Zentrum spielt bloss Nebenrolle

BISCHOFSZELL. Bischofszell stellt auch in der nächsten Legislaturperiode eine Kantonsrätin. Mehr sind es wieder nicht. Nur dank der Wiederwahl von Helen Jordi (EDU) ist die einzige Stadt im Bezirk Weinfelden überhaupt noch im Grossen Rat vertreten.

Andrea Kern/Georg Stelzner
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Wahlwerbung in Bischofszell: Die Grossratskandidaten aus der Wakkerstadt hatten einen schweren Stand. (Bild: Georg Stelzner)

Wahlwerbung in Bischofszell: Die Grossratskandidaten aus der Wakkerstadt hatten einen schweren Stand. (Bild: Georg Stelzner)

Bei der Grossratswahl vom 15. April figurierten insgesamt 16 Frauen und Männer aus der Gemeinde Bischofszell auf den Listen der Ortsparteien. Sie waren ausnahmslos weit davon entfernt, den Einzug ins Kantonsparlament zu schaffen. Mit vier Kandidierenden stand die CVP noch am besten da. FDP und SVP begnügten sich mit je einem Bischofszeller Kandidaten und waren damit auf Augenhöhe mit den Grünen. Als einzige Partei bestritt die BDP den Wahlkampf ohne Kandidaten aus Bischofszell.

SP: Schwierige Ausgangslage

Für die SP Bischofszell galt der Hauptwiler Felix Züst als Favorit. «Für mich muss nicht zwingend jemand aus der Stadt Bischofszell kommen. Wichtig ist die Region», sagt Präsident Emil Frischknecht. Klar hätte er gerne einen Boris Binzegger auf der Liste gehabt. Aber dieser sei schon stark engagiert. «Und bei dieser Ausgangssituation mit vier Bisherigen wäre es auch für ihn schwierig geworden», überlegt er weiter.

Das Resultat von Züst sieht er als gute Ausgangslage für die Wahl in vier Jahren. «Wir müssen aber daran arbeiten, weitere Kandidaten frühzeitig bekannt zu machen. Es ist schon so: Wir haben ein Personalproblem.» Es sei gar nicht so einfach, Leute an eine Partei zu binden. Zudem fehle vielen die Zeit. Als grosses Handicap sieht Frischknecht die Regelung, dass Kantonsangestellte nicht im Grossen Rat sein dürfen. «Das müsste man überdenken. Es ist schade, wenn man gewisse Bevölkerungsgruppen ausschliesst.»

CVP: Defizite in Weinfelden

Die CVP Bischofszell und Umgebung portierte sieben Kandidaten. Vier wohnen in Bischofszell. «Dadurch gab es keine Fokussierung auf einzelne Kandidaten und somit kein Spitzenergebnis», begründet Vorstandsmitglied Louis Brüschweiler das Fehlen eines Bischofszeller CVP-Kantonsrates. «Wir stellen aber fest, dass unsere Kandidaten im Raum Weinfelden nicht gut abschnitten.»

Umgekehrt erreichten aber in Bischofszell Thomas Merz und Ulrich Müller ein gutes Resultat. «Für unsere Leute war es schwierig, im restlichen Bezirk wahrgenommen zu werden.» Die Bezirkspartei werde gefordert sein, durch Aktivitäten die Zusammengehörigkeit zu fördern. Dennoch ist Brüschweiler mit dem Wahlausgang zufrieden, insbesondere mit der Wiederwahl von Cäcilia Bosshard aus Wilen-Gottshaus. Zudem freut sich die CVP, in Bischofszell nach Wählerstimmen die stärkste Partei zu sein.

SVP: Gezielter Aufbau

«Um erfolgreich zu sein, braucht man Kandidaten, die im ganzen Bezirk vernetzt sind», sagt Daniel Sommer, Präsident der SVP Bischofszell und Umgebung. Seiner Partei sei es nicht gelungen, die nach dem Ausscheiden Adolf Kellers aus dem Grossen Rat entstandene Lücke zu schliessen. Dass auf der Liste nur ein Kandidat aus der Gemeinde Bischofszell aufschien, sei die Folge eines parteiinternen Übereinkommens gewesen. Demnach habe die in vier Gemeinden aktive Bischofszeller SVP Anrecht auf vier Listenplätze gehabt. Dieses Kontingent habe man ausgeschöpft. «Mir ist aber bewusst, dass wir mit nur einem Bischofszeller Kandidaten Wähler vor den Kopf gestossen haben.» Man werde aus dem unbefriedigenden Wahlausgang Konsequenzen ziehen und im Hinblick auf die Grossratswahl im Jahr 2016 jemanden gezielt aufbauen. Der SVP-Präsident ist der Meinung, dass Bischofszell aufgrund seiner Grösse und Bedeutung zwei bis drei Kantonsräte stellen sollte.

FDP: Aktiver werden

«Es fehlte ein Shooting-Star, den man kennt», bilanziert René Landenberger, Co-Präsident der FDP Bischofszell und Umgebung. «Es hat niemand Lust, als Lückenfüller zu gelten. Logisch haben wir jeden gefragt, der als Kantonsrat in Frage kommt, aber viele sind bereits anderweitig engagiert.» Das Hauptinteresse habe deshalb Bisherigen wie Heidi Grau gegolten. Die Konsequenz für die FDP: «Wir sollten aktiver werden.» Denn bereits für den Vorstand sei es schwierig, Mitglieder zu finden. «Mehr Engagement wäre auch über Jungfreisinnige möglich, die im Raum Weinfelden stark sind.»

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