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Armut trifft immer mehr Junge in der Ostschweiz

Die Zahl der Armutsbetroffenen steigt. Die Caritas St.Gallen-Appenzell berät vermehrt junge Menschen unter 30, die keine Ausbildung haben. Gravierende Folgen zeigen die steigenden Krankenkassenprämien.
Adrian Vögele
Manche Familien leben in Armut, weil die Eltern für Tieflöhne arbeiten und zusätzlich die Kinderbetreuung finanzieren müssen. (KEYSTONE/Christof Schuerpf)

Manche Familien leben in Armut, weil die Eltern für Tieflöhne arbeiten und zusätzlich die Kinderbetreuung finanzieren müssen. (KEYSTONE/Christof Schuerpf)

Schätzungsweise 43'000 Menschen im Kanton St.Gallen und beiden Appenzell leben in Armut – und es werden mehr. Darunter sind Working-Poor-Familien, Arbeitslose, Alleinerziehende, Personen mit Gesundheitsproblemen. Die Zahl der Beratungen bei der Caritas St.Gallen-Appenzell steigt (siehe Grafik). Im vergangenen Jahr hat die Organisation mit 466 Haushalten Gespräche geführt und 230'000 Franken an finanzieller Überbrückungshilfe geleistet, wie es im aktuellen Fachbericht heisst.

Die grösste Klientengruppe in der Sozialberatung sind junge Erwachsene im Alter zwischen 26 und 30 Jahren. Sie haben oft keine Ausbildung absolviert und arbeiten für Tieflöhne, etwa in der Gastronomie oder im Detailhandel. Vermehrt melden sich junge Frauen, die sehr wenig verdienen und zusätzlich die Kinderbetreuung finanzieren müssen.

In der Schuldenberatung sind die Zahlen zwar leicht rückläufig. Doch die Caritas warnt: Bei den 18- bis 30-Jährigen nehme das Problem zu. Anders als in der Sozialberatung sind in der Schuldenberatung mehr Männer als Frauen anzutreffen. Das liege nicht etwa daran, dass Männer mehr Schulden machen, schreibt die Caritas. «Vielmehr sind sie meistens der Hauptverdiener der Familie und werden von den Gläubigern als die lohngenerierende Person betrieben.»

Scharfe Kritik an der «Schwarzen Liste»

Besorgniserregend sind laut der Caritas die Auswirkungen der steigenden Krankenkassenprämien. In den Beratungen zeige sich immer öfter, dass Familien für Krankenkasse und Miete zwei Drittel ihres Einkommens ausgeben müssten. Andere könnten die Prämien überhaupt nicht mehr bezahlen, weil das Geld kaum zum Überleben reiche.

In St.Gallen haben zudem politische Entscheide die Lage verschärft, wie die Caritas schreibt: Immer weniger Personen erhalten Prämienverbilligungen. Seit 2015 gibt es zudem die «Schwarze Liste» der säumigen Prämienzahler. Derzeit sind über 4000 Personen auf der Liste aufgeführt. Sie erhalten nur noch die dringendsten Notfallbehandlungen. Das widerspreche der Menschenwürde, kritisiert die Caritas. «Die Wenigsten zahlen die Prämien nicht, weil sie keine Lust haben. Es sind Schicksalsschläge, die zur Verschuldung führen.» Laut Lorenz Bertsch, Geschäftsleitungsmitglied der Caritas St.Gallen-Appenzell, löst die «Schwarze Liste» hohe Folgekosten aus, weil Gesundheitsprobleme so lange unbehandelt bleiben, bis der Patient ins Spital muss.

Im St.Galler Kantonsparlament hatte die SP-Grüne-Fraktion im vergangenen Jahr die Abschaffung der «Schwarzen Liste» verlangt. Die Regierung unterstützte den Antrag. Die Bürgerlichen lehnten ihn jedoch ab.

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