Zwangspause auf dem Pfaffenbüel

Die Querelen um den Partyplatz auf dem Hof von Christian Schwarz in Tägerwilen halten an. Erstmals findet das Oben- Toben-Festival deshalb nicht auf seinem traditionellen Festivalgelände, sondern im Z88 statt. Der Biobauer ist enttäuscht.

Annina Flaig
Drucken
Benjamin Knaus Präsident Verein Konzerte Tägerwilen (Archivbild: Nana do Carmo)

Benjamin Knaus Präsident Verein Konzerte Tägerwilen (Archivbild: Nana do Carmo)

TÄGERWILEN. Im verflixten siebten Jahr ist es nicht mehr so, wie es einmal war: Am Samstag ist in Tägerwilen wieder Oben Toben angesagt. Allerdings findet das Festival heuer nicht wie gewohnt unter freiem Himmel auf dem Pfaffenbüel statt, sondern als Party im Z88. Dies «um mit dem laufenden Verfahren nicht in Konflikt zu geraten», wie die Verantwortlichen mitteilen. «Wir wollen kein Öl ins Feuer giessen. Deshalb haben wir uns für dieses Jahr im Z88 einquartiert», sagt Benjamin Knaus, Präsident des Z88 und des Vereins Konzerte Tägerwilen, der das Oben Toben organisiert. Längerfristig wolle man aufs Pfaffenbüel zurück.

Benjamin Knaus Präsident Verein Konzerte Tägerwilen (Archivbild: Nana do Carmo)

Benjamin Knaus Präsident Verein Konzerte Tägerwilen (Archivbild: Nana do Carmo)

Elektronische Musik ist schuld

Die Querelen um den Hof von Christian Schwarz, wo in der Vergangenheit regelmässig Parties gefeiert wurden, sind nämlich noch nicht vorbei. Auslöser war letztes Jahr aber nicht das Oben-Toben-Festival sondern das Day Dance, ein Festival mit elektronischer Musik. Dieses hatte letzten Sommer zahlreiche Beschwerden nach sich gezogen. Daraufhin kontaktierte der Gemeinderat Tägerwilen Christian Schwarz und verlangte von ihm, dass er für die Umnutzung seines Grundstücks ein Baugesuch einreicht. Weiter wurde Schwarz aufgefordert auf Musikfestivals zu verzichten, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Davon ist man jedoch weit entfernt.

Christian Schwarz Biobauer auf dem Pfaffenbüel Tägerwilen (Archivbild: Reto Martin)

Christian Schwarz Biobauer auf dem Pfaffenbüel Tägerwilen (Archivbild: Reto Martin)

«Innovative werden gebremst»

Schwarz hat mehrere Baugesuche eingereicht, unter anderem auch für einen Hofladen. Diese haben über 20 Einsprachen provoziert. Seither sind ihm die Hände gebunden. So hätten zwar noch ein paar Private ihre Feste bei ihm gefeiert. Aber sie würden weniger. «Die Leute trauen sich nicht mehr bei mir anzufragen», so Schwarz. Er spricht von einer «Verhinderungspolitik» und ist enttäuscht, dass er das Oben Toben nicht beheimaten darf. «Es heisst, Bauern sollen Ideen entwickeln, um ihr Einkommen aufzubessern. Wer aber innovativ ist, wird ausgebremst.» Sein Groll richtet sich nicht gegen die Gemeinde, sondern gegen das kantonale Raumplanungsamt. Letzteres ist für die Baugesuche in der Landwirtschaftszone zuständig. Nachdem sie einige Unrechtmässigkeiten gefunden hätten, hätten die Verantwortlichen nun veranlasst, dass alle Bauten auf seinem Grundstück mit den rund 40 Baugesuchen, die er in den vergangenen 29 Jahren eingereicht hat, abgeglichen würden.

Mit Einsprechern verhandelt

Schwarz hofft, dass er für seinen Partyplatz bald eine Betriebsbewilligung erhält. «Von mir aus mit Einschränkungen. Hauptsache die Anlässe dürfen weiter von diesem schönen Ort profitieren.» Er selbst profitiere finanziell kaum. Die Anlässe seien jedoch gute Werbung für die Naturprodukte auf seinem Hof.

Dass das Oben Toben auf das Pfaffenbüel zurückkehrt, hofft auch Gemeindepräsident Markus Thalmann. Weil er selbst Mitglied im Verein Konzerte Tägerwilen ist, trete er bei politischen Entscheiden diesbezüglich in den Ausstand, setze sich aber für einen Konsens ein. So hat der Gemeinderat am Montag erstmals mit den Einsprechern verhandelt. Das Zwischenfazit klingt verheissungsvoll: «Es scheint, als könnte die Mehrheit mit einer jährlichen Veranstaltung leben», sagt Thalmann.

Kein Festival auf dem Pfaffenbüel: Das Oben Toben muss dieses Jahr ohne die Open-Air-Bühne auf dem Hof von Christian Schwarz auskommen. (Archivbild: pd)

Kein Festival auf dem Pfaffenbüel: Das Oben Toben muss dieses Jahr ohne die Open-Air-Bühne auf dem Hof von Christian Schwarz auskommen. (Archivbild: pd)

Aktuelle Nachrichten