentur AP mit einem bitteren Lachen. Die Opferhilfestelle habe ihr 500 Franken Soforthilfe angeboten und den Rat erteilt, sich damit einen Anwalt zu nehmen. Ausser der Bundespolizei habe sich von der offiziellen Schweiz niemand mehr gemeldet, sagte die Frau.

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