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Zu üppig angerichtete Fussballträume

Talente sollten das grosse Geld bringen, wenn sie den Sprung in grosse Profiligen schaffen. Doch der Betrieb der Evro Football Academy versandete. Dem klagenden Teammanager sprach das Bezirksgericht Lohn zu.
Max Eichenberger

Mike D., der Wurzeln in Griechenland hat und einst in Wil Spieler war, ist eine schillernde Figur. Als Mitbegründer der Evro Football Pro Academy, einem Verein mit Sitz in Arbon, sucht er mit den Jungs das Rampenlicht, posiert gern mit Fussballgrössen wie Eden Hazard oder auch Rainer Maria Salzgeber. D. trainiert selber Jugendliche. Oder tat dies zumindest bis vor einem Jahr. Der Fussballlehrer verfolgt auch eine Geschäftsidee: Talente heranzüchten, dass der eine oder andere junge Fussballer den Sprung in den professionellen Fussballbetrieb schafft – woran die Organisation gewinnbeteiligt würde.

Das Modell hat so nicht eingeschlagen. In den letzten fünf Jahren hat keiner reüssiert. Angeblich finanzieren Sponsoren die Akademie. Arbon sollte für das Modell ein Testlauf werden. Zu einer Zusammenarbeit mit dem FC Arbon ist es nicht gekommen. Zürich und Bern hätten weitere Stützpunkte werden sollen.

An einem Meisterschaftsbetrieb nahm die Evro-Truppe nie teil, weil ihr die Registrierung verwehrt wurde. Im Juniorenbereich und in unteren Ligen spielende Vereine können nur im Verband Aufnahme finden, wenn sie nicht gewinnorientiert arbeiten. Diese Ausrichtung hat aber die Evro Football Academy. So beschränkten sich die Spielaktivitäten auf Freundschaftsspiele und Turniere. Dazu reiste die Truppe schon mal nach Mailand, London, Dänemark - oder Griechenland, um sich mit den Alterskollegen von Arsenal zu messen. Angeblich gibt es dort einen Ableger des Londoner Grossclubs – oder zumindest einen Verein, der so heisst. Ein Video zeigt, wie die Mannschaften vor trostloser Kulisse auf einem Nebenplatz spielen. «Grosser Sieg gegen Arsenal» übermittelte die Akademie dann den Sportredaktionen.

«Ich war naiv und habe weitergemacht»

Trainiert haben die Junioren, wo sie grad geduldet waren. So auch auf dem alten Arboner Forsthausplatz, wo sie sich auf dem Platz hätten umziehen müssen, und zuletzt im Kellen in Goldach. Das sagt ein per Vertrag von der Academy Angestellter, der von seinem Lohn in den letzten fünf Jahren nicht viel gesehen hat, vor Bezirksgericht Arbon. Der Mann machte eine Forderung aus dem Arbeitsvertrag geltend. Weil er an einer Immunkrankheit litt, hatte er 2011 seine Stelle verloren. Dem zuvor in seiner Freizeit als Fortuna-Trainer tätig gewesenen Kläger hatte D. 2011 einen gut bezahlten Job angeboten: als Teammanager. Die Jungs habe er in die Trainings gefahren, zu den Spielen, oft weit weg, war auch für das Trainingsmaterial zuständig.

Einmal habe er 1000 Franken bar in die Hand bekommen. Lohn wurde ihm sonst nie ausbezahlt. «D. hat immer gesagt, das Geld komme noch.» Vertraglich waren 4000 Franken plus Spesen vereinbart. «Ich war naiv und habe weitergemacht, den Jungs zuliebe, und weil mir die Arbeit Freude gemacht hat.» Gut, ihm hatte D. noch die Wohnung und ein Auto zur Verfügung gestellt.

So grosszügig der Lohn bemessen war für ein geschätztes 60-Prozent-Pensum, so ambitiös hatte D. seine Academy aufgestellt. Und irgendwie konnte das nicht gut gehen. Im Winter gestaltete sich die Hallensuche offenbar schwierig. Roggwil habe die Academy nicht mehr gewollt. Der Kläger hat eine Vermutung, weshalb. Er wusste angeblich auch von Banken, wo D. Hausverbot hatte. Im Herbst 2015 ist der Betrieb dann versandet.

Eine Kündigung erhielt der Teammanager nie. Der Beklagte – er blieb der Verhandlung fern – hatte dies behauptet. Schreiben des Beistandes blieben unbeantwortet. Eingeklagt hat er den Jahreslohn 2015. Das Gericht schützte die Klage teilweise. Im Urteil verpflichtet es den Verein zur Zahlung des Lohns von 45 320 Franken, abzüglich Naturalleistungen von 20 160 Franken (Wohnung, Auto). Weiteres Ungemach droht durch eine Wohnungsausweisung.

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