Zweites Leben für die Mosterei

Auf dem ehemaligen Produktionsstandort der Thurella in Egnach soll ein lebendiges Dorfzentrum mit rund 140 Wohnungen und Gewerberäumlichkeiten entstehen. Eine zentrale Rolle kommt der ehemaligen Mosterei zu, wo unter anderem Schnaps gebrannt werden soll.

Markus Schoch
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Gemeindepräsident Stephan Tobler vor dem ehemaligen Mostereigebäude der Thurella. (Bild: Markus Schoch)

Gemeindepräsident Stephan Tobler vor dem ehemaligen Mostereigebäude der Thurella. (Bild: Markus Schoch)

EGNACH. Im Egnacher Bahnhofquartier soll neues Leben einkehren, nachdem zuletzt die Bank, die Post und die Landi verschwunden sind.

Die Thurella will auf ihrem ehemaligem Betriebsgelände einen grossen Teil der Gebäude abreissen und 141 Wohnungen für die unterschiedlichsten Bedürfnisse sowie Gewerberäumlichkeiten bauen. Der Bedarf sei gross, sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler. Neukirch-Egnach habe den kleinsten Leerwohnungsbestand im ganzen Bezirk.

Entstehen soll auf dem 2,2 Hektar grossen Areal ein Quartierzentrum mit hoher Attraktivität und einem Begegnungsraum auf der unteren Bahnhofstrasse.

Brennerei und Läden

Eigentliches Herzstück der Überbauung soll das ehemalige Mostereigebäude mit seiner markanten Backstein-Fassade werden. Im Erdgeschoss der denkmalgeschützten Liegenschaft, die ihren Charme behalten soll, sind Läden mit Gütern für den täglichen Bedarf und mit Regionalprodukten sowie eine Schaubrennerei vorgesehen, wie es in einer Mitteilung der Thurella, des Gemeinderates und des Arealentwicklers heisst. In den oberen Stockwerken sollen Räumlichkeiten «mit einem besonderen Touch» für kleine Betriebe entstehen.

Im Erdgeschoss der Wohnhäuser gegenüber der Mosterei soll ein kleiner Verkaufsladen öffnen. Aber auch beispielsweise ein Coiffeursalon. Zudem soll es Flächen für Ausstellungen und Infotainment sowie für eine Spielgruppe geben. «Die Ansiedlung von anderen Dienstleistungen wie die Spitex etc. soll ermöglicht werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Mietern entgegenkommen

Damit die Planspiele am Schluss aufgehen, würde sich die Gemeinde wünschen, dass der noch zu findende Investor den Mietern der Läden und Büros «günstige Bedingungen» gewährt. «Andernfalls könnte es schwierig werden», sagt Gemeindepräsident Tobler mit Verweis auf die seit langem leerstehenden Gewerberäumlichkeiten in der «Schäfli»-Überbauung in Neukirch. Im bestehenden Bürogebäude im Thurella-Areal sollen sich weiter kleine bis mittlere Gewerbebetriebe zu günstigen Konditionen einmieten können.

Velohotel im «Sternen»?

Ein grosses Interesse hat die Gemeinde, dass das Restaurant Sternen weiter betrieben wird, was tatsächlich vorgesehen ist. Investitionen ins Gebäude seien aber unumgänglich, sagt Tobler. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang auch die Eröffnung eines Velohotels.

In einem nächsten Schritt schliessen die Gemeinde und die Thurella eine Projektvereinbarung ab, in der die Rahmenbedingungen der Zentrumsgestaltung festgehalten werden. Die Gemeinde etwa pocht auf den Bau einer Holzschnitzelheizung, die über eine Fernleitung auch andere Quartiere mit Wärme beliefern könnte.

Auf Basis dieser Vereinbarung wird dann ein Gestaltungsplan ausgearbeitet, der im Entwurf bereits vorliegt.

Umzonung nötig

Schliesslich müssen die Stimmbürger den Weg für das neue Egnacher Zentrum freimachen, indem sie der Umzonung des Thurella-Areals von der Gewerbe- in die Wohn- und Gewerbezone zustimmen. Entscheiden werden sie voraussichtlich Ende 2017 oder Anfang 2018 können, wenn alles optimal läuft, sagt Gemeindepräsident Tobler. Einfach so werden die Egnacher nicht mitmachen, ist er sich bewusst. «Es braucht gute Lösungen, die nachhaltig sind und der Gemeinde einen Mehrwert bringen.»