Zweifel am neuen Schulmodell

Die Schule Bürglen will im Sommer 2012 ein altersdurchmischtes Vier-Klassen-System einführen. Doch nicht alle Eltern sind davon überzeugt. Sie werfen der Schulbehörde ein einseitiges Vorgehen und mangelnde Information vor.

Urs Bänziger
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Schulhaus Schloss: Das neue Modell hat zur Folge, dass die drei Klassen dort ausziehen. Die Räume sollen vermietet werden. (Bild: Reto Martin)

Schulhaus Schloss: Das neue Modell hat zur Folge, dass die drei Klassen dort ausziehen. Die Räume sollen vermietet werden. (Bild: Reto Martin)

BÜRGLEN. Eltern in Bürglen sind verunsichert und verärgert. Sie werfen der Schulbehörde eine unzureichende Kommunikation vor. «Die Schule plant ohne uns», heisst es in einem Leserbrief, der von zwei Dutzend Personen unterschrieben wurde.

An der Schule Bürglen wird ab neuem Schuljahr ein neues Modell für die Mittelstufe eingeführt. Dabei soll das altersdurchmischte Lernen in Gruppen gefördert werden. «Drei bis vier Lehrpersonen bilden ein Team. Sie unterrichten in eigenen Räumlichkeiten 40 bis 50 Kinder», erklären Schulpräsident Rolf Gmünder und Schulleiter Philipp Frei.

Ähnlich wie an Sekundarschule

Ein altersdurchmischtes Vier-Klassen-System in einem grossen Klassenzimmer mit 40 bis 50 Kindern sei einzigartig und unerprobt, schreiben Eltern und Schulbürger in ihrem Leserbrief. So neu sei das Schulmodell nicht, entgegnet der Schulpräsident. «An der Sekundarschule wird in ähnlicher Form unterrichtet.» Im Rahmen der Schulentwicklung hätten sich Behörde und Lehrpersonen seit längerer Zeit mit einem neuen Schulmodell befasst. Und sich schliesslich für das altersdurchmischte Lernen entschieden.

An der Schule Bürglen besuchen rund 90 Kinder die Mittelstufe (3. bis 6.Klasse). Nach dem neuen Modell werden sie altersdurchmischt in zwei Gruppen aufgeteilt. Alle Schüler der Mittelstufe werden ab nächstem Sommer im Schulhaus Zeltli unterrichtet. Beide Trakte werden umgebaut, anstelle von Klassenzimmern gibt es Arbeitsplätze und Inputzimmer. Es sei nicht so, dass je 45 Kinder in einem grossen Klassenzimmer unterrichtet werden, erklärt Schulleiter Philipp Frei.

Mehr und individueller fördern

Nach dem neuen Modell sind es die Lehrpersonen, die aufgrund des Alters und Entwicklungsstandes der Kinder entscheiden, welche Gruppengrössen und Zusammensetzungen vorteilhaft sind, wie die Entwicklung der Kinder gefördert und wo auf ihre individuelle Eigenheit Rücksicht genommen werden muss. Für die Schule Bürglen sei das neue Modell ein Mehrwert, argumentiert die Schulbehörde. Die Kinder hätten die Zeit und Möglichkeit, von- und miteinander zu lernen, und ihre Fähigkeiten würden mehr gefördert. Die Lehrer könnten sich austauschen und fachlich gegenseitig unterstützen.

Die Eltern seien schleierhaft und unklar informiert worden, werfen die Unterzeichner des Leserbriefes der Schulbehörde vor. Offene Frage seien nicht oder noch sehr unwissend beantwortet und pädagogische Gesichtspunkte einseitig präsentiert worden. Schulpräsident und Schulleiter wehren sich gegen den Vorwurf. «Soweit wir konnten, haben wir immer über die Entwicklung an der Schule Bürglen informiert.»

Im Leserbrief wird zudem kritisiert, dass mit dem neuem Modell Schulräume leer werden und deren weitere Nutzung noch nicht definiert und gesichert sei. Es ist vorgesehen, die drei Klassen vom Schulhaus Schloss nächsten Sommer ins Schulhaus Zeltli zu verlegen, und im Sommer 2013 auch die beiden Kindergärten Steinhaus und Schlossgasse.

Raumbedarf bleibt sich gleich

Es werde nicht weniger Schulraum gebraucht, sagt Rolf Gmünder. Die IBGS (Interessengemeinschaft Berufsbildung im Gesundheits- und Sozialwesen Thurgau) habe ihre im Schulhaus Zeltli gemieteten Räume auf Ende Schuljahr gekündigt, weil sie mehr Platz brauche. Die leer werdenden Räume würden ab Sommer wieder von der Schule genutzt. Für die nicht mehr benötigten Räume im Schloss habe das Ostschweizer Fussball-Ausbildungszentrum Interesse, und auch für die beiden Kindergärten gebe es Optionen. «Eine Möglichkeit wäre, dass die Bibliothek und die Spielgruppe dort einziehen», so Gmünder.

Schulpräsident Rolf Gmünder (Bild: sb)

Schulpräsident Rolf Gmünder (Bild: sb)