Zirkusluft und Mathebücher

Mit ihren 13 Jahren ist Yayita Gasser die jüngste Artistin der Dinner-Show «Adrenalin&Protein», die zurzeit in Kreuzlingen zu sehen ist. Das Leben als Zirkuskind hat neben Licht- auch seine Schattenseiten.

Bianca Binder
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Artistenleben: Yayita Gasser muss den Spagat zwischen Proben, Auftritten und Schule meistern. (Bild: Nana do Carmo)

Artistenleben: Yayita Gasser muss den Spagat zwischen Proben, Auftritten und Schule meistern. (Bild: Nana do Carmo)

Kreuzlingen. Auf sieben Metern Höhe wirbelt Yayita Gasser an ihren Vertikaltüchern durch die Zirkuskuppel. Was halsbrecherisch aussieht, ist das Resultat unzähliger Übungsstunden und grossem Ehrgeiz. Seit sie vier Jahre alt ist, klettert und turnt Yayita im Zirkuszelt herum. So lange, bis ihre Mutter ihr ein Trapez schenkt. Von da an ist die kleine Luftartistin nicht mehr zu bremsen.

Die Familie Gasser ist seit Generationen ein fester Bestandteil der nationalen und internationalen Zirkuswelt. Da verwundert es nicht, dass auch Yayitas ältere Schwestern so aufgewachsen sind. «Artisten, Musiker, Komiker, wir alle hier sind eine grosse Familie. Jeder hat sein Ämtli, das verrichtet werden will, und wir unterstützen uns gegenseitig», sagt Yayita Gasser.

Einzige Schülerin der Klasse

Zu Beginn ihrer Solonummer wurde sie professionell ausgebildet. Jetzt, viele Auftritte später, probiert sie auch selber neue Kunststücke aus. Angst vor der Höhe hat der Teenager nicht. Im Gegenteil. Im Winter möchte sie gerne mehr Auftritte an den Ringen oder auf dem Drahtseil haben.

Die Artistentruppe rund um «Adrenalin&Protein» ist mit Ausnahme der Winterpause das ganze Jahr unterwegs. Eine reguläre Schule zu besuchen ist nicht möglich. Aus diesem Grund wird Yayita, wie auch schon ihre Schwestern, privat geschult.

Normale Oberstufenfächer

Sara Kägi, die ausgebildete Tänzerin und Schauspielerin von «Adrenalin&Protein», unterrichtet die junge Artistin. Sämtliche Fächer einer normalen Oberstufe gehören neben dem Proben zum täglichen Pflichtprogramm von Yayita. Auch wenn sie gerne auf Fächer wie Mathematik und Physik verzichten würde, findet sie den Privatunterricht toll. «Ich profitiere sehr, da ich die einzige Schülerin in der Klasse bin.

» Religion und Geschichte sind die beiden Lieblingsfächer der Schülerin. Wenn sie eine Prüfung schreibt, wird diese an die Deutsche Diplomatenschule geschickt und dort korrigiert. «Bei schlechten Noten muss ich nochmals dahinter, bei guten freuen sich alle», sagt Yayita. Ihr Vater, Daniel Gasser-Belli, lacht stolz: «Hätte ich jemals so gute Noten wie Yayita gehabt, hätten sich auch alle gefreut.»

Fehlender Freundeskreis

Einzig den Kontakt zu Gleichaltrigen vermisst Yayita ab und zu. Durch die wechselnden Standorte ist es schwierig, einen festen Freundeskreis aufzubauen. In jedem Ort gibt es aber Leute, auf die sich die Artistin freut, weil sie «lieb und lustig» sind. Zudem hat sie ihre beste Freundin aus Olten, die sie so oft wie möglich sieht. Das Leben im Zirkuswagen gefällt Yayita sehr. «Vor allem wenn es regnet, ist die Stimmung toll. Dann sitzen wir alle zusammen und machen es uns gemütlich.

» Alle, das sind zurzeit zwölf Personen, die mit auf Tour sind. Neuzugang Michael Enzler aus dem Appenzell, Sascha Williams, Gastartist aus Australien, Daniel Badea aus Bukarest und nicht zuletzt die halbe Familie Gasser steht jeden Abend auf der Bühne und bietet eine spektakuläre Show. Küchenchefin Rose Gasser-Belli serviert den Gästen währenddessen die Speisen aus der Küche. Viel Klamauk, Artistik und Musik sind noch bis zum 31.

Oktober auf der Seepark-Wiese in Kreuzlingen zu geniessen.

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