Cyberangriff
«Wir hoffen, dass keine Daten entwendet wurden»: Wiler Firma von Hacker angegriffen, Homepages von St.Galler Behörden lahmgelegt

Die Websites des Kantons und der Stadt St.Gallen konnten am Donnerstag nicht aufgerufen werden. Die Hosting-Firma in Wil wurde Opfer einer Cyberattacke. Sie hat ihre Websites präventiv offline gesetzt.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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Die Websites des Kantons und der Stadt St.Gallen reagierten am Donnerstag nicht.

Die Websites des Kantons und der Stadt St.Gallen reagierten am Donnerstag nicht.

Bild: Fotolia

«This page can’t be reached.» Wer an diesem Donnerstag die Websites von Kanton und Stadt St.Gallen besuchen will, stösst auf eine Fehlermeldung. Ebenso wenig erreichbar sind die Internetseiten der St.Galler Stadtwerke und der Verkehrsbetriebe. Grund ist ein Cyberangriff, wie Kanton und Stadt mitteilen. Die Firma, über deren Rechner die Websites der Behörden laufen, wurde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Opfer einer Hackerattacke. Sie hat deshalb alle von ihr gehosteten Seiten vom Netz genommen.

Über Twitter informiert der Kanton am Donnerstag laufend über den Stand der Dinge. Fachleute seien daran, das Ausmass des Angriffs zu eruieren, heisst es. «Die Hostfirma rechnet damit, die Websites in den nächsten Stunden wieder zugänglich machen zu können», schreibt er Kanton um 14.30 Uhr. Nach 19 Uhr sind die Behördenwebsites immer noch lahmgelegt.

Ob Daten entwendet wurden, ist noch unklar

Die betroffene Firma heisst Online Consulting AG, erbringt laut Handelsregister EDV- und Hostingdienstleistungen und hat ihren Sitz in Wil. Wenig überraschend reagiert auch ihre Website am Donnerstag nicht, auch ist das Telefon tot. Am späten Nachmittag antwortet CEO Balz Zürrer auf eine Anfrage per E-Mail:

«Ein unbekannter Angreifer hat seit gestern Abend versucht, die Kontrolle über unser Netzwerk in Wil zu übernehmen.»

Man habe den Angriff aber «glücklicherweise früh erkannt und im Laufe der Nacht zusammen mit einem externen Spezialisten abwehren können», schreibt der Unternehmer. Seither seien keine Aktivitäten von Hackern mehr erkannt worden. Doch welchen Schaden haben die Angreifer angerichtet? Wurden Kundendaten gestohlen? Welcher Art? Und wie viele? «Das wird noch überprüft», schreibt Zürrer. «Wir hoffen, dass durch das frühzeitige Erkennen keine Daten entwendet werden konnten.»

Inwiefern könnten die Behörden von einem möglichen Diebstahl betroffen sein? Thomas Zuberbühler, Kommunikationsverantwortlicher beim Kanton St.Gallen, sagt, die Firma sei angegriffen worden, nicht etwa das IT-Netzwerk der Behörden.

Thomas Zuberbühler, Kommunikationsverantwortlicher Kanton St.Gallen

Thomas Zuberbühler, Kommunikationsverantwortlicher Kanton St.Gallen

Reto Togni Pogliorini
«Sensible Daten, wie zum Beispiel Steuerdaten, sind von einem solchen Angriff nicht betroffen.»

Unbekannten Hacker angezeigt

Vorsichtshalber habe man sämtliche Kundensysteme in der Nacht auf Donnerstag deaktiviert, schreibt Online-Consulting-Chef Zürrer. «Dies sind eine Vielzahl von E-Commerce Lösungen, Kundenportalen und Websites.» Man überprüfe nun die Sicherheit und starte erste Kundensysteme wieder. Er gehe davon aus, dass die ersten Systeme am Abend wieder in Betrieb genommen werden, sagt Zürrer.

Um 17.19 Uhr schreibt der Kanton auf Twitter: «Die Website des Kantons wurde beim Cyberangriff auf die Hostingfirma nicht beschädigt. Sobald die Sicherheitsmassnahmen ausgeführt sind, sollte unsere Seite also wieder vollständig erreichbar sein. Wir entschuldigen uns für die daraus entstandenen Umstände.»

Reiserückkehrer können sich per Telefon registrieren

Wegen des Ausfalls von www.sg.ch ist eine Online-Registration für Reiserückkehrer derzeit nicht möglich. Sie können sich deshalb über die Coronainfoline (058 229 22 33) telefonisch registrieren.

Die Kantonspolizei St.Gallen, deren Website wegen des Cyberangriffs am frühen Abend ebenfalls nicht zu erreichen ist, wurde umgehend über den Hackerangriff in Kenntnis gesetzt, wie Sprecher Florian Schneider sagt. «Wir wurden informiert und werden in nächster Zeit eine Anzeige in dieser Angelegenheit entgegennehmen.» Die Cyberspezialisten der Kantonspolizei werden dann versuchen, herauszufinden, wer hinter dem Angriff steckt.

Stadt und Kanton sind telefonisch erreichbar

Die städtische Verwaltung ist weiterhin per E-Mail unter info@stadt.sg.ch und per Telefon +41 71 224 51 21 sowie über die sozialen Medien (www.twitter.com/sanktgallen und www.facebook.com/stadtsg) erreichbar.

Die wichtigsten Nummern des Kantons lauten:

  • Telefonzentrale: 058 229 31 11
  • Coronainfoline: 058 229 22 33
  • Notfallnummer der Kantonspolizei: 117

Seit Freitagmorgen sind die Homepages der Behörden wieder online. Die regelmässigen Updates auf dem kantonalen Twitter-Kanal werden beendet. Falls entgegen der Erwartungen erneute Störungen auftreten, werde der Kanton auf diesem Kanal wieder aktiv kommunizieren, heisst es in der Mitteilung des Kantons St.Gallen.