Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ARTENVIELFALT: Die Goldschrecke mag es kalt

Sie liebt das raue Klima auf 2000 Metern Höhe und kommt weltweit nur auf einigen ­Churfirstengipfeln vor. Die Goldschrecke gehört zu den wertvollsten Tierarten im Kanton St. Gallen.
Ursula Wegstein

Ursula Wegstein

ostschweiz@tagblatt.ch

Botanisch gehört der Kanton St. Gallen zu den reichhaltigsten Gebieten der Schweiz. Die Pflanzenvielfalt ist in den Regionen Werdenberg und Sarganserland so gross wie fast nirgendwo sonst im nationalen Vergleich. Mit 1400 Arten verzeichnet die Region Buchs die höchste Anzahl. Die Gründe für diesen besonderen Reichtum liegen gemäss der «Biodiversitätsstudie St. Gallen 2018–2025» in der topografischen, klimatischen und erdgeschicht­lichen Vielfalt, kombiniert mit der Vielfalt von landwirtschaft­lichen Nutzungsformen über viele Generationen. Für eine beträchtliche Anzahl von Arten trägt der Kanton St. Gallen daher eine besondere Verantwortung.

Dazu gehört auch die Schweizer Goldschrecke, die weltweit ausschliesslich auf dem Gamser- und dem Chäserrugg und einigen weiteren Gipfeln des Churfirstengebiets vorkommt, weil sie nicht fliegen kann. Diese erst 1987 entdeckte Heuschreckenart hat in den Churfirsten die Eiszeit überlebt. Sie mag es kalt und sie tarnt sich ­gerne. Die seltene «Podismopsis keisti» ist nach ihrem Entdecker, dem Arzt und Hobbyforscher Bruno Keist aus ­Ebnat-Kappel benannt. Sie gehört zu den verschieden­farbigsten Arten unter den Heuschrecken: Die Männchen sind von graubrauner Grundfarbe, die Weibchen schillern von rostbraun über kupferrot bis zu Grün- und Gelbtönen. Verwandte Arten leben in den Karpaten und in ­Mazedonien. Auch einen Käfer (Nebria heeri) gibt es laut der Biodiversitätsstrategie weltweit nur im Kanton St. Gallen. Wichtige Refugien für national gefährdete Pflanzenarten befinden sich besonders zwischen Sargans und Grabs. Ein grosser Bestand an Tagfaltern findet sich in den Flach- und Hochmooren der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Während in der übrigen Schweiz nur wenige «Grosse Wiesenvögelchen» anzutreffen sind, gibt es dort noch Populationen mit über 900 Indivi­duen.

Im Rheintal findet sich die schweizweit zweitgrösste Population der Bachmuschel, einer vom Aussterben bedrohten Grossmuschel. Auch die Anzahl der Feldhasen ist im St. Galler Rheintal hoch.

Hälfte der Lebensräume ist gefährdet

Trotz dieser beeindruckenden Vielfalt an Lebensformen auf kleiner Fläche zeigt die kanto­nale Situationsanalyse von 2016 alles andere als ein rosiges Bild: Fast die Hälfte aller Lebensräume gilt als gefährdet. Diverse Arten werden seltener, es geht laufend genetische Vielfalt verloren. Im Flachland verschwinden immer mehr Pflanzenarten. Rund 14 Fran­ken je Einwohner gab der Kanton St. Gallen zusammen mit den Gemeinden bisher jährlich für die Erhaltung der Biodiversität aus. Weitere 67 Franken pro Kopf und Jahr investierte zusätzlich der Bund. Die Umsetzung der Massnahmen kostet den Kanton 1.30 Franken zusätzlich pro Einwohner und Jahr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.