Zwei Aprilkinder treffen sich

Seniorin Gertrud Wissler teilte den Gugelhopf zum Geburtstag mit ihrem Zwillingsbruder Eugen. Schülerin Lara-Tabea Kellenberger teilt ihren Geburtstagskuchen ebenfalls mit dem Bruder.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Gertrud Wissler und Lara-Tabea Kellenberger mit einem Geburtstagsgugelhopf. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Gertrud Wissler und Lara-Tabea Kellenberger mit einem Geburtstagsgugelhopf. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

AMRISWIL. Für Gertrud Wissler und Lara-Tabea Kellenberger ist der April ein ganz besonderer Monat. Im April wird nämlich Geburtstag gefeiert. Rüstig und geistig fit feierte Gertrud Wissler am 19. April ihr 92. Wiegenfest. Gerade mal sechs Tage später brannten für Lara-Tabea Kellenberger acht Kerzen auf dem Geburtstagskuchen.

«Einen Schoggigugelhopf haben mir Mami und Papi zum Geburtstag gebacken», erzählt Lara-Tabea glücklich. Der Geburtstag sei für sie ein spezieller Tag. Sie freue sich immer darauf, weil man einen Tag lang im Mittelpunkt stehe. «Ich fühle mich dann immer wie eine kleine Prinzessin», sagt sie. Dieses Jahr ging für die Zweitklässlerin aus Bischofszell ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Zusammen mit ihrer Familie und Tante Ruth ging es in die «Spielschüür», einem Indoorspielplatz, nach Niederbüren. Stolz erzählt Lara-Tabea, dass sie dort Bowling spielen durfte. Im Restaurant gab es dann ihr Lieblingsessen: Spaghetti mit Tomatensauce. Sie betont aber, dass der Reibkäse keinesfalls fehlen dürfe.

Skateboard für Lara-Tabea

Geschenke gab es natürlich zum Geburtstag auch. So bekam Lara-Tabea ein Waveboard, ähnlich wie ein Skateboard, einen Batzen für ins Sparschweinchen, eine Kinderbibel und von ihrem Bruder Dominik eine Zeichnung. Auch einige Geburtstagskarten lagen auf dem Gabentisch. «Wenn man die Karten öffnet, ertönt Musik», erklärt das Mädchen.

Auch bei Gertrud Wissler hat der Geburtstagskuchen nie gefehlt. «Einen Gugelhopf mit Weinbeeren hat unsere Mutter immer gebacken», erinnert sich die 92jährige Seniorin, die in Sommeri aufgewachsen ist und heute in Amriswil wohnt.

Der Kuchen hat auch ohne Geburtstagskerzen geschmeckt. Denn diese gab es damals noch nicht. Redlich teilte Gertrud Wissler den Kuchen mit ihrem Bruder. Ihr Bruder feierte nämlich an demselben Tag Geburtstag wie sie. «Eugen war mein Zwillingsbruder», erzählt sie und ergänzt, dass dieser schwarze und sie blonde Haare hatte.

Nur Weihnachtsgeschenke

Geburtstagsgeschenke gab es früher keine. Das Geld habe für solche Dinge gefehlt. Schwierig sei ganz besonders die Kriegszeit gewesen. Man lebte einfach und bescheiden. «Trotzdem – wir waren glücklich und zufrieden», sagt Gertrud Wissler. Zu Weihnachten jedoch gab es immer ein kleines Geschenk. Gertrud Wissler mag sich noch an ihre erste Puppe erinnern, die sie geschenkt bekam.

«Meine Mutter nähte die Puppenkleider immer selber». Nicht nur Puppenkleider hat die Mutter genäht. Auch die Kleider für Gertrud Wissler und deren Geschwister sind unter Mutters geschickten Händen entstanden. In der Epa in St. Gallen habe sie Stoff für zwei Franken pro Meter gekauft. «Daraus gab es herzige Röckli für meine Schwester und mich», erzählt sie. Das Nähtalent hat Gertrud Wissler von ihrer Mutter geerbt. Noch heute näht und flickt die rüstige Rentnerin oft und gerne.

Auf der Strasse spielen

Auch wenn es früher keine Geburtstagsgeschenke gab, weiss Gertrud Wissler die alten Zeiten zu schätzen. Denn damals hatte es noch nicht so viele Autos. Man konnte draussen auf der Strasse spielen. «Für uns alle war dies ein grosses Geschenk», erzählt sie und verrät, dass sie sich heute am meisten über einen Blumenstrauss zum Geburtstag freue.

Bild: YVONNE ALDROVANDI-SCHLÄPFER

Bild: YVONNE ALDROVANDI-SCHLÄPFER

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