Zu viel des Schlechten

Der Vandalismus hat auch die Schulanlagen von Kradolf und Schönenberg erreicht. Und das in einem so gravierenden Ausmass, dass die Schulbehörde jetzt einen Sicherheitsdienst patrouillieren lässt, um der Exzesse Herr zu werden.

Georg Stelzner
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Ästhetik und Sicherheit: Die Schulbehörde möchte, dass sich die Kinder auf dem Schulareal (im Bild: Kradolf) wohl fühlen und auch nicht Gefahr laufen, sich dort zu verletzen.

Ästhetik und Sicherheit: Die Schulbehörde möchte, dass sich die Kinder auf dem Schulareal (im Bild: Kradolf) wohl fühlen und auch nicht Gefahr laufen, sich dort zu verletzen.

KRADOLF/SCHÖNENBERG. Die Grenze des Tolerierbaren, ja des Zumutbaren, sei ganz klar überschritten worden, gibt Roland P. Lichtensteiger im Gespräch zu bedenken. Laut Auskunft des Präsidenten der Primarschulgemeinde Schönenberg-Kradolf hätten die jugendlichen Vandalen nicht nur Exkremente und Unmengen von Müll hinterlassen, sondern auch mitgebrachte Glasflaschen zerschlagen und die Scherben auf dem Gelände und der Spielwiese verstreut.

«Diesem Treiben durften wir nicht länger zusehen, zumal auch die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler auf dem Spiel stand», begründet Lichtensteiger den Beschluss der Behörde, eine Kreuzlinger Sicherheitsfirma mit der Überwachung der Schulareale von Kradolf und Schönenberg zu beauftragen.

Keine heile Welt mehr

Der Schulpräsident spricht von einer «schleichenden Entwicklung» in den letzten Jahren.

Die Situation habe sich zuletzt zugespitzt und sei schliesslich unerträglich geworden, obwohl die Abwarte der betroffenen Schulhäuser Kontrollgänge unternommen hätten. «Immer öfter wurden auch Schäden an Gebäuden und Einrichtungen verursacht, und zwar nicht versehentlich, sondern absichtlich und böswillig», berichtet der Schulpräsident, der die Schadensumme mit mehreren tausend Franken pro Jahr beziffert.

Laut Lichtensteiger habe man wiederholt die Kantonspolizei eingeschaltet, und gelegentlich sei es sogar gelungen, Täter auf frischer Tat zu ertappen.

Dass der Vandalismus in so ausgeprägter Form auch in einer ländlichen Schulgemeinde Einzug gehalten hat, überrascht Lichtensteiger nicht. «Das ist ein gesellschaftliches Problem, und wir sind eben Teil dieser Gesellschaft», sagt der Schulpräsident.

Früher habe die gesellschaftlich-soziale Kontrolle noch besser funktioniert; zudem sei auch die Bevölkerung von Schönenberg und Kradolf – zumindest in Teilen – heute städtisch geprägt, glaubt Lichtensteiger Gründe für das Vordringen des unliebsamen Phänomens zu kennen.

Einsatz zeigt bereits Wirkung

Seit Juli sehen nun uniformierte Angestellte einer Sicherheitsfirma, ausgerüstet mit Schlagstock und Handschellen, auf den beiden Schularealen nach dem Rechten.

Sie haben die Kompetenz, Ausweiskontrollen durchzuführen. Ihr Auftrag besteht darin, nach 21 Uhr alle Personen wegzuweisen, in der Zeit davor jedoch nur jene, die sich nicht an die geltenden Vorschriften halten.

«Die Situation hat sich schlagartig gebessert», zieht Lichtensteiger eine positive Zwischenbilanz. Der Kehrseite der Medaille ist sich der Schulpräsident gleichwohl bewusst: Das Problem ist damit nicht aus der Welt, es verlagert sich nur an andere Orte. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt.

Lichtensteiger schliesst nicht aus, dass die Kosten für den Sicherheitsdienst am Ende höher sein könnten als jene zur Behebung von Schäden. Dennoch wolle man den Vertrag mit der Sicherheitsfirma vorerst nicht auflösen, bestehe das Ziel doch darin, eine präventive Wirkung zu erzielen. Die Patrouillen könnten aber jederzeit reduziert werden.

Areale bleiben frei zugänglich

Lichtensteiger versichert, dass die Schulareale in Kradolf und Schönenberg der Öffentlichkeit nach wie vor zur Verfügung stehen: «Die Schulbehörde hat überhaupt nichts dagegen, wenn sich Leute in der Freizeit dort aufhalten und die Anlagen benützen, solange es nicht zu mutwilligen Beschädigungen oder Verunreinigungen kommt.» Mit den eigenen Schulkindern habe man die Situation dank der Lehrkräfte und Hauswarte «ziemlich im Griff», betont Lichtensteiger.

Dass der Einsatz eines Sicherheitsdienstes letztlich nur Symptombekämpfung sein kann, weiss auch der Schulpräsident. Im Sinne einer langfristigen Lösung des Problems könnte sich Lichtensteiger daher vorstellen, gemeinsam mit der Politischen Gemeinde Kradolf-Schönenberg einen Sozialarbeiter anzustellen.

Bilder: pd/Georg Stelzner

Bilder: pd/Georg Stelzner

«Behörde musste handeln»: Schulpräsident Roland P. Lichtensteiger. (Bild: st)

«Behörde musste handeln»: Schulpräsident Roland P. Lichtensteiger. (Bild: st)

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