Spitalstrategie der St.Galler Regierung: Freipraktizierende Ärzte fühlen sich übergangen

Die freipraktizierenden Ärztinnen und Ärzte wollen bei der ambulanten Versorgungsstrategie der Regierung mitreden können. Das fordert die St.Galler Ärztegesellschaft.

Regula Weik
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Die niedergelassenen Ärzte wollen bei der künftigen Gesundheitsversorgung mitreden.

Die niedergelassenen Ärzte wollen bei der künftigen Gesundheitsversorgung mitreden.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Die Ärztegesellschaft geht mit der Regierung einig: Die öffentlichen Spitäler im Kanton müssen neu aufgestellt werden. Eine strategische Neuausrichtung tut not. Bloss: Darüber, wie die Regierung diese plant, schütteln die St.Galler Ärztinnen und Ärzte nur den Kopf. Sie lehnen die künftige Spitalstrategie der Regierung ganz klar ab: «So nicht!» Was ihnen fehlt: Bevor über eine neue Strategie diskutiert und entschieden werde, müssten die unterschiedlichen Rollen und Aufgaben der öffentlichen und privaten Spitäler geklärt werden. Aber auch jene der freipraktizierenden Ärzte.

Ziel der neuen Spitalstrategie müsse sein: allen Menschen in diesem Kanton eine qualitativ hochstehende medizinische Versorgung zu bieten. «Mit wie vielen Spitälern dies geleistet werden kann, soll nochmals vertieft diskutiert werden», so die Ärztegesellschaft. Dabei müssten alle Regionen gleich kritisch begutachtet und nach denselben Vorgaben bewertet werden. Medizinische Angebote dürften nicht durch eine «eindimensionale, ökonomische Brille» allein betrachtet werden. Die Ärzte zweifeln darüber hinaus an der geplanten zeitlichen Umsetzung. Diese sei «unrealistisch». Sie befürchten, dass einzelne Abteilungen oder ganze Spitäler geschlossen werden, bevor andernorts die notwendigen Kapazitäten aufgebaut sind. «Es drohen Engpässe in der Gesundheitsversorgung», so die Ärzte.

Kein «Ausbluten» der Landspitäler

Für die Ärztegesellschaft ist unbestritten: Die Ostschweiz braucht ein starkes Zentrumsspital St.Gallen. Aus ländlicher Sicht bestehe aber der Eindruck, die Landspitäler sollten nun auf Kosten des Zentrumsspitals «über die Klinge springen» und möglichst schnell «ausbluten».Die von der Regierung geplanten Gesundheits- und Notfallzentren lehnt die Ärztegesellschaft ab. Sie seien derart minimalistisch ausgestattet, dass sie weder die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllen, noch wirtschaftlich betrieben werden könnten. Die künftigen ambulanten Versorgungsstrukturen sollten Spitäler und niedergelassene Ärzte gemeinsam entwickeln.

Das ist aus Sicht der Ärzte notwendig

Die Ärztegesellschaft hat sieben Voraussetzungen für die künftige medizinische Versorgung des Kantons definiert:

  • Die bestehenden Spitäler erhöhen ihre Fallzahlen und ihre Versorgungsqualität.
  • Um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, muss das Gesundheitsdepartement die Praxiszulassungen mit den jeweiligen Regionalvereinen der Ärztegesellschaft planen und auch genügend Spezialisten zulassen.
  • Für die Absolventinnen und Absolventen des Medical Masters muss es genügend Ausbildungsstellen geben.
  • Die Patienten haben freien Zugang zu einer adäquaten Versorgung; diese stellen die niedergelassene Ärzteschaft und die Spitäler sicher.
  • Die primäre Versorgung erfolgt in der Regel ambulant in einer Praxis (Hausärzte, Spezialisten).
  • Zwischen den freipraktizierenden Ärzten und den Spitälern sind unterschiedlichste Kooperationsformen möglich.
  • Der Notfalldienst bleibt in der Verantwortung der Ärzteschaft und wird, wo sinnvoll, unter Mitwirkung der Spitäler neu aufgestellt.