Argumente für den Lehrberuf

Mehr Ferientage am Jahresende, weniger Unterrichtsstunden und Entlastung von administrativen Arbeiten: Die St. Galler Regierung präsentiert ein Massnahmenpaket, das den Lehrberuf wieder attraktiver machen soll.

Peter Brühwiler
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Leere Schulhäuser zur Weihnachtszeit: Die St. Galler Lehrer und Schüler können sich auf die «Festtagsbrücke» freuen. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Leere Schulhäuser zur Weihnachtszeit: Die St. Galler Lehrer und Schüler können sich auf die «Festtagsbrücke» freuen. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Eine zweite Woche Weihnachtsferien: Es wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk gewesen, zumindest für jene Schüler und Lehrer, die in den letzten Tagen des Jahres lieber auf dem Skilift als im Klassenzimmer sitzen. Zwar soll der laut St. Galler Regierung «verbreitete Wunsch nach der Festtagsbrücke» erfüllt werden, jedoch frühestens auf das kommende Jahr hin. Die Ausdehnung der Weihnachtsferien ist eine von mehreren von der Regierung vorgeschlagenen Änderungen im Volksschulgesetz und im Gesetz über die Besoldung der Volksschullehrer, über die der Kantonsrat im Februar beraten wird.

Weniger Unterrichtsstunden

Die Ausdehnung der Weihnachtsferien – die einzige Massnahme, die nicht vom Bildungsdepartement vorgeschlagen wurde, sondern auf einen parlamentarischen Vorstoss zurückgeht – wird dabei wohl auf wenig Widerstand stossen. Die entsprechende Motion jedenfalls haben vor einem Jahr 64 Kantonsräte gutgeheissen, 34 stimmten dagegen.

Parallel zur Aufstockung der Ferienwochen will die Regierung das Unterrichtspensum der Lehrpersonen um eine auf 27 Wochenlektionen senken. Auch gegen diese Massnahme erwuchs in der kürzlich zu Ende gegangenen Vernehmlassung wenig Widerstand. SP und die Gewerkschaft der öffentlich Angestellten, VPOD, hätten sich jedoch eine Entlastung nicht nur um eine, sondern um zwei Lektionen gewünscht, schreibt die Regierung.

Die Reduktion des Unterrichtspensums wäre kostenneutral, weil gleichzeitig auch die Unterrichtsstunden für die Schüler reduziert würden. Wie die Regierung in ihrer Botschaft festhält, liegt St. Gallen im interkantonalen Vergleich heute bei der durchschnittlichen jährlichen Unterrichtszeit «sowohl in der Primarschule als auch auf der Oberstufe auf Platz zwei und auf beiden Stufen über 100 Stunden über dem Schweizer Durchschnitt». Um das Unterrichtspensum kostenneutral reduzieren zu können, habe St. Gallen «die Hälfte des Vorsprungs auf den Lehrplan 21 verwendet», präzisiert der St. Galler Bildungschef Stefan Kölliker auf Anfrage.

Die zusätzlichen Ferientage und kleineren Unterrichtspensen würden gleichzeitig das St. Galler Lehrer-Lohnsystem kompetitiver machen. Im Prinzip seien die St. Galler Volksschullehrer angemessen entlöhnt, schreibt die Regierung. Aber «im Vergleich je Zeiteinheit Unterricht fallen sie, insbesondere auf der Oberstufe, etwas zurück, weil ihre Unterrichtsverpflichtung vergleichsweise hoch ist».

Zusätzlichen Handlungsbedarf sieht die Regierung einzig bei den Anfangslöhnen von Primarlehrpersonen. Mit dem Nachtrag zum Gesetz über die Besoldung der Volksschullehrer soll sie deshalb ermächtigt werden, diese bei Bedarf – also bei einem drohenden Lehrermangel – und befristet im Wert eines oder zweier Lohnschritte zu erhöhen. In diesem Fall «entstehen der Gesamtheit aller Gemeinden systemische Mehrkosten zwischen 200 000 und 600 000 Franken jährlich», so die Regierung.

«Komplette Umsetzung»

Kölliker hofft, im Kantonsrat auf wenig Widerstand zu stossen. Denn das Massnahmenpaket, das die Lehrpersonen unter anderem von administrativen Arbeiten entlasten soll, könne seine Wirkung nur entfalten, wenn es komplett umgesetzt werde. Geschnürt wurde es aus mehreren Vorarbeiten. So flossen auch die Resultate einer von über 3000 Lehrpersonen ausgefüllten Online-Umfrage ein, wie die Regierung schreibt. «Trotz kritischer Haltung» – die Befragten beurteilten ihre berufliche Belastung als hoch und verwiesen auf die Überbürdung immer neuer Erziehungsaufgaben ausserhalb des Kernauftrags Unterrichten – «würden die allermeisten den Lehrberuf wieder wählen.»

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