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Günstiger Asphalt aus Deutschland erhitzt Gemüter im Thurgau

Ein deutsches Bauunternehmen verhilft dem Kanton Thurgau zu günstigen Strassen. Thurgauer Mischgutwerke verlieren Absatz. Ein SVP-Kantonsrat macht sich für die eingesessenen Strassenbauer stark.
Thomas Wunderlin
Die Convia AG saniert die General-Weber-Strasse in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Die Convia AG saniert die General-Weber-Strasse in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Auf ihrer Website verleugnet die Convia Bau AG in Bürglen ihre deutsche Mutter. Umgekehrt macht die J. Friedrich Storz GmbH & Co. KG in Tuttlingen kein Geheimnis aus der Beziehung: Sie führt Bürglen als einen ihrer 13 Standorte auf, der einzige ausserhalb Baden-Württembergs. Die Diskretion der Convia dürfte mit den Klagen der Konkurrenz zu tun haben. Nach deren Meinung profitiert Convia von den erleichterten Bedingungen, unter denen in Deutschland Asphalt hergestellt wird.

Unter der Führung von Max Koller, einem ehemaligen Geschäftsführer der Frauenfelder Cellere AG, macht die Convia seit ihrer Gründung 2008 dem ­runden Dutzend eingesessener Thurgauer Strassenbauer das Leben schwer. Mittlerweile verfügt sie über Zweigniederlassungen in Frauenfeld, Kreuzlingen und Oberaach. Heute beschäftigt sie laut Koller über 50 Mitarbeiter. Stimmen aus der Branche, dass Storz andere Thurgauer Strassenbauer nicht beliefere, widerspricht Convia-Geschäftsführer Koller: «Andere könnten auch bei Storz beziehen, sie haben noch nie angefragt.»

Auftragssumme von 7,2 Millionen Franken

Der Kanton hat der Convia dieses Jahr neun Aufträge über 100000 Franken erteilt, die öffentlich ausgeschrieben werden müssen. Die Auftragssumme beträgt laut Andy Heller, Chef des Tiefbauamts, 7,2 Millionen Franken. Das entspricht 35 Prozent aller vom Kanton in diesem Bereich vergebenen Aufträge. Die letzten drei Jahre zusammengerechnet lag der Anteil der Convia bei 28 Prozent. Dazu kommt der Marktanteil bei Gemeindestrassen, wozu Heller keine Zahlen hat.

Für Strassenbauer ist der Preis entscheidend, für den sie sich Asphalt beschaffen können. Denn im Strassenbau entfallen etwa 80 Prozent der Kosten aufs Material. Die Storz-Mischanlage befindet sich in Welschingen ­zwischen Engen und Singen – 40 Kilometer von der Grenze bei Kreuzlingen entfernt. Die andern Thurgauer Strassenbauer beziehen in der Regel den Asphalt von den Mischgutwerken in Weiningen und Bürglen, die ihnen gemeinsam gehören. Sie wurden von der Baustoffe Holding Thur AG (BHT) geführt, bis diese letztes Jahr liquidiert wurde. Seither gehören sie zur Moag Baustoffe Holding mit Hauptsitz in Mörschwil. Die Moag beliefert den Thurgau je nach Distanz auch von Mörschwil und Uzwil aus.

Konkurrenz verhindert Preisabsprachen

Gemeinsame Mischgutwerke ­erleichtern es der Baubranche, Preisabsprachen zu treffen, sagte der abtretende Direktor der eidgenössischen Wettbewerbskommission, Rafael Corazza, gegenüber dieser Zeitung (Ausgabe vom 26. Juli). Im Thurgau wäre eine Preisabsprache nach Unterengadiner Muster dank der deutschen Konkurrenz schwierig.

Umstritten ist, wie gross der Preisunterschied zwischen deutschem und schweizerischem Asphalt ist. Ein BHT-Geschäftsführer bezifferte ihn 2013 auf 40 Franken pro Tonne ab Werk. Der Unterschied ist markant, denn Asphalt kostet je nach Qualität zwischen 50 und 190 Franken pro Tonne. Laut einem Thurgauer Bauunternehmer ist der Preisunterschied inzwischen kleiner geworden. Die Convia profitiere aber auch von tieferen deutschen Transportkosten. Irgendwann werde der Thurgau keine Kieswerke und Belagsanlagen mehr haben, «mit gütiger Mithilfe des Tiefbauamts», das nur auf den Preis schaue. Die Wertschöpfung im Thurgau zähle nichts.

Der Vorstoss der Convia hat schon mehrfach zu Vorstössen im Kantonsparlament geführt. Zuletzt forderte der Oberneunforner SVP-Kantonsrat Paul Koch am 27. Juni das Bau­departement auf, nicht nur Baufirmen zu berücksichtigen, die deutschen Asphalt verwenden. Koch hofft, er werde mit seinem Vorstoss ebenso Erfolg haben wie im vergangenen Jahr, als er sich gegen die Verwendung chinesischer Steine eingesetzt habe.

Laut Moag-Geschäftsführer Markus Blum verwendet die Moag 50 bis 60 Prozent Recyclingmaterial, Storz nur 20 bis 30 Prozent. Blum zeigt sich überzeugt, dass es sowohl ökologisch wie auch preislich keinen Sinn ­ergebe, nach Singen zu fahren. Doch die Convia hole fast allen Asphalt dort. Der Thurgau gewichte Ökologie offenbar nicht hoch.

Für Ökologie fehlt ein einfacher Indikator

«Das stimmt», sagt der Chef des Tiefbauamts, Andy Heller. «Wie soll man sie denn bewerten? Ich habe noch keinen Indikator dafür gefunden, auch kein Bauunternehmer hat mir einen einfachen und praktikablen vorgeschlagen.» Für die ökologische Bewertung müsste man weitere Faktoren einbeziehen, etwa wohin der Aushub gebracht werde, wo das einzubauende Material herkommt und wie es produziert oder abgebaut werde. Der Kanton müsste bei jedem Objekt eine umfangreiche Ökobilanz verlangen, sagt Heller. Das würde einen Aufschrei der Anbieter auslösen, die sich gegen noch mehr Formalismus wehren würden.

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